Gute Beratung ist wichtig, sagt Fritz Ditzel.
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Gute Beratung ist wichtig, sagt Fritz Ditzel.

Tabakfachgeschäft

Rückzugsecke für Raucher

Das Tabakfachgeschäft Ditzel ist eines der letzten seiner Art in der Region. Das Besitzer-Ehepaar ist über 80 Jahre alt und verkauft alles, was gefragt ist: von Zigaretten über Zigarren bis hin zur neuen E-Zigarre.

Von Jörg Andersson

Margarete Ditzel kennt ihre treue Kundschaft. Die Reaktionen seien bei jeder Preiserhöhung nahezu gleich. „Da wird kräftig geschimpft und der Konsum erstmal eingeschränkt“, berichtet die Geschäftsfrau. Doch nach einiger Zeit seien die Vorsätze bei vielen aufgeweicht. „Nur einige Leute hören tatsächlich auf zu rauchen“, beobachtet sie.

Seit langem spürbar ist der Trend zu Stopf- und Drehtabaken. Der macht in vielen Geschäften schon rund ein Viertel des Umsatzes aus. Dazu kommen sogenannte Eco-Zigarillos, die sich von der Zigarette durch ihr braunes Deckblatt und vor allem den Preis unterscheiden – sie sind kaum halb so teuer wie günstige Filterzigaretten. Geschmacksfrage sind die Aroma-Zigaretten. Dazu sticht auf der gläsernen Ladentheke ein karaffenförmiges Objekt ins Auge. „Wasserpfeifen gehen relativ gut“, meint Ehemann Friedrich Wilhelm Ditzel, der eigentlich nur „Fritz“ genannt wird. „Seit immer mehr junge Menschen in die Türkei reisen“, fügt er hinzu. Direkt neben der Kasse finden sich ein Dutzend dazugehörige Tabake mit überwiegend fruchtigen Aromen: Orange, Honig-Melone, Apfel, Mandarine oder eben auch Cappuccino.

Die Welt der Ditzels ist bunter geworden. In der Auslage schimmern rund Hundert silberfarbene Zigarettenetuis oder Feuerzeuge. Doch am meisten gefragt sind die preisgünstigeren Plastikvarianten im knalligen Farbton. „Teure Feuerzeuge kauft heute kaum noch einer“, erzählt Margarete Ditzel, die täglich dreieinhalb Stunden in dem Fachgeschäft im Zentrum Langenselbolds verbringt. Die Eheleute sind eine Institution in der Kleinstadt und fast so alt wie das traditionsreiche Geschäft, das Wilhelm Ditzel vor 90 Jahren eröffnete.

Bis in die 50er Jahre gab es an gleicher Stelle noch eine Leihbücherei. „Die hat mein Vater geschlossen, als das Fernsehzeitalter begann“, berichtet der heutige Inhaber. Als seine Frau und er den Laden Anfang der 70er Jahre übernahmen, wurde noch bei jeder Gelegenheit geraucht, erinnern sich beide. Ob sie sich heute noch mal auf Tabakwaren spezialisieren würden? Auf diese Frage reagieren die Eheleute eher mit einem skeptischen Blick.

Vor allem die verlängerten Öffnungszeiten von Supermärkten und speziell auch Tankstellen, wo sich Raucher quasi zu jeder Tag und Nachtzeit versorgen können, haben am Umsatz genagt. Seither konzentrieren sich die Eheleute und Schwiegertochter Joana, die vormittags im Geschäft steht, noch mehr auf Stammkundschaft. Fritz Ditzel, selbst passionierter Pfeifenraucher, deutet auf seine Spezialitätenecke und schiebt vorsichtig eine Glasscheibe zur Seite. Dann greift der 87-jährige Kaufmann eine in Folie gerollte dunkle Zigarre. „Das ist was Gutes, eine original Kuba, gut gelagert“, betont er. Die Auswahl bevorzugen relativ gut Betuchte. „Rechtsanwälte, Steuerberater oder Ärzte“, ergänzt die Ehefrau. Etwa 70 Sorten edler und exotischer Zigarren und Zigarillos bis zum Stückpreis von 17 Euro lagern im Klima-Schrank. „Unsere Kunden wissen Auswahl und Beratung zu schätzen“, sagen die Ditzels. Bezugsquelle ist nicht der Großhandel, sondern der Importeur. „Da kommt der Kiosk nicht ran“, sagt Fritz Ditzel stolz und deutet auf ein weitere Hausmarke: Pfeifentabak. Mild, mittelstark oder Virginia-Flavour: eigens in Dänemark für Ditzel gemischt.

25 Quadratmeter Verkaufsfläche misst der Laden. Das ausgefallene Sortiment sichert ein Einzugsgebiet von 15 bis 20 Kilometern. Zum Teil kommt Kundschaft aus Hanau oder Gelnhausen, wo das letzte Tabakfachgeschäft vor einigen Jahren geschlossen hat. „Wir können jede Sorte Zigarren besorgen“, unterstreicht Margarete Ditzel. Mund-zu-Mund-Propaganda ist in einer Branche besonders wichtig, wo Reklame und Aktionen für die Produkte tabu sind.

An den Zeitungen, Zeitschriften und Illustrierten, die ein weiteres Regal im Geschäft füllen, lässt sich nicht übermäßig viel verdienen, wissen die Kaufleute. Und von einer anderen Sparte haben sie nach kurzen Überlegungen vor einigen Jahren wieder abgesehen. „Für den Alkoholhandel braucht man viel Kapital und Platz“, erkannte Fritz Ditzel. So ein Spezialgeschäft lasse sich wohl doch nur in einer Großstadt führen. Also blieben die Ditzels auf Raucher spezialisiert.

Und verkaufen, was gefragt ist. Aktuelles Beispiel: die E-Zigarette, aufladbar per Batterie oder Steckdose. Dazu erlaubt sich Margarete Ditzel auch skeptische Töne. Einige Zeit habe man sich geweigert, diese beim Grossisten zu beziehen“, sagt die 81-Jährige, auch weil die Diskussion über die Schädlichkeit noch nicht abgeflammt sei. „Manche Trends halten nicht lange“, sagte sie.

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