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Ein Freund der monumentalen Werke

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Von: Pamela Dörhöfer

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Erland Schneck-Holze mit Requisiten aus „Der Sturm“.
Erland Schneck-Holze mit Requisiten aus „Der Sturm“. © ddp

Erland Schneck-Holze leitet seit 1976 die „Theatergruppe Hola“ und nimmt nun Abschied

Erland Schneck-Holze liebt es pompös: Seine Inszenierungen sind monumentale Werke, gerne vier Stunden lang, kulissenreich, mit bis zu 100 Darstellern auf der Bühne und mehreren Dutzend Helfern dahinter. Nein, der Mann ist nicht etwa Intendant eines Opernhauses, sondern Leiter der Theatergruppe der Hohen Landesschule – und in Hanau eine Institution. Ein liebenswert schräger Vogel, ein Besessener, dessen opulente Produktionen legendär sind. Sogar das Trojanische Pferd brachte er auf die Bühne; Schüler waren darin versteckt.

Nur die großen Klassiker

33 Stücke hat Deutschlehrer Schneck-Holze seit 1976 mit dem Hola-Ensemble einstudiert, ganze Generationen von Oberstufenschülern des Traditionsgymnasiums arbeiteten sich unter seiner Regie an den großen Klassikern ab. Denn unter Goethe, Schiller, Shakespeare und Co. machte es der Oberstudienrat nicht: Auf dem Spielplan standen unter anderem „Faust I und II“, „König Lear“, „“Troja“, Die Nibelungen“, „Nathan der Weise“ oder „Maria Stuart“. Eine ambitionierte Auswahl, die jedem Stadttheater zur Ehre gereichen würde.

Noch eine Inszenierung im September, Shakespeares märchenhaftes Drama „Der Sturm“, dann geht der 65-Jährige in den Ruhestand; Nachfolger als Leiter der Theatergruppe wird Andreas Kühnel, einer seiner ehemaligen Schüler und Darsteller und heute selbst Lehrer an der Hola.

Zum Abschied und zur Sicherung des Fortbestands der Theatergruppe veranstaltet der Club „Soroptimist International“ am Samstagabend im Comoedienhaus eine – ausverkaufte – Benefizgala, bei der neben Hanauer Größen wie Benjamin Baumann, Frieder Arndt oder Frank Mumme auch Dominic Raacke und Rolf Kanies auftreten. Beide haben große Karrieren gemacht: Raacke gehört zu den bekanntesten deutschen Schauspielern, populär wurde er vor allem als Kommissar Ritter im Berliner „Tatort“. Kanies, 1994 preisgekrönt als „Nordrhein-Westfalens bester Schauspieler, war unter anderem im Film „Der Untergang“ zu sehen.

Beide waren Schüler der Hohen Landesschule. Beide initiierten sie zusammen mit dem damaligen Referendar Erland Schneck-Holze die Theatergruppe – mit deren erster Produktion „Leonce und Lena“ sie 1976 in der Stadthalle ihr Debüt gaben: Dominic Raacke als König, Rolf Kanies als Valerio. Auch in der nächsten Inszenierung, „Tango“ von Slawomir Mrozek wirkten sie noch mit, bevor sie nach dem Abitur 1978 Schauspiel studierten.

Der spätere Erfolg seiner beiden Schützlinge sei für ihn damals schon „absehbar“ gewesen, sagt Schneck-Holze, „hochbegabt“ seien sie gewesen, „vom Typ sehr unterschiedlich“. Es habe sich auch abgezeichnet, dass Raacke eher zum Film und Kanies eher zur Bühne strebe; heftige Diskussionen hätten sie darüber geführt.

Bis heute ist der Kontakt zu ihrem ehemaligen Lehrer nicht abgerissen – wie überhaupt das Gros seiner Schüler den Pädagogen sehr zu schätzen scheint. „Er ist anstrengend, aber extrem produktiv. Und er lässt den Schülern viel Freiraum“, sagt sein Nachfolger, „deshalb lieben sie ihn“.

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