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Frauenhaus benötigt Spenden

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Von: Detlef Sundermann

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Plakataktion: Jutta Müller vom Trägerverein und Horst Fehnl von Teamwerbung 3.0.
Plakataktion: Jutta Müller vom Trägerverein und Horst Fehnl von Teamwerbung 3.0. © Monika Müller

Das Frauenhaus Hanau benötigt Spenden und startet deshalb eine neue Kampagne mit Plakatwettbewerb. Der Landeszuschuss reicht nicht, um die Arbeit des Frauenhaus zu finanzieren.

Seit vergangenem Jahr erhält das Hanauer Frauenhaus wieder einen jährlichen Zuschuss vom Land Hessen – nach zwölf Jahren! Dennoch haben sich die Geldnöte damit nicht aufgelöst. Eher das Gegenteil sei eingetreten, sagt Jutta Müller von Vorstand des Trägervereins Frauen helfen Frauen. Mit Bekanntwerden der Förderung haben sich Sponsoren zurückgezogen. Gestern ist aus diesem Grund ein großer Plakatwettbewerb gestartet worden.

„Ziel ist es, das Frauenhaus wieder ins Gespräch zu bringen“, sagt Müller auf Anfrage. „Unsere Situation hat sich nicht verändert. Trotz Landeszuschuss müssen wir 40 Prozent der Personalkosten aus Eigenkapital, das heißt aus Spenden finanzieren“, sagt Müller. Besonders heikel sei die Lage im Herbst gewesen. Ob der Botschaft aus Wiesbaden, dass es wieder Geld gibt, sei ein erheblicher Spendenteil ausgeblieben. Die Einnahmen schrumpften um die Hälfte auf rund 35 000 Euro.

„Wir standen kurz vor der Insolvenz und konnten die November-Gehälter an die sechs pädagogischen Kräfte nicht mehr auszahlen“, sagt Müller. Es war nicht die Schuld des Landes. Die 74 000 Euro aus Wiesbaden waren irgendwo in der Kreisverwaltung hängen geblieben, stellte sich heraus. Für das Jahr 2016 sei noch kein Zuschuss des Landes eingegangen, berichtet Müller. „Wie bisher muss der Verein immer sehen, dass noch etwas Geld aus dem Vorjahr übrig bleibt.“

Frauenhaus stärker in die Köpfe bringen

Dass Öffentlichkeit hilft, hat das Hanauer Frauenhaus bereits vor gut zehn Jahren erfahren. 2003 kürzte der damalige hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) unter dem Motto „Sichere Zukunft“ die freiwilligen Ausgaben des Landes rigoros zusammen, darunter auch die Förderung der Frauenhäuser. „Stellen Sie sich vor, das Land hat uns das Geld gestrichen“, bekam Horst Fehnl vom damaligen Vorstand des Trägervereins zu hören.

Der langjährige Unterstützer des Frauenhauses und Inhaber der Agentur Teamwerbung 3.0 beließ es aber nicht mit dem pragmatischen Rat, sich nun darauf einzustellen, Spenden zu beschaffen. Das Unternehmen kreierte mit dem Frauenhaus die Spendenkampagne „Wir brauchen kein Mitleid, sondern Mittel“.

Mit dem Plakatwettbewerb unter der Schirmherrschaft der Ersten Kreisbeigeordneten Susanne Simmler und OB Claus Kaminsky (beide SPD) soll nun erneut versucht werden, „das Thema Frauenhaus stärker in die Köpfe zu bringen“, so Fehnl. Aufgerufen seien jetzt Schulklassen, aber auch Bürger einen Entwurf bis zu den Sommerferien einzureichen. Nach einer Ausstellung im Rathaus werde es im September im „Hanauer Anzeiger“ zu einem Voting für das nächste Kampagnenmotiv kommen , so Fehnl. Verleger Thomas Bauer zähle mit zu den dauerhaften Sponsoren des Frauenhauses.

Nicht nur finanziell, auch räumlich ist die Lage im Frauenhaus Hanau angespannt. „Wir sind voll belegt und das seit längerem“, sagt Jutta Müller vom Trägerverein. Zurzeit sind elf Frauen mit insgesamt zehn Kindern in den elf Zimmern untergebracht. Wie lange sie dort bleiben, ist unterschiedlich. Nach der Trennung vom gewaltsamen Partner sei es für manche Frauen mit Kind schwierig auf dem Hanauer Wohnungsmarkt eine Bleibe zu finden, sagt Müller.

Plakatwettbewerb, Entwürfe an Teamwerbung 3.0, www.teamwerbung.de.

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