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Das Gemälde von Conrad Westermayr zeigt, wie Hanau in der Nacht vom 30. auf den 31. Oktober 1813 beschossen wurde.
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Das Gemälde von Conrad Westermayr zeigt, wie Hanau in der Nacht vom 30. auf den 31. Oktober 1813 beschossen wurde.

Ausstellung „Die Franzosen kommen!“

Die Franzosen kommen

  • Uta Grossmann
    VonUta Grossmann
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Auf sehr großes Interesse ist die Vernissage der Ausstellung „Die Franzosen kommen!“ - Hanau in der Zeit Napoleons 1806-1813 gestoßen. Viele wollten etwas über die Schlacht bei Hanau wissen. Die Ausstellung ist noch bis zum 26. Januar zu sehn.

Im Weißen Saal von Schloss Philippsruhe war kein Platz mehr frei. Obwohl alle verfügbaren Stühle herbeigeschafft worden waren, reichten sie nicht. Das große Interesse weckte die Vernissage der Ausstellung „Die Franzosen kommen!“ Hanau in der Zeit Napoleons 1806-1813. Sie stellt die Schlacht bei Hanau dar, bei der Napoleons Truppen auf dem Rückzug von der verlorenen Völkerschlacht bei Leipzig am 30./31. Oktober 1813 ihren letzten Sieg auf deutschem Boden errangen.

Zwar sind auch Militaria wie Säbel und eine 7,4 Kilo schwere Kanonenkugel zu sehen, doch die Schau betreibt keine Kriegsverherrlichung, sondern ordnet die Schlacht in ihren historischen Kontext ein. Sie widmet sich der französischen Besatzungszeit in Hanau zwischen 1806 und 1813 und ihren Auswirkungen auf die Bewohner des Kinzigtals. Geistesgeschichtlich schlägt sie den Bogen zur Romantik, als deren Vertreter die Brüder Grimm vorgestellt werden.

Erstmals zu sehen

Zur Eröffnung kam das Oberhaupt des Hauses Bonaparte, Charles Napoleon Bonaparte, ein Nachfahre des Kaisers. Er ist der Ururenkel von Napoleons Bruder Jerome. Unter den Gästen waren auch Vertreter anderer fürstlicher Familien, deren Ahnen in dem Geschehen prominente Rollen spielten, etwa Nachfahren des Generals Carl Philipp von Wrede, der die bayerisch-österreichischen Truppen gegen Napoleon in die Schlacht geführt hatte und schwer verwundet wurde. Die Adelsfamilien stellten Leihgaben für die Ausstellung zur Verfügung, die das Museum mit dem Hanauer Geschichtsverein 1844 erarbeitet hat.

Viele der Leihgaben werden in den Gemächern der Familien aufbewahrt und sind erstmals in einer Ausstellung zu sehen, wie der Vorsitzende des Geschichtsvereins 1844, Martin Hoppe, hervorhob. Beispielsweise ein Ölgemälde von Joseph Stieler, das die Ehefrau von Fürst von Wrede, Sophie Aloysia Agathe Gräfin von Wiser-Siegelsbach, zeigt.

Den Eingang zum Schloss Philippsruhe bewachten drei „Soldaten“ mit (nachgebauten) Gewehren aus der Franzosenzeit, zwei in der nach historischem Vorbild geschneiderten Uniform der Franzosen und einer in Hessen-Darmstädter Kluft. Wer wollte, durfte so ein Gewehr oder einen Tornister mal heben, um nachvollziehen zu können, was die Soldaten zu schleppen hatten. Aus der Großauheimer Partnerstadt Conflans-Sainte-Honorine war eine 17-köpfige Delegation angereist.

OB Claus Kaminsky (SPD) nannte die Schau einen „bemerkenswerten Wurf“: Sie beleuchte die Hanauer Ereignisse im europäischen Kontext. Zugleich mache sie das Geschehen anschaulich. Kurator Erhard Bus, Historiker aus Nidderau, habe eine fast auf die Stunde genaue Darstellung des Ablaufs der Schlacht ermöglicht. „Die Schlacht wird nicht glorifiziert“, betonte der OB. Vielmehr sei die Ausstellung ein Votum gegen Krieg und für die Festigung der deutsch-französischen Freundschaft.

Begründer einer neuen Welt

Der hochgewachsene Charles Bonaparte hätte seinen Vorfahren um mehrere Köpfe überragt und warb auf sympathische Weise um eine differenzierte Sicht auf Napoleon. Zwar habe der Europa mit Krieg überzogen und 67 Feldzüge geführt, doch er sei auch der Begründer einer neuen Welt gewesen, die aus den Werten der Aufklärung entstand. So habe er Privateigentum, religiöse Freiheit und eine moderne Administration eingeführt. Die Ausstellung nehme diese zivilen Errungenschaften der französischen Besatzung in den Blick. „Mein Kompliment, das haben Sie gut gemacht“, lobte Bonaparte.

Festredner Pierre Monnet, Direktor des Institut français d’histoire en Allemagne, warnte zunächst: „Sie haben sich im Historiker geirrt.“ Er sei keineswegs ein Fachmann für moderne Geschichte, sondern Mittelalter-Spezialist. Er stellte sich dennoch tapfer seiner Aufgabe und erinnerte an die deutsch-französische Dimension der Ereignisse rund um die Schlacht bei Hanau. Heute gebe es sogar ein deutsch-französisches Geschichtsbuch: „Der europäische Geist beruht auf der Vielfalt der Perspektiven.“

Die Ausstellung ist bis 26. Januar dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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