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Jorge Nobre (links) und Markus Korn in ihrem Showroom in Gelnhausen.

Gelnhausen

Mit „Dreck“ ökologisch bauen

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Korn & Nobre bieten Lehm als Baustoff. Lehm sei eine ernstzunehmende Alternative, auch für Menschen mit gesundheitlichen Problemen. Lehm leistet zudem Erstaunliches. Nicht umsonst haben mit Lehm gebaute Fachwerkhäuser Jahrhunderte überdauert.

Als Markus Korn und Jorge Nobre 2014 den Sprung in die Selbständigkeit wagten und in Gelnhausen das Lehmbauunternehmen Korn&Nobre gründeten, wurden sie von manchen Handwerkskollegen belächelt. „Konventionelle Putzer halten Lehm schlicht für Dreck“, sagt Markus Korn, der selbst gelernter Maler und Lackierer ist. Inzwischen belächeln die Kollegen sie nicht mehr, sondern behandeln das Start-up auf Augenhöhe. Nicht zuletzt trug dazu dessen Nominierung für den Hessischen Gründerpreis 2015 bei, bei dem es Korn&Nobre als einzige aus dem Main-Kinzig-Kreis immerhin ins Halbfinale schafften.

Es habe sich herumgesprochen, dass Lehm eine ernstzunehmende Alternative für herkömmliche Baustoffe ist, so Korn und Nobre. Nicht nur für Menschen, die das Besondere lieben, die ein altes Fachwerkhaus sanieren oder ihren ökologischen Lebensstil nicht nur auf Biolebensmittel beschränken, sondern auch beim Wohnen auf natürliche Baustoffe achten. Sondern zunehmend auch für Menschen mit gesundheitlichen Problemen. Asthmatiker etwa oder Menschen mit Neurodermitis oder Allergien, die Lösungsmittel oder andere chemische Zusätze in konventionellen Baumaterialien nicht vertragen.

Lehm leistet Erstaunliches. Nicht umsonst haben mit Lehm gebaute Fachwerkhäuser Jahrhunderte überdauert. „Man kann sogar tragende Wände und Außenmauern mit Lehm bauen“, sagt Markus Korn. Wie haltbar Lehm ist, zeigte sich bei der Restaurierung einer mehr als 250 Jahre alten Mühle in Wächtersbach. „Wir konnten den alten Lehm nass machen und wiederverwenden“, erzählt Korn.

Lehm sorgt für ein gesundes Raumklima, weil er Feuchtigkeit aufnimmt – sogar im Bad, „da beschlägt kein Spiegel mehr“, sagt Nobre. Lehm wird in der Wärmedämmung eingesetzt („absorbiert Elektrosmog“, so Nobre), als Sichtmauerwerk im Wohnbereich oder kombiniert mit einer Wandheizung. „Strahlungswärme ohne Milbenstaub“, erläutert Nobre den Vorteil, den besonders Hausstauballergiker schätzen.

Die vielfältigen Möglichkeiten natürlicher Baustoffe demonstrieren Korn und Nobre in ihrem Gelnhäuser Showroom. Dort können Besucher auch Riechproben nehmen: Ökolehm riecht nach Waldboden.

Und während der klassische Dämmstoff Glaswolle eine Art Uringeruch verströmt, duftet die natürliche Alternative Hanf nach – Heuschober. Für Hanf als Baustoff werben Korn&Nobre sogar auf ihrem Firmenfahrzeug, mit einem großen Hanfblatt. Jorge Nobre wird demnächst sein Privathaus auf Hanfdämmung umrüsten. „Das wird das erste Hanfhaus in Gelnhausen“, verspricht er.

Mit ihrer Kombination aus Malerhandwerk („Wir bieten auch das klassische Raufaserweiß für Lieschen Müller an“) und alternativer Ökoschiene bieten Korn und Nobre einen im weiteren Umkreis einzigartigen Mix. „Wir wollen uns mit dem Naturkonzept bewusst abheben und gehen nicht in den Preiskampf konventioneller Anbieter“, sagt Jorge Nobre. „Natürlich mussten wir aber auch Lehrgeld zahlen“, ergänzt er. „Wir brauchen andere Maschinen, der handwerkliche Aufwand ist höher und die intensive Beratung unserer Kunden kostet mehr Zeit“, zählt er auf. Für die Kunden liegen die Kosten für den Einsatz von Lehm statt herkömmlicher Baustoffe um 20 bis 30 Prozent höher.

Auch sonst gehen die Gründer ungewöhnliche Wege: Der erste Mitarbeiter, den sie einstellten, ist ein syrischer Flüchtling, der erste Praktikant ein Eritreer.

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