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Großkrotzenburg

Flüchtlinge in Großkrotzenburg erheben Vorwürfe

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Nach dem gewaltsamen Tod eines Geflüchteten in Großkrotzenburg werfen Mitbewohner:innen des Opfers der Politik Versagen vor. Denn dass der Täter gefährlich ist, war bekannt.

Bewohner einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge erheben nach dem gewaltsamen Tod eines Mitbewohners in einem offenen Brief Vorwürfe gegen Großkrotzenburgs Bürgermeister Thorsten Bauroth (parteilos) und Thorsten Stolz (SPD), Landrat des Main-Kinzig-Kreises. Demnach sollen die Bewohner:innen der Containersiedlung über die Gefährlichkeit des Täters nicht informiert gewesen sein.

Am Abend des 13. Januars kam es in der Unterkunft, in der 76 Männer leben, aus bislang unbekannten Gründen zu einem Streit zwischen einem 25 Jahren alten Afghanen und einem 33 Jahre alten Somalier. Im Laufe der Auseinandersetzung soll der Somalier mit einem Messer auf den Kontrahenten eingestochen und ihn so schwer verletzt haben, dass er noch vor Eintreffen des Notarztes verstarb.

Bei den Menschen in der Containeranlage herrscht nicht nur Trauer über den Verlust, eines „ruhigen und freundlichen Menschen“. In den Schreiben heißt es gleichfalls: „Wir sind auch wütend.“ Denn die 38 Unterzeichner stellen sich die Frage, ob der Tod des 25-Jährigen nicht hätte verhindert werden können, auch weil sich die Fluchttür mutmaßlich nicht öffnen ließ.

Der Täter war kein unbeschriebenes Blatt. 2013 verletzte er einen Mitbewohner in einer Asylbewerberunterkunft in Maintal (ebenfalls Main-Kinzig-Kreis). Dafür wurde der Mann von der Schwurgerichtskammer in Hanau zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt. Nach Verbüßen der Strafe stand die Abschiebung an. Dagegen klagte er erfolglos.

Nach der Entlassung 2019 kam die Rückführung mangels Ausweispapieren nicht zustande. Der 33-Jährige wurde auf Weisung des Kreises in Großkrotzenburg untergebracht. „Niemand hat uns vor der Gefährlichkeit des Mannes gewarnt“, heißt es in dem Brief. Der Täter habe sich „seit Monaten psychisch auffällig und bedrohlich verhalten“, Hinweise an die Asylbetreuer der Gemeinde seien ohne Folgen geblieben.

Bauroth und Stolz bedauern die Tat und sprechen den Angehörigen und Freunden ihr Mitgefühl aus. Aus dem Landratsamt heißt es, dass weder bei der Ausländerbehörde noch bei den Mitarbeiter:innen vor Ort Hinweise über ein auffälliges Verhalten des 33-Jährigen eingegangen seien. Er habe seine Strafe und über ein Jahr geltende Auflagen wie gemeinnützige Arbeit ohne Beanstandung abgeleistet. Damit habe kein Grund vorgelegen, eine Warnung auszusprechen.

Bauroth sagt, dass der 33-Jährige den gemeindlichen Betreuern als unauffällig und ordentlich erschienen sei. Er sei in Großkrotzenburg untergebracht worden, weil das erste Opfer noch in der Maintaler Unterkunft wohne. Laut Bauroth ist die Fluchttür nicht defekt, sondern lediglich schwergängig gewesen.

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