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Klaus Remer ist Kulturbeauftragter von Hanau
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Klaus Remer ist Kulturbeauftragter von Hanau

Interview mit Klaus Remer

„Festspiele nicht schlechtreden“

Der Hanauer Kulturbeauftragte Klaus Remer spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau über die Brüder-Grimm-Festspiele und mehr Kooperation in der Kultur.

Nach der Kommunalwahl würden Sie Ihre Arbeit als ehrenamtlicher Kulturbeauftragter der Stadt gerne fortsetzen. Was reizt Sie mit über 70 und nach so langer Zeit in der Politik daran, noch in einem Amt zu sein?

Das hat mit meiner Vorgeschichte zu tun. Meine Abwahl als Kultur- und Sozialdezernent tat weh. Als Kulturbeauftragter habe ich die Chance zu zeigen, dass ich noch etwas bewirken kann und auch einiges Ansehen besitze. Nach der letzten Kommunalwahl ergaben Gespräche, dass der Oberbürgermeister in seiner Funktion als Kulturdezernent Unterstützung und eine Vertretung bei Terminen gut gebrauchen kann. Das habe ich gerne übernommen – auch weil ich mithelfen will, dass Kultur in Hanau ihren Stellenwert behält. Die Arbeit macht mir immer noch Freude. Ich habe aber kein Problem aufzuhören und muss nicht die ganze Legislaturperiode weitermachen.

Wie groß sind Ihre Gestaltungsmöglichkeiten und Ihr Einfluss neben Oberbürgermeister Claus Kaminsky und dem Leiter des Fachbereichs Kultur, Klaus-Dieter Stork?

Das ist relativ zu sehen. Ich habe die Möglichkeit, meinen Rat einzubringen. Dass ich bei jeder Entscheidung im Kulturbereich gefragt werde, will ich nicht behaupten, aber ich habe auch nicht das Gefühl, übergangen zu werden.

Welche Ziele haben Sie für die kommende Legislaturperiode in Hanau?

Ich möchte den Oberbürgermeister darin bestärken, dass Kultur keine freiwillige Leistung und kein Luxus ist, auch nicht in finanziell schwieriger Zeit. Denn in der Politik existiert generell eine große Bereitschaft zu sagen, Kultur können wir uns nicht leisten. Ich kämpfe dafür, dass auch die Errungenschaften meiner Amtszeit als Dezernent erhalten bleiben. Die Kulturveranstaltungen sollten allerdings besser abgestimmt werden, da gibt es auffällige Doppelungen. Und wir sollten darauf achten, das Augenmerk nicht zu stark auf Events zu richten.

Sie haben auch davon gesprochen, Hanau benötige einen Kulturentwicklungsplan.

Ja, dabei geht es vor allem um die Frage, wie ein Querverbund zwischen den Museen organisiert werden kann und wie das geplante Brüder-Grimm-Kulturzentrum und die neue Bibliothek besser zu integrieren sind. Für die Museen gibt es eigentlich schon seit den 80er Jahren ein Konzept, das aber bis heute noch nicht vollständig umgesetzt wurde. Auch sollten wir uns überlegen, wie das Hessische Puppenmuseum professioneller eingebunden werden kann. Die derzeitige Konstruktion mit einem Trägerverein sehe ich auf Dauer nicht als haltbar an.

In den vergangenen Wochen gab es negative Schlagzeilen über die Märchenfestspiele, die Zuschauerzahlen sanken, die Finanzen liefen aus dem Ruder. Sie haben das Festival vor 25 Jahren mit etabliert und seither begleitet. Was ist zuletzt schief gelaufen?

Die Märchenfestspiele sind eine großartige Erfolgsgeschichte. Dass der Aufstieg in den letzten drei Jahren nicht so weiterging, ist nichts Dramatisches. Auch nicht die Tatsache, dass mal eine Inszenierung misslingt. 2010 hat das eben den Festspielleiter selbst getroffen. Bei der aktuellen Diskussion sollte man aufpassen, das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten. Ich habe große Sorge, dass die Festspiele schlechtgeredet werden könnten.

Also keine Kritik?

Natürlich hat Dieter Gring Fehler gemacht, was die Ausgaben betrifft. Sein Vertrag sah bisher vor, dass er auch die finanzielle Verantwortung hat. Dass Herr Stork sich jetzt um die Finanzen kümmert, habe ich selbst empfohlen. Ich finde diese interne Kontrolle besser, als wenn beispielsweise ein Sparkommissar aus der Kämmerei eingesetzt worden wäre.

Und was halten Sie vom inhaltlichen Konzept Grings, speziell der Klassifizierung in Erwachsenen- und Kinderstücke und der Aufnahme ausländischer Märchen in den Spielplan?

Grundsätzlich finde ich es richtig, auch ausländische Märchen aufzuführen. Allerdings wäre es bei der Reduzierung auf drei Stücke in der vergangenen Saison vielleicht besser gewesen, bei den Grimms zu bleiben. Alle Inszenierungen sind generell für die gesamte Familie gedacht. Der Hinweis „Kinderstücke“ kommt vor allem zustande, dass nach solchen Stücken vom Publikum gefragt wird. Gerade der Ansatz, beide Zielgruppen anzusprechen, war stets ein wesentlicher Faktor der Märchenfestspiele – und etwas Einmaliges in der Theaterlandschaft. Allerdings sollten die Zuschauer nicht durch die Art der Inszenierungen verprellt werden. Aber natürlich kann auch über die Jahre die reine Reproduktion von Märchen nicht das Ziel sein. Es gilt, einen Mittelweg zu finden.

Haben Sie schon mit Dieter Gring darüber gesprochen?

Ich habe mit Dieter Gring eine gute Gesprächsebene. Der Intendant muss sich allerdings stets inhaltlichen Fragen stellen, ich denke, er tut es. Ich habe auch vorgeschlagen, nach der Kommunalwahl eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema zu veranstalten.

Interview: Pamela Dörhöfer

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