Der Streit um die Windkraft wird auch im Landtagswahlkampf im Main-Kinzig-Kreis ausgetragen.
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Der Streit um die Windkraft wird auch im Landtagswahlkampf im Main-Kinzig-Kreis ausgetragen.

Windenergie in Hessen

Streit um Windenergie

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Die Initiative "Vernunftkraft" mischt im Wahlkampf für die Landtagswahl in Hessen mit. Bodo Delhey, Ersatz-Direktkandidat der Freien Wähler im Main-Kinzig-Kreis, wirft ihr vor, Werbung für die AfD zu machen.

Die Aussagen auf den Plakaten und Bannern sind unmissverständlich: „Keine Stimme für Windkraft-Befürworter“ und „Wer Natur und Menschen quält wird im Oktober abgewählt“. Und während neben den Logos von CDU, SPD, Grünen und Linken, die auf Windkraft setzen, ein roter Daumen nach unten zeigt, geht neben dem Logo der Ausbaugegner von der FDP ein grüner Daumen hoch – genauso wie neben dem AfD-Zeichen.

So positioniert sich „Vernunftkraft Hessen“. Bei dem Verein handelt sich um den Landesverband eines bundesweiten Bündnisses von Bürgerinitiativen, die gegen Windräder kämpfen. Als Vorstandssprecher des hessischen Verbands, dem nach eigenen Angaben 74 Initiativen angehören, fungiert Rolf Zimmermann. Er ist gleichzeitig stellvertretender FDP-Kreischef und sitzt im Kreistag sowie in der Regionalversammlung Südhessen. „Vernunftkraft Hessen“ mischt im Wahlkampf ordentlich mit, etwa mit Podiumsdiskussionen, Plakat- und Protestaktionen.

Jetzt ist Kritik laut geworden. Bodo Delhey bemängelt, die Windkraftgegner „werben für die AfD“. Obwohl sie nicht zur Wahl stünden, würden sie plakatieren. Mit der Aufforderung „Leugner des Klimawandels wie die rechtsextreme AfD zu wählen“, hätten Zimmermann sowie die Bürgerinitiativen, die sich „Vernunftkraft“ angeschlossen haben, eine Grenze überschritten und den demokratischen Konsens verlassen. Delhey, Vorsitzender des BUND Main-Kinzig, ist Befürworter der Energiewende und Mitglied der Energiegenossenschaft Main-Kinzigtal, die sich an Projekten für erneuerbare Energien beteiligt.

Im Main-Kinzig-Kreis, dem flächenmäßig größten Kreis in Südhessen, sind nach Angaben des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt rund 90 Windkraftanlagen in Betrieb. Ende Juni genehmigte die Aufsichtsbehörde den Bau sechs neuer Anlagen in Jossgrund und Flörsbachtal, wobei ursprünglich 13 geplant waren. In den ländlichen Teilen des Kreises leisten mehrere Bürgerinitiativen Widerstand gegen solche Projekte, etwa Gegenwind Bad Orb oder die BI Windkraft im Spessart, zu der auch Zimmermann gehört. Auch die AfD Main-Kinzig und ihre Landtagskandidaten lehnen Windkraft ab und versuchen, die Gegner auf ihre Seite zu ziehen. 

Zimmermann weist die Vorwürfe zurück und nennt Gründe, die gegen weitere Anlagen sprächen. Etwa dass keine Rücksicht auf die Natur genommen werde und Windkraft Kohle- und Atomstrom nicht ersetzen könne. „Vernunftkraft“ werbe nicht für die AfD, plädiere für einen kritischen, aber sachlichen Umgang mit der Partei. Das Bündnis habe die Parteiprogramme studiert. Und daraus gehe nun mal hervor, dass die AfD hier ebenfalls eine richtige Position vertrete. Windkraftgegner könnten seiner Ansicht nach jedoch nur eine demokratische Partei wählen: die FDP. Die Kritik, der Verein agiere hier für die Liberalen, weist der Ingenieur auch zurück. Er trenne bei seinem Engagement, sei schon vor seinem Eintritt in die FDP in der BI aktiv gewesen.

Delhey widerspricht der Argumentation in Bezug auf die AfD. Die Hinweise des Bündnisses zur Wahl seien eindeutig, die Initiativen aus dem Kreis stellten sich an die Seite von Leugnern des Klimawandels. Diesen könne nur die Energiewende stoppen. Die Sorge um den Naturschutz sei von Lobbyisten konventioneller Energie nur vorgeschoben: Das RP prüfe die Anträge für Anlagen sehr genau. Und lege sein Veto ein, wenn dies notwendig ist.

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