Hanau

Rathaus-Umbau kostet viel mehr

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Die Stadt Hanau gibt zusätzliche 3,5 Millionen Euro für die Sanierung aus.

Das Neustädter Rathaus gehört zu den Wahrzeichen und Schmuckstücken Hanaus. In den Fenstern der roten Sandsteinfassade wird sich bald der Adventskalender öffnen. Das am Marktplatz gelegene Barockgebäude, in dessen Turm ein Glockenspiel eingebaut ist, wurde 1733 errichtet und nach der Zerstörung im Krieg in den 60er Jahren wiederaufgebaut. Doch seit sieben Jahren werden weite Teile nicht genutzt, wegen Problemen beim Brandschutz, mangelnder Barrierefreiheit und eines jahrzehntelangen Sanierungsstaus. Früher tagte hier das Parlament, musste aber in die Altstadt in den Congress Park ausweichen.

Das soll sich ändern, denn im August hat endlich die Erneuerung des Rathauses begonnen. Laut Plan sollte sie im Frühjahr 2020 abgeschlossen sein und 5,8 Millionen Euro kosten. Bereits nach Beginn der Entkernung ist allerdings klar: Es wird mit etwa 9,3 Millionen Euro deutlich teurer werden und länger dauern, wohl mindestens bis Anfang 2021. Zu den Baukosten kommen noch etwa 250.000 Euro für die Technik, die im künftigen Plenarsaal beispielsweise Leinwände, ein Streamingsystem für das Übertragen der Sitzungen und elektronische Abstimmungsgeräte umfasst. 

Hiltrud Herbst, Leiterin des städtischen Eigenbetriebs Hanau Immobilien und Baumanagement (HIB), führt die Mehrkosten vor allem auf zwei Faktoren zurück. Zum einen habe sich erst jetzt herausgestellt, dass die Decken nicht den aktuellen statischen und brandschutztechnischen Anforderungen entsprechen und aufwendig erneuert werden müssen. Zum anderen muss das neue Treppenhaus mit einer Druckbelüftung ausgestattet werden, damit es im Brandfall sicher ist. Ein weiterer Kostentreiber ist der neue Aufzug. Derzeit hat das Rathaus gar kein abgeschlossenes Treppenhaus, weshalb die oberen Stockwerke nicht genutzt werden können. Die ursprüngliche Kalkulation basierte auf Plänen aus dem Jahr 2011.

Wegen der erheblich höheren Ausgaben ist nun eine europaweite Ausschreibung notwendig. Auch das könnte den Fortschritt verzögern. Bürgermeister und Baudezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) zeigte sich im Ausschuss für Bauen und Energie trotz der Kostensteigerung gelassen und wies Kritik daran bereits zurück. Eine unendliche Geschichte finde nun ein gutes Ende, sagte er. Das Rathaus werde wieder die zentrale demokratische Stätte in Hanau und könne nach Umbau und Sanierung wieder auf Jahrzehnte genutzt werden, auch für kulturelle Zwecke. Die Schwierigkeiten, etwa bei den Decken, hätten sich vorhersehen lassen.

Nach Angaben von Weiss-Thiel ist ein Kredit aus einem Investitionsfonds in Höhe von 5,5 Millionen Euro genehmigt, die Restsumme wird beantragt. Darüber hinaus seien „von verschiedenen Stellen Zuschüsse zugesagt worden“, so Weiss-Thiel.

Ob die Stadt tatsächlich deutlich mehr ausgeben darf, entscheiden die Stadtverordneten – unter denen die Koalition aus SPD, Bürgern für Hanau, Grünen und FDP eine deutliche Mehrheit hat – Mitte Dezember. 

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