Angeschaufelt ist – jetzt können die Bagger kommen.
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Angeschaufelt ist – jetzt können die Bagger kommen.

Erlensee/Neuberg

Entlastung für Dorfkerne

Mancher hat schon nicht mehr daran geglaubt: Nach 40 Jahren Planungszeit beginnt jetzt der Bau der Erlenseer Ortsumgehung für 6,5 Millionen Euro.

Von Alexander Polaschek

Für diese Straße wollten die Erlenseer Sozialdemokraten sogar den Verkehrsminister aus dem eigenen Lager mit einem Sitzstreik brüskieren. Das war im Sommer 1998, und genutzt hat auch dieser ultimative Protest erst einmal nichts. Der Durchgangsverkehr auf der Landesstraße 3193 rollt nach wie vor, mit steigender Tendenz, durch Erlensee-Langendiebach und Neuberg-Ravolzhausen. Doch jetzt, 40 Jahre nach den ersten Planungen, beginnt der Bau einer 3,5 Kilometer langen Umgehungsstraße.

„Etliche Bürger hatten die Hoffnung längst aufgegeben“, sagt Erlensees Bürgermeister Stefan Erb (SPD). Umso größer war die Begeisterung, als er sich am Montag mit seiner Neuberger Kollegin Iris Schröder (SPD) und dem hessischen Verkehrsstaatssekretär Steffen Saebisch (FDP) zum feierlichen Baubeginn traf.

Trotz widriger Witterung zelebrierten rund 60 Gäste aus Kommunal- und Landespolitik den ersten Spatenstich am Oberissigheimer Weg nahe dem Langendiebacher Friedhof. Dort wird eine Brücke über einen Landwirtschaftsweg gebaut. Zwei weitere Brücken sind über einen Wirtschaftsweg und den Fallbach geplant. Mit diesen Bauwerken soll das Projekt im Frühjahr sichtbar beginnen.

Drei bis vier Jahre Bauzeit

Rund 6,7 Millionen Euro sind laut Saebisch für die Umgehungsstraße kalkuliert. Das Land Hessen sei alleiniger Kostenträger. Somit wird es auch vom Landeshaushalt abhängen, wann die Eröffnung gefeiert werden kann. Eine verbindliche Aussage des Landes gibt es dazu nicht. Erb rechnet mit drei Jahren Bauzeit, wenn der Geldfluss nicht stockt, ansonsten könnten es auch vier Jahre werden. Anschließend könne die Gemeinde endlich darangehen, die jetzige Durchgangsstraße, Ravolzhäuser-/Bruchköbeler Straße, neu zu gestalten: „Das soll eine schöne innerörtliche Straße werden. Damit steigt die Lebensqualität im Dorf.“

Bisher war an solchen Umbau nicht zu denken – mit zuletzt gezählten 14000 Fahrzeugen in 24 Stunden. „Das ist eine ganze Menge für ein Dorf wie Ravolzhausen, mit engen Straßen, in denen zwei Lastwagen nur mit Mühe aneinander vorbeikommen“, reklamiert auch Bürgermeisterin Schröder. Auch wenn der Baubeginn zuletzt für 2009 und die Fertigstellung für 2011 avisiert gewesen seien, „haben wir geduldig auf heute gewartet“, sagte sie. Kritiker der Strecke müssten realisieren, dass es „ein guter Tag für die Neuberger Bevölkerung“ sei. Die Grünen opponieren gegen das Projekt. Sie halten diese und fünf weitere geplante Ortsumgehungen im Kreis für unnötig.

Lastwagenverkehr nimmt zu

Laut Schröder leiden die Anwohner in letzter Zeit zusätzlich unter einem wachsenden Aufkommen an Schwerlastverkehr. Nach ihrer Beobachtung verlassen auffällig viele Lastwagen die Autobahn 45 in Langenselbold-West und fahren über die Landstraße durch die Dörfer in Richtung Bruchköbel. „Ich habe den Eindruck, dass damit Mautstellen umfahren werden sollen.“

Die neue Streckenführung der Landesstraße solle erhebliche Entlastung bringen, wie Staatssekretär Saebisch verspricht: „Die Anwohner in Langendiebach werden künftig bis zu rund 82 Prozent und in Ravolzhausen bis zu 75 Prozent vom Durchgangsverkehr entlastet.“ Der tägliche Verkehr in den Ortsdurchfahrten werde sich, je nach Abschnitt, trotz der allgemeinen Verkehrszunahme auf rund 1800 bis 2450 Fahrzeuge in Langendiebach und etwa 1850 in Ravolzhausen reduzieren. Die Verminderung des Verkehrslärms werde zwischen sechs bis sieben db(A) betragen. Nach einer amtlichen Verkehrsprognose sollen im Jahr 2015 bis zu 15000 Fahrzeuge am Tag über die neue Ortsumgehung rollen.

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