In sechseinhalb Monaten soll an der Europäischen Schule in Dorteweil der Unterricht beginnen.
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In sechseinhalb Monaten soll an der Europäischen Schule in Dorteweil der Unterricht beginnen.

Richtfest

Englisch quasi Schulsprache

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Zum Richtfest der Europäischen Schule sind die Erwartungen an die Ausbildung hoch. Rund 300 Kinder sollen angemeldet sein.

Die Theodor-Heuss-Straße am letzten Kreisel, bevor es über die Chaussee nach Karben geht, glich am Samstagnachmittag einem Parkplatz der Premiumautomarken von BMW bis Jaguar, sogar ein Maserati fehlte nicht. Anlass war kein Treffen von Topmanagern, sondern das Richtfest der Europäischen Schule, die im August eröffnet wird. Rund 500 Gäste wurde geladen – zumeist Eltern der künftigen Schüler.

„Unser Sohn soll in eine gute Schule gehen“, erklärt ein Frankfurter Elternpaar, das nicht namentlich genannt werden möchte. Der Neunjährige gehört zu den bereits ungefähr 300 angemeldeten Kindern. Er soll vor allem vom bilingualen Unterricht profitieren. „Wer Fremdsprachen beherrscht, hat eine bessere berufliche Zukunft.“

So sieht es auch eine Vilbeler Lehrerin, die ihren Sohn statt im Ort lieber nach Bad Schwalbach in den mehrsprachigen Unterricht bringt. Mit der Eröffnung der Schule, wo Englisch quasi Schulsprache ist, soll sich das für den Filius ändern. Der Mutter gefällt ebenso der „freiheitliche Gedanke und das moderne Lernen“.

Schulleiter Tom Zijlstra, der in seiner Rede überwiegen auf Englisch zu den Gästen in der Aula in spe sprach, bezeichnete die private Bildungsstätte als „magischen Ort“, an dem das Kränkeln des Euros oder die ruinöse Staatsverschuldung der Mitgliedsländer keinen Platz haben sollen, sondern nur das Lernen für eine „blühende Zukunft Europas“. In diesem Sinn betrachtete der Friedberger Architekt Michael Frielinghaus die Schule als Ort, an dem sich „unterschiedliche Nationen treffen“.

Weitaus pathetischer äußerte sich der Hessische Europaminister und Bürger der Quellenstadt, Jörg-Uwe Hahn (FDP), der – wie andere Redner auch – Deutsch sprach. Er meinte, die Schule trage zum Erhalt des Europäischen Gedanken und dessen Weiterführung bei. „Wir brauchen viele von diesen Schulen“, forderte Hahn.

Überschwenglich gab sich auch Reinhard Köhler, Vorsitzender des Bund-Länder-Ausschusses für Schulische Arbeit im Ausland. In dem Neubau sieht er ein „wunderbares Signal, mit dem die Europäischen Schulen noch mehr an Strahlkraft zunehmen“. Die Vilbeler Schule gilt als erste Europäische Schule in freier Trägerschaft. Als Bauherrin fungiert die Immobilien-Tochter der Stadtwerke, deren Erster Werksleiter Klaus Minkel auch ehrenamtlicher Geschäftsführer der Schul GmbH ist. Die GmbH ist für den Betrieb zuständig, den der Neue-Mitte-Investor Hansgeorg Jehner in den ersten Jahren finanziert.

Landrat Joachim Arnold (SPD) äußerte sein Befinden mit einem „lachenden und weinenden Auge“. Er lobte die Schule und deren Konzept. Er bedauerte aber dass er Gastschulbeträge an den Schulträger zu zahlen habe.

Eine Folge der Anerkennung als Ersatzschule, die wiederum Eltern Geld spart. Je nach Einkommen beginnt das Schulgeld ab 350 Euro pro Monat – es ist steuerlich absetzbar.

Mit der Europäischen Schule beginne eine neue Ära in der Schulgeschichte der Stadt, stellte Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) fest und dankte im erhöhten Geräuschpegel allen treibenden Kräften. Als letzter Redner bekam er zu spüren, dass die jungen Europäer es mit langen Vortragsreihen nicht halten.

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