Die Tümpelgartenschule sollte Hanaus zweite integrierte Gesamtschule werden.
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Die Tümpelgartenschule sollte Hanaus zweite integrierte Gesamtschule werden.

Tümpelgartenschule

Endgültiges Nein aus Wiesbaden

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Die Hanauer Politik ist enttäuscht: Kultusministerin Henzler lehnt die Umwandlung der Tümpelgartenschule im Lamboy zur Integrierten Gesamtschule ab.

Die Tümpelgartenschule im Lamboy bleibt eine Haupt- und Realschule mit angeschlossener Grundschule und wird nicht in eine Integrierte Gesamtschule umgewandet. Hessens Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) hat den Antrag der Stadt Hanau, die Organisation der Schule zu ändern, jetzt endgültig abgelehnt. Das Ministerium begründet seine Entscheidung mit fehlendem Bedarf: Hanau biete „in allen Bildungsgängen ein hinreichendes Schulangebot“. Eltern, die ihr Kind auf eine Integrierte Gesamtschule schicken wollten, könnten es auf der Lindenauschule in Großauheim unterbringen. Deren Leitung sei in der Lage, „alle Anmeldewünsche aus Hanau zu befriedigen“ – zumal die Schule nicht verpflichtet sei, Kinder aus dem Umland aufzunehmen.

Auf der anderen Seite könnten Hanauer Eltern auch „nicht daran gehindert werden, ihr Kind an einer Schule im Umland anzumelden, schreibt die Kultusministerin ans Hanauer Rathaus, wo man diese Aussage als „zynisch“ empfindet. Ein weiteres Argument gegen eine zweite Integrierte Gesamtschule in Hanau stellt für Henzler schlicht das Geld dar: Denn dadurch würde das gymnasiale Angebot in Hanau erweitert. Das aber könne „nicht im Interesse des Landes sein“, erklärt die Politikerin, weil es mehr Lehrer erfordern und somit zu höheren Personalkosten führen würde.

Stadt sollte Bedarf beweisen

Bereits im März hatte das Ministerium den Antrag, die Tümpelgartenschule umzuwandeln, auf Eis gelegt: Die lokale Politik müsse erst nachweisen, dass es für eine weitere Integrierte Gesamtschule einen Bedarf gebe. Schuldezernent Ralf-Rainer Piesold, FDP-Mitglied und somit in der gleichen Partei wie die Kultusministerin, hatte daraufhin im Stadtparlament eine Vorlage präsentiert, die genau das bestätigen sollte. Unter anderem rechnete er vor, dass im vergangenen Schuljahr 66 Mädchen und Jungen mangels Plätzen in Hanau auf eine Integrierte Gesamtschule im Main-Kinzig-Kreis wechselten. Diese Zahl werde noch wachsen, wenn erst die vielen neuen Wohngebiete in Hanau bezogen seien.

Die Ministerin sieht das anders: „Selbst für den Fall des von Ihnen angenommenen Zuzugs ... wäre gewährleistet, dass Eltern in Hanau den Bildungsgang ihres Kindes frei wählen können“, schreibt sie dem Parteifreund.

Dieser zeigte sich auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau tief enttäuscht. Zwar sei nun endlich die monatelange „Hängepartie“ vorbei – die Entscheidung sei jedoch „fachlich und politisch falsch“, die Argumentation der Ministerin „nicht nachvollziehbar“ und „substanzlos“. Die Stadt hingegen habe detaillierte Planungen für die Entwicklung der Bevölkerung im Lamboy vorgelegt. Henzler gehe darauf „in keiner Weise“ ein, lege aber auch keine „Gegenplanungen“ vor. Für die Situation an der Lindenauschule sieht er Probleme „vorprogrammiert“. Hanau eine zweite Integrierte Gesamtschule zu verweigern, sieht er als „Missachtung des Elternwillens, der Schule, der Stadt und des Kreises“ an.

Die Stadt, speziell das Rechtsamt, werde nun prüfen, wie sie mit dem Bescheid aus Wiesbaden umgehen solle, so Piesold zur FR. Binnen eines Monats könnte die Kommunes Klage beim Verwaltungsgericht Frankfurt erheben.

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