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Musical Ali Baba
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Musical Ali Baba

Märchenfestspiele Hanau

Farbenfroher Ali Baba

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Ein rauschendes Fest für Augen und Ohren, aber auch mit einigen Längen: Das Musical "Ali Baba und die vierzig Räuber" eröffnet die Hanauer Märchenfestspiele.

Ein bürgerlicher Gierschlund, der im Rausch reicher Beute geköpft wird, eine Bande gesetzloser Gesellen, die in heißem Öl den Tod findet – bei „Ali Baba und die vierzig Räuber“ geht es nicht zimperlich zu: Im Kanon der bekanntesten Märchen gehört die Erzählung aus „Tausendundeine Nacht“ zu den spannendsten, aber auch drastischsten Stücken. Am Freitagabend eröffnete unter der Regie von Marc Urquhart eine Musicalversion von „Ali Baba und die vierzig Räuber“ die 27. Brüder-Grimm-Märchenfestspiele im Hanauer Amphitheater.

Wer das Original kennt, könnte sich fragen, ob die Geschichte, sinnlich erlebbar auf die Bühne gebracht, nicht zu grausam für kleine Kinder ist. In dieser Hinsicht sind Sorgen unangebracht. Autor Kevin Schroeder entschärfte die Handlung, ließ einige harte Szenen weg oder verkürzte schaurige Momente – was in der Summe allerdings auf Kosten der Spannung und düster-geheimnisvollen Aura dieses Märchens ging.

„Ali Baba und die vierzig Räuber“ ist bei den Festspielen vor allem eines: ein rauschendes Fest für Augen und Ohren. Schier betörend wirkt die Pracht der fantasievollen Kostüme von Ulla Röhrs, hinter denen sich das architektonisch-reduzierte Bühnenbild von Tobias von Wolffersdorff mit nur zeichenhaften orientalischen Elementen zurückhält.

Musikalisch hat der neue Komponist Frank Moesner die verschiedensten Stilrichtungen untergebracht und zu gefälligen Melodien geformt: mit morgenländischen Instrumenten arrangierter Ethnopop, Balladen, wie sie auch beim „Eurovision Song Contest“ vorgetragen werden könnten, und sogar Walzer. Ins Ohr gehen die Nummern allesamt, insbesondere die herrliche Leitmelodie. Dennoch wäre beim einen oder anderen Lied etwas mehr Mut zum Bruch mit europäischen Hörgewohnheiten schön gewesen.

Bei allem Schwelgen in opulenten Kleidern und Melodien plätschert die Handlung indes streckenweise dahin. Das ist zum Teil dem Verflachen des Bedrohlichen geschuldet. So werden Schlüsselszenen nicht atmosphärisch dicht genug ausgespielt – etwa jene, als Ali Baba die Räuber beobachtet und ihren Schatz findet oder als später seinem habgierigen Bruder Kasim die magischen Worte „Sesam öffne dich“ nicht einfallen, er entdeckt wird und sterben muss.

Dass die Räuberbande nur vier und nicht wenigstens zehn statt vierzig Köpfe fasst – okay. Doch mussten die Kumpane des Hauptmanns Einfaltspinsel sein, die als Gangsterrapper auftreten? Das mag für den Augenblick witzig sein, Spannung erzeugt es nicht.

Schade auch, dass die moralische Tiefe des Originals nicht voll ausgeschöpft wird: Zu kurz kommt Ali Babas innerer Konflikt, ob er sich beim Schatz der Räuber bedienen darf. Eine charmante Idee war es, die Rahmenhandlung um Scheherazade und den Sultan auf die Bühne zu bringen und mit der Geschichte von Ali Baba zu verweben. Im Original allerdings wird der Tyrann durch die erzählten Geschichten geläutert, in Hanau stirbt er – bedauerlich, wo es doch anders viel schöner ist.

Gleichwohl glänzte Alexander Brugnara in seiner Dreifach-Rolle als böser Sultan, Kasim und Räuberhauptmann. Friedrich Rau war ihm als sanftmütiger Ali Baba ein guter Widerpart. Wie überhaupt sämtliche Darsteller mit ihrem Gesang und Spiel dramaturgische Schwächen zumindest teilweise auszugleichen vermochten. Herausragend agierte vor allem Denise Obedekah als anmutige Scheherazade und clevere Sklavin Mardschana, der Ali Baba am Ende sein Leben – und die Inszenierung ihre packendsten Momente zu verdanken hat.

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