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Der Fachwerk-Puzzle-Spieler

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Von: Gregor Haschnik

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Meier zeigt eines seiner Fundstücke: eine Supraporte.
Meier zeigt eines seiner Fundstücke: eine Supraporte. © Martin Weis

Martin Meier restauriert sein abgebranntes Fachwerkhaus in Windecken. Der Kreis unterstützt ihn.

Es war schon nach Mitternacht, als am 8. August 2008 Martin Meiers Telefon klingelte und er hörte: „Dein Fachwerkhaus brennt. Du musst schnell kommen!“ Meier war sofort hellwach und machte sich auf den Weg von seinem Wohnort Frankfurt nach Windecken. Erst im Januar hatte der Zimmermann und Architekt das denkmalgeschützte, historische Haus gekauft. Kurz vor Nidderau sah er riesige Flammen über der Stadt. „Es war ein Schock, ich fühlte mich so machtlos“, erinnert sich Meier. Vor Ort muss er mitansehen, wie das Dach seines Hauses fast komplett niederbrennt. Und wie die riesigen Mengen Löschwasser den Lehmputz und das Gebälk zerstören. Das Gewitter hatte wohl eine Überspannung ausgelöst und so das Feuer entfacht. Meier lässt sich nicht unterkriegen und beginnt gleich mit dem Wiederaufbau. Doch als ihm später ein Nachbar ein Video vom Brand zeigt, heult er „Rotz und Wasser“.

Viereinhalb Jahre später führt Meier stolz durch das mehrere hundert Jahre alte Haus. Fertig ist es noch nicht. Aber der 48-Jährige, der sich auch beruflich um historische Fachwerkhäuser kümmert, kann längst wieder lachen: „Ich brenne für meinen Beruf und auch für dieses abgebrannte Haus“, sagt er. Und er hat schon viele „Puzzleteile“ für sein Haus gefunden und zusammengesetzt: Da sind zum Beispiel die Jugendstilfliesen im Erdgeschoss. Der mächtige Stützbalken. Oder die alte Holztreppe. Diese und andere Teile wurden entweder ausrangiert oder das Gebäude, in dem sie waren, wurde abgerissen. Meier hat sie für sein Projekt entdeckt, er ist ein geduldiger Sammler: „Manchmal muss man eben eine Weile warten, bis einem die richtigen Fliesen über den Weg laufen.“

In dem Windecker Haus selbst hat Meier eine Supraporte gefunden. Die Malerei stammt wahrscheinlich aus dem 18. Jahrhundert; das Motiv erinnert an eine Jakobsmuschel. „Es handelt sich offenbar um eine Barock- oder Rokoko-Muschel“, sagt der Architekt, der sich wegen der Supraporte mit dem Würzburger Bistumskonservator in Verbindung gesetzt hat. Von außen ist der Fachwerkbau, der zusammen mit dem Nebenhaus 350 Quadratmeter Wohnfläche bietet, schon blau verputzt. Und das Dach steht auch schon wieder.

Für seinen Einsatz hat Meier, der auch im Denkmalbeirat und dort für Zimmerei zuständig ist, einen Zuschuss des Kreises bekommen: 3600 Euro. Landrat Erich Pipa (SPD) dankte ihm und sagte: Es ist eine wichtige und wertvolle Arbeit, Kulturgüter im Main-Kinzig-Kreis zu erhalten.“

Meier macht fast alles selbst; nur für ein paar Arbeiten, zum Beispiel für den Lehmputz, hat er andere Firmen beauftragt. „Das hier ist meine Spielwiese. Hier kann ich mich austoben. Und es mir leisten, etwas zwei oder drei Mal zu machen, bis ich zufrieden bin.“

Meiers Leidenschaft wurde von seinem Vater geweckt, als dieser sich ein Fachwerkhaus kaufte. Wenn das Haus in der Windecker Altstadt fertig ist, will Meier es vermieten. Sein Ziel: „Ich möchte modernen Wohnkomfort bieten. Vor allem will ich das Fachwerkhaus aber so originalgetreu wie möglich wiederaufbauen.“ Mit traditionellen Baustoffen und traditioneller Handwerkskunst. Das Haus soll „wie ein total restaurierter Oldtimer“ werden.

Doch bis dahin ist noch sehr viel zu tun, unter anderem die Fußböden, die Fliesen und die Bäder. Wie viele Stunden Arbeit er schon in das Haus reingesteckt hat? „3000, 4000, 5000? Ich weiß es nicht“, sagt Meier. Das sei aber auch egal. „Ein passionierter Puzzle-Spieler vergisst ebenfalls die Zeit.“ Und einer der Vorteile bei seinem Puzzle-Spiel sei: „Ich kann etwas Neues schaffen und gleichzeitig in die Vergangenheit eintauchen.“

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