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Zum Safer Internet Day wurden auch Jugendliche aus der Region sensibilisiert.

Safer Internet Day

Falsche Freunde im Netz

Mit der zunehmenden Verbreitung von sozialen Netzwerken, Internethandel und Datensucht der Unternehmen wird auch der Safer Internet Day immer wichtiger. Die Polizei informiert Jugendliche über die Gefahren, die im Netz lauern. Sie warnt davor, zu viel von sich preiszugeben.

Von Angelika Ohliger

Mit der zunehmenden Verbreitung von sozialen Netzwerken, Internethandel und Datensucht der Unternehmen wird auch der Safer Internet Day immer wichtiger. Die Polizei informiert Jugendliche über die Gefahren, die im Netz lauern. Sie warnt davor, zu viel von sich preiszugeben.

Sarah hat 1000 Freunde bei Facebook. Seit neuestem hat sie einen mehr: Markus Wortmann. Sarah ist 15, Wortmann fast 50. Was will der Mann von ihr?

Sarah hat Glück. Wortmann ist Polizeibeamter und führt nichts Übles im Schilde. Zum Safer Internet Day am Dienstag erklärt er einer Gruppe Jugendlicher im Polizeiladen in Offenbach, worauf sie im Internet achten müssen, damit sie nicht zu viel von sich preisgeben. Wortmann ist Internet-Präventionsberater des Polizeipräsidiums Südosthessen, das auch für Hanau und den Main-Kinzig-Kreis zuständig ist.

„Eine Suchmaschine, Erfahrungswerte, Geduld und ein paar Tricks“ – mehr brauche man nicht. Der eine oder andere schluckt, denn Wortmann kündigt an, am Ende der Veranstaltung zu zeigen, was er über seine Zuhörer herausgefunden hat. Zu Beginn habe er unbeobachtet Fotos von jedem gemacht. „Du spielst gern“, sagt der Hauptkommissar und deutet auf einen 14-Jährigen. Der will erst nicht so recht mit der Sprache heraus, aber Wortmann behauptet, er habe das alles im Netz recherchiert. „Drei Stunden am Tag“ räumt der Junge ein. Vor allem „MMOGs“, Massen-Online-Gemeinschaftsspiele. Für Wortmann eine Steilvorlage, das Thema Spielsucht im Internet anzusprechen.

Wie leicht es ist, den anderen auszuspionieren, zeigt Wortmann mit der Hilfe seines eigenen Passbildes. Er gibt es bei Google („die Datenkrake“) ein, und schon ist jede Menge über ihn zu erfahren, inklusive Adresse und Telefonnummer. „Ich will nicht, dass Euch das passiert“, sagt er. Wer leichtfertig ein Foto von sich im betrunkenen oder leicht bekleideten Zustand in ein soziales Netzwerk einstellt, brauche sich später nicht zu wundern, wenn er auf Bewerbungen nur Absagen bekomme. Auch Chefs können googeln.

100-prozentigen Schutz gebe es nicht, aber bestmöglichen. Zum Beispiel übers Passwort. Der Polizist weiß aus Durchsuchungen, dass die Passwörter „0000“ oder „1234“ auf vielen Rechnern zu finden sind. Oder es pappt ein gelbes Klebezettelchen mit dem Zugangscode am Monitor. Die Jugendlichen sind mit dem Internet aufgewachsen, doch was eine Firewall – ein Sicherungssystem gegen Netzwerkzugriffe – ist, kann oder mag keiner richtig erklären. Welches Virenschutzprogramm sie benutzen, wissen auch nicht alle. Und ob sie überhaupt eins haben. „Redet mit Euren Eltern“, sagt Wortmann. Und nicht nur das. „Wir wollen auch von Euch lernen, damit wir das Problem mit allen Akteuren angehen.“

Elisa ist 14. Sie ist im Netzwerk SchülerVZ, aber nicht mit ihrem wirklichen Namen, und ihre richtige Schule hat sie auch nicht angegeben. Sie weiß, was passieren kann. Ein Junge hatte ein Mädchen aus der Parallelklasse halb nackt fotografiert und das Bild ins Netz gestellt.

Aufatmen zum Schluss. „Ich habe geblufft“, räumt Wortmann ein. Er hat keine Fotos gemacht, und er ist auch nicht einer der Facebook-Freunde von Sarah. Aber es wäre möglich gewesen.

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