Roland Richter vom Hanauer Marionettentheater mit Martin Luther als Gliederpuppe. Foto: MIchael Schick
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Roland Richter vom Hanauer Marionettentheater mit Martin Luther als Gliederpuppe. Foto: MIchael Schick

Hanau

Der mit Luther spricht

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Das Hanauer Marionettentheater zeigt ein Stück zur Reformation. Die Kirchengemeinde stiftet eine teure Puppe.

Eigentlich ist es ein herber Widerspruch. Martin Luther eine Marionette! Doch in diesem Fall ist diese Behauptung passend. Im Auftrag der evangelischen Stadtkirchengemeinde führt das Hanauer Marionettentheater zum 500. Jahrestag der Reformation eine Episode aus dem Leben des Reformators auf. Da sich unter den knapp 280 Puppen von Theaterprinzipal Roland Richter kein Luther befand, ließ die Gemeinde einen schnitzen – bei Figurenbau-Weinhold in Berlin-Köpenick. Die Werkstatt von Barbara und Günther Weinhold zählt mit zu den renommierten hierzulande, berichtet Richter. Am Samstag feiert „Martin Luther – aus besonderem Holz geschnitzt“ Premiere.

„Die Stimme formt sich mit dem ersten Kontakt zur Marionette“, sagt Richter bei der Vorstellung. Der Puppenspieler wird zwischen seiner eigenen Sprechstimme und der Figur eine tonliche Differenz herstellen müssen, denn die beiden werden in einen 50-minütigen Dialog über Ablasshandel, Macht der katholischen Kirche und andere Schlüsselfragen zur Reformation treten. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Rolle mit einem auswendiggelernten Text, der aus einer fremden Feder stammt. „Ich stehe auch inhaltlich zu meinem Part“, sagt er. Keine Puppenbühne wird die Kulisse bilden. „Das Stück wird in der heute üblichen offenen Variante gespielt, in der der Spieler sichtbar für das Publikum neben der Puppe steht.“ In der Nebenrolle am Faden tritt noch eine „arme Sünderin“ auf.

Den Text hat Ines Fetzer, Pfarrerin in Maintal und Kirchenbeauftragte für Kindergottesdienste, geschrieben. Die aktuelle Fassung eignet sich für Schüler ab acht Jahre und Erwachsene, sagt Richter. Für die Aufführungen in Kindergärten soll die Fassung vereinfacht und mit direkten Ansprachen überarbeitet werden.

Das Stück in Kitas zu zeigen, war mit ein Anliegen der Initiatorin des Projektes, Christel Sippel. Sie arbeitet als Leiterin der evangelische Kita Nussallee. „Er war ein großer Humanist und Kämpfer“, sagt sie über Luther. Diese Werte sollen über das Marionettenschauspiel vermittelt werden, so Sippel. Mit ihrem Vorhaben stieß sie bei der Kirchengemeinde auf offene Ohren.

Dauerleihgabe

Geld für eine Luther-Puppe gab es aber nicht. Denn Geld ist auch in der Stadtkirchengemeinde rar, der mehrere Pfarrämter angeschlossen sind. Sippel stellte eine Spendenaktion auf die Beine, damit ein ordentlicher Betrag zusammenkomme. Laut Probst Bernd Böttner stand von Anfang an fest: „Es sollte schon etwas ganz Tolles sein, nichts aus Pappmaché.“ Damit ging der Auftrag an die Figurenbauer in Köpenick, die Luther nach einer Vorlage des Malers Lucas Cranach erstellten.

Die 2140 Euro für den Marionettenbau samt Einkleidung in einem schwarzen, Samttalar sind mit Spenden bereits weitgehend vorhanden, sagt Böttner. Richter ist sehr zufrieden mit dem Unikat. Die rund 75 Zentimeter große und 1,8 Kilogramm schwere Marionette liege sehr gut in der Hand und besitze eine ausgezeichnete Beweglichkeit.

Sippel schließt nicht aus, dass Luther eine weibliche Begleitung erhält, seine Frau Katharina von Bora. Sie zähle mit zu den wichtigen Personen um Luther, sagt Sippel. In ihr habe er eine adäquate Gesprächspartnerin und eine Person gefunden, die ihm von alltäglichen Dingen den Rücken freihielt. Der Mönch heiratete 1525 die Ordensfrau aus adliger Familie.

Klar ist: Luther soll mit Ende des Reformationsjubiläums nicht im Fundus verstauben. Richter erhält die Gliederpuppe als Dauerleihgabe, um danach mit dem Stück oder einem eigenen auf Tour zu gehen.

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