Ein Bild des jüdischen Malers Gil Schlesinger im Besitz der evangelischen Marienkirchengemeinde Gelnhausen ist über Jahre falsch interpretiert worden. Das hat sich jetzt beim Besuch des Künstlers aufgeklärt, der in der Kirche bis zum 26. März zwei Kreuzwegzyklen zeigt, die er 1955 in Leipzig und 1980 nach seiner Ausbürgerung aus der ehemaligen DDR erstellte.
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Ein Bild des jüdischen Malers Gil Schlesinger im Besitz der evangelischen Marienkirchengemeinde Gelnhausen ist über Jahre falsch interpretiert worden. Das hat sich jetzt beim Besuch des Künstlers aufgeklärt, der in der Kirche bis zum 26. März zwei Kreuzwegzyklen zeigt, die er 1955 in Leipzig und 1980 nach seiner Ausbürgerung aus der ehemaligen DDR erstellte.

Gelnhausen

Kunstwerk ohne Auschwitzasche

Jahrzehntelang ist das Gemälde "Verbrannt" in der Marienkirche falsch - und provozierend - gedeutet worden. Der 78-jährige Maler Gil Schlesinger hat den Irrtum jetzt aufgeklärt. Von Jörg Andersson

Von Jörg Andersson

Ein Bild des jüdischen Malers Gil Schlesinger im Besitz der evangelischen Marienkirchengemeinde ist über Jahre falsch interpretiert worden. Das hat sich jetzt beim Besuch des Künstlers aufgeklärt, der in der Kirche bis zum 26. März zwei Kreuzwegzyklen zeigt, die er 1955 in Leipzig und 1980 nach seiner Ausbürgerung aus der ehemaligen DDR erstellte.

In Gelnhausen war sein Werk "Verbrannt", das einen verwischten Davidstern zeigt, lange mit dem Hinweis versehen gewesen, das Material dafür habe sich Schlesinger in Auschwitz beschafft. Dies empfanden einige Betrachter als provozierend. Tatsächlich mischte er eine Farbe aus Erde und verbranntem Papier zusammen, um Assoziationen an das Leid zu wecken.

Doch das Ausgangsmaterial stammt keinesfalls aus dem Vernichtungslager, wie der 78-Jährige bei der Vernissage richtigstellte. Schlesinger hat den Holocaust mit Mutter und zwei Geschwistern in einem Versteck überlebt. Sein Vater wurde von Nazis zu Tode geprügelt. Das Bild "Verbrannt" hängt seit 2005 im "Ort des Gedenkens" in der Marienkirche neben Gedenksteinen an die jüdische Gemeinde sowie gefallene Soldaten.

Die Kreuzwegausstellung mit 30 farbintensiven Werken ohne menschliche Figuren ist bis zum 26. März zu sehen.

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