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Die Bibel – hier in einer historischen Ausstellung – werde sich erfüllen, so die Baptisten.

Evangeliums-Christen-Baptisten in Hanau

Bedenkliche Botschaften

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Die Glaubensgemeinschaft der Evangeliums-Christen-Baptisten verbreitet in Hanau teils bedenkliche Botschaften. Der Veranstalter weist die Kritik zurück.

Die Einladung kündigt eine „frohe Botschaft für alle Völker“ an. Gleichzeitig ist von Zeichen der Endzeit die Rede, von Katastrophen, Schrecknissen, Terror. Von schlimmen Zeiten in den letzten Tagen und hochmütigen, gottlosen und zuchtlosen Menschen. Vom Ende der Tage und einer Vernichtung des antichristlichen Reiches, auf die eine zweite Erscheinung Christi folge. Anhand der Bibel solle den Menschen deshalb „Gottes Heilsplan“ aufgezeigt werden.

Ab 13. August veranstaltet die Glaubensgemeinschaft der Evangeliums-Christen-Baptisten eine einwöchige Zeltmission am Hochgericht in Hanau, das Zelt soll in der Nähe des dortigen Spielplatzes stehen. Geplant ist eine Reihe von Gottesdiensten und Veranstaltungen, mit Titeln wie „Trotz Sünde ist Rettung heute möglich!“ oder „Die Folgen der Ablehnung des Schöpfers!“. Außerdem gibt es ein „Kinder-Zelt-Programm“ mit Geschichten, Liedern und Spielen.

Die Evangeliums-Christen-Baptisten werden den evangelischen Freikirchen zugeordnet. Sie bieten regelmäßige Gottesdienste in ihren Gemeinden an, reisen aber auch in Städte, um zu missionieren. Die Bandbreite solcher Freikirchen ist groß, von recht liberal bis ultrakonservativ. Die Stadt Hanau teilt auf Anfrage mit, sie habe den Baptisten die Genehmigung „für den gleichen Platz wie im vergangenen Jahr erteilt, da es keine bekannten Gründe gab, die dagegensprachen“. Die Veranstaltungswoche 2015 sei „ohne Auffälligkeiten“ verlaufen.

Homosexualität als Sünde

Pfarrer Achim Schowalter aus Baden-Württemberg ist einer der Organisatoren. In einer Predigt in Berlin hat er eine Amokfahrt, bei der 2015 in Graz ein 26-Jähriger drei Menschen tötete, indirekt als Strafe Gottes bezeichnet. Einige andere Religionen seien „vom Teufel“, sagte er in einer anderen Predigt, der Islam sei ein „kräftiger Irrtum“. Schowalter geht nicht explizit auf die Aussagen ein, weist Kritik aber zurück. Die Gruppe missioniere, „weil Jesus seinen Jüngern befohlen hat: ,Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur‘“. Bereits 2015 „hatten wir gute Gespräche in der Stadt und im Zelt. Hanau ist eine sehr bunte Stadt. Das ist für die Zeltmission der ideale Platz“, sagt der Pfarrer. „Wir entwerfen keine endzeitliche Schreckensszenarien, sondern lehren und verkündigen, was in der Bibel steht, und glauben auch, dass die Bibel das unfehlbare Wort Gottes ist.“

„Unnüchterne Auswüchse“, die darüber hinausgehen würden, „lehnen wir ab“, so Schowalter. Die Endzeit bedeute das Ende des Zeitalters der Heidenherrschaft, darauf folge „die Aufrichtung des Reiches Gottes“. Darauf würden alle echten Christen warten.

Zur Kritik, einige Botschaften der Gruppe seien ultrakonservativ und schürten Ressentiments gegen Muslime und Homosexuelle, sagt der Pfarrer: „Die Bibel spricht Klartext, was Sünde ist.“ Er verweist auf die Gebote und weitere Bibelstellen, auch eine, in der Homosexualität eine „Gräuel-Sünde“ ist.

Jede Sünde sei eine Gesetzlosigkeit und führe zum Schlechten. „Das sehen wir heute bei den vielen Ehescheidungen und dem großen Leid, das ganz besonders für die Kinder damit verbunden ist.“ Die Bibel lehre jedoch nicht die Verachtung der Sünder, „sondern ihnen die Liebe Gottes zu verkündigen, wie Jesus von den Sünden rettet und befreit“.

Das Hauptthema der Bibel sei der „Rettungsplan Gottes durch Jesus Christus für alle Menschen ohne Ausnahme“. Der Koran hingegen erkläre die Grundsäulen des Evangeliums als Lüge und mache nicht nur gezielt die christliche Lehre nieder, sondern fordere seine Anhänger auf, diejenigen, die nicht an Allah glaubten, zu bekämpfen.

Oliver Koch, Referent für Weltanschauungsfragen im Zentrum für Ökumene der evangelischen Kirche, sagt über die Zeltmission: „Der Impuls ist missionarisch, wogegen zunächst einmal nichts zu sagen ist. Das Zielpublikum geht dort ja freiwillig hin und weiß in der Regel auch, worauf es sich einlässt.“ Inhaltlich werde nichts verschleiert, es handele sich nicht um eine Sekte. Auf den Plakaten werde aber nicht deutlich genug, wer Veranstalter sei.

Islamophobe Äußerungen

„Die Ausrichtung solcher Zeltmissionen ist biblizistisch, dualistisch und manchmal – wie hier – auch endzeitlich ausgerichtet“, sagt Referent Koch. Das sei problematisch, genauso wie die Predigtäußerungen, die auf eine islamophobe Einstellung hindeuteten. „In einer komplizierten gesellschaftlichen Lage scheint es ein großer Reiz zu sein, unsere Welt in Dualismen einzuteilen – in Gut und Schlecht, kurz vor dem Ende oder gerettet.“ Aber so einfach sei die Welt nicht, betont Koch – auch das biblische Zeugnis sei weit vielfältiger, als es auf Flyern der Zeltmission scheine.

Koch sagt, in seine Beratung kämen Menschen aus den traditionellen christlichen Kirchen, die diese Form des Glaubens befremde. „Sie haben manchmal den Eindruck, nicht genug zu glauben, in einem ,Kampf zwischen Gott oder Satan‘ zu stehen oder in schlimmen Ereignissen ,Zeichen der Endzeit‘ zu sehen.“

Es könne dann zu Ängsten kommen, auch zu Minderwertigkeitsgefühlen des eigenen Glaubens. „Da versuche ich entschieden gegenzusteuern: Kein Mensch richtet über die Qualität des Glaubens, das können wir getrost Gott überlassen.“ Koch wünscht sich, dass die Zeltmissionen einen „größeren Schwerpunkt auf das Verkündigen von Gottes bedingungsloser Liebe, Barmherzigkeit und Toleranz legen würden“.

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