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Flott aus dem Anhänger nach einer Stunde Fahrt: die Rückkehr der Wasserbüffel auf die Erlenseer Weidewiesen.

Wasserbüffel in Erlensee

James und Gefolge sind zurück

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Der achte Wasserbüffelauftrieb lockt Hunderte Schaulustige. Die asiatischen Rinder sind ideale Landschaftspfleger der geschützten Aue.

Gehen Sie noch ein paar Meter zurück“, ruft der Ordner in der gelben Warnweste der Menschenmenge auf dem Dammweg zu. Unterstützt von der schiebenden Geste seiner Hände. Derweil bugsiert Veit Leinberger auf dem Hochwasserwall seinen riesigen Traktor samt Anhänger im Zeitlupentempo rückwärts. Über die Kante des Anhängers recken sich feuchte Mäuler. Hin und wieder ist ein massiger, dunkler Schädel mit kräftigem Hörnerpaar zu erkennen. Die Offiziellen spannen die Wartenden im Anhänger und davor nicht mit langen Reden auf die Folter. Bürgermeister Stefan Erb (SPD) und Erste Stadträtin Birgit Behr (CDU) öffnen gemeinsam die Ladetür. Die Wasserbüffel bewegen sich zügig ins Dickicht der Auenlandschaft. Bulle James macht den Anführer. Er trampelt vorne weg. 

Der achte Auftrieb der Wasserbüffel ist wieder ein lokales Großereignis. Rund 250 bis 300 Schaulustige nehmen sich am Samstagvormittag Zeit, um James mit seinen sieben Kühen und sechs Kälbern bei ihrem Gang auf die Sommerweide zuzusehen. Einige der Jungen sind im vergangenen Jahr in Erlensee zu Welt gekommen. Das Publikum verdünnt sich erst, nachdem James und seine Entourage nach einer kurzen Erkundungstour ein Bad in einem der vielen Tümpel nehmen und dem Zuschauer so die Gewissheit geben, dass sie gut angekommen sind in der Sommerfrische. 

Veit und Lisa Leinberger aus Ortenberg gehören die Tiere. Es gebe einige Hobbyhalter, aber unter den hauptberuflichen Züchtern seien sie vermutlich die einzigen in der Region, sagt Lisa Leinberger, die auf ihrem Hof hauptsächlich das hiesige Vieh halten. Von dem asiatischen Rind besitzen die Leinberger übers Jahr 30 Stück. Im Spätherbst und Winter leben sie in einer Halle, ansonsten sind sie als Landschaftspfleger im Einsatz. „Die Bullen werden auch geschlachtet“, sagt Lisa Leinberger. 

Die Erlenseer Weide, die vom Landwehr-Bach und der nahen Kinzig immer wieder mal geflutet wird, war einst Ackerland, sagt Günter Hunold, Umweltbeauftragter von Hessenforst. Die Landesbehörde ist für das Weideprojekt zuständig. Die Bauern gaben das Land auf, weil das Schwemmholz auf den Feldern die Maschinen beschädigte. Mit diesem Problem hatte später Hessenforst auch zu kämpfen, als es um das Freihalten vor allem der noch zum Teil bewaldeten Fläche an der Leipziger Straße ging. „Da kam die Idee mit den Wasserbüffeln auf, die sich auf dem zumeist nassen Terrain wohlfühlen und sich mit dem minderwertigen Weidefutter begnügen“, sagt Hunold. „Wichtig ist, dass die Tiere die Möglichkeit haben, jeden Tag ein Bad nehmen zu können.“ 

Mit dem Ende des Ackerbaus wurde die Aue zu einem Natura-2000-Gebiet, das einen hohen Naturschutz fordert. Ohne die Wasserbüffel hätten dort wenige Pflanzenarten wie das Mädesüß die Oberhand gewonnen und die typische Flora verdrängt. Über Jahre wäre es zu einer Verbuschung gekommen. „Das hätte zwangsläufig auch zu einer Artenarmut bei den Tieren geführt“, sagt Hunold. „Es gibt jetzt 55 Vogelarten, die hier rasten oder brüten, eine Vielzahl von Amphibien, die auch für den Storch wichtig sind, der hier brütet.“ Das alles zusammen sei eine „Erfolgsstory“.

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