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Während Roland K. in der Kneipe über „Asylanten“ geschimpft haben soll, habe er nichts davon in seinem Schützenverein Neudorf 1961 erkennen lassen.

Rechtsextremismus

Entsetzen über rassistische Tat

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Politiker sprechen von einer abscheulichen Tat, die nicht hingenommen werden dürfe. 

Die Bundesregierung und die hessische Landesregierung haben dem mutmaßlich rassistisch motivierten Mordanschlag auf einen Eritreer in Wächtersbach vom Montag aufs Schärfste verurteilt. Zugleich wünschten sowohl die stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung, Ulrike Demmer, als auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) dem Opfer eine schnelle Genesung.

Der 26-Jährige war von dem 55-jährigen Roland K. aus Biebergemünd beschossen und in den Bauch getroffen worden, schwebt aber nach einer Operation nicht mehr in Lebensgefahr. Demmer sprach von einer abscheulichen Tat, die nicht hingenommen werden dürfe. Die Bundesregierung nehme die Gefahr rechtsextremistischer Straf- und Gewalttaten sehr ernst.

Bouffier nannte es entsetzlich, dass ein Mensch wegen seiner Hautfarbe angeschossen werde. „Es ist unsäglich, wenn aus rassistischer Hetze Gewalt entsteht“, sagte er und versicherte: „Die hessischen Sicherheitsbehörden tun alles, um diese augenscheinlich fremdenfeindlich motivierte Straftat in Wächtersbach und ihre Hintergründe restlos aufzuklären.“

Die AfD wehrte sich gegen Vorwürfe, sie trage Mitverantwortung für die Bluttat. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Achim Kessler hatte die AfD als „rechtsextrem“ bezeichnet und gesagt, ihre „Hassreden“ seien „der Nährboden für diesen Rechtsterrorismus“.

AfD-Landessprecher Robert Lambrou wies den Vorwurf zurück. „Indem er ohne jeden konkreten Beleg einfach mal der AfD sofort eine Mitverantwortung an diesem Gewaltverbrechen zuweist, betreibt Herr Kessler auch nach seinen eigenen Maßstäben Hassreden und bereitet mit seiner Diffamierung den Boden für Straftaten gegenüber der AfD“, entgegnete der Parteichef. Lambrou sprach von einer „entsetzlichen Straftat“ und wünschte dem Eritreer gute Besserung.

Mit Tat geprahlt

Der Täter soll nach den Schüssen in seiner Stammkneipe in Biebergemünd mit der Tat angegeben haben. Der Wirt des Lokals hat auf seinem offen zugänglichen Facebook-Profil, das 2016 endet, teilweise fremdenfeindliche und reichsbürgernahe Posts geteilt. Darin beklagte sich der Autor etwa, dass „für völlig Fremde komplett neue Wohnungen gebaut“ würden, während „300 000 Deutsche ohne Wohnung“ seien. Eine schwarz-weiß-rote Flagge mit dem Bild eines martialischen Kriegers wurde mit der Aufschrift versehen: „Es gibt nur ein Deutschland und da ist für die BRD kein Platz mehr!!“

Während Roland K. in der Kneipe über „Asylanten“ geschimpft haben soll, habe er nichts davon in seinem Schützenverein Neudorf 1961 erkennen lassen, berichtete der Vereinsvorsitzende Hans-Georg Jost der FR am Mittwoch. „Er war immer freundlich, es gab eigentlich keine Probleme mit ihm“, sagte Jost.

Seit K. 2001 Mitglied geworden sei, habe er sich rege am Vereinsleben beteiligt und sei als guter Schütze „jedes Jahr bei der Sportlerehrung dabei gewesen“. Vor anderthalb Jahren habe er sich „zurückgezogen“ und „versucht, seine Waffen zu verkaufen“. Von einer rechten oder fremdenfeindlichen Gesinnung habe er nichts mitbekommen, berichtete Jost. „Man kann in so einen Menschen nicht reingucken.“

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