Stand auf dem Hanauer Weihnachtsmarkt
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Stand auf dem Hanauer Weihnachtsmarkt

Hanauer Weihnachtsmarkt

Endlich ist Schluss

Schnee, Matsch, Umsatzrückgang: Viele Händler sind mit dem Geschäft beim Weihnachtsmarkt in der Hanauer Innenstadt unzufrieden.

Von Andreas Zitzmann

Die Innenstadtstraßen sind voller Menschen, die meisten tragen Tüten in der Hand. Der Handel freut sich: Das Weihnachtsgeschäft übertrifft viele Erwartungen. Und die Händler auf dem Hanauer Weihnachtsmarkt? Die reiben sich am letzten Tag auch die Hände, allerdings eher, weil es so kalt ist. Von Zufriedenheit ist nur wenig zu spüren.

Das betrifft zumindest jene Marktbeschicker, die Waren anbieten – Glühwein geht bei Minusgraden, Schnee und Eis allemal, ebenso Kulinarisches – von der Bratwurst bis zum Kartoffelpuffer. An den anderen Ständen haben in den vergangenen Wochen mehr Schau- denn Kauflustige haltgemacht.

Ilona Lagron steht für eine Firma, die Töpfe und Pfannen anbietet, hinter dem Tresen. „Im vergangenen Jahr war es besser“, sagt sie. Vermutlich wegen des Wetters fehlten viele auswärtige Stammkunden, die sonst gezielt an den Stand kommen, weil er auf einen Hersteller spezialisiert ist.

Sie ist froh, dass der Markt nun zu Ende ist, weniger des etwas bescheideneren Umsatzes wegen, sondern weil es nun reicht. Ihre zwölfjährige Tochter Chantal hat auch nichts dagegen, wieder mehr von ihrer Mutter zu haben. Immerhin dauerte der Markt 27 Tage, jeweils von 11 bis 21 Uhr, auch an den Wochenenden. Für manchen Marktbeschicker bedeutete das einen Arbeitstag von weit mehr als zwölf Stunden, An- und Abreise eingerechnet.

Zum Beispiel für Norbert Grausch, der von der Mosel kommt und die filigranen Glaskunstwerke seiner Lebensgefährtin verkauft. Er ist ganz zufrieden mit dem Umsatz – er hat keinen Konkurrenten auf dem Markt. Dennoch freut er sich ebenfalls, dass nun Schluss ist. Seit mindestens 15 Jahren ist der Steinheimer Dippeladen auf dem Weihnachtsmarkt vertreten. Auch Ruth Adam-Greise berichtet, dass sie weniger Kunden gehabt habe als früher. „Die Leute sind irgendwie lustlos“, hat Anke Kraus aus Langenselbold beobachtet, die hausgemachte Seife und Keramiken anbietet. Auch sie hat früher bessere Umsätze gemacht. Und immer ist der Satz zu hören: „Ich bin froh, dass es nun vorbei ist.“

Wetter schreckt viele ab

Fast eine Ausnahme ist da Elke Döring, die „sehr zufrieden“ ist. Sie preist für eine Erlenseer Imkerei Honig und mehr – etwa selbst gemachte Kerzen – an. Viele Stammkunden seien gekommen, die die Produkte schon kannten, etwa vom Wochenmarkt, dem eigenen Hofladen oder dem Waldladen am Forstamt Wolfgang.

Die Stadt als Veranstalter bestätigt den Umsatzrückgang insgesamt. Schuld sei hauptsächlich das Wetter, sagt Sprecherin Andrea Freund. Der viele Schnee und dann der Matsch hätten nicht nur Ältere vom Marktbesuch abgehalten, sondern insbesondere Auswärtige. Bei Markthalbzeit habe ein Beschicker über einen Umsatzeinbruch von glatt 80 Prozent geklagt – der Spitzenwert.

Jürgen Riebke hat zumindest keine kalten Füße bekommen. Sein Stand mit Keramiken aus der eigenen Werkstatt an der Bergstraße gehört zum Künstler-Weihnachtsmarkt im gut geheizten Foyer des Neustädter Rathauses. „Viele Kunden kommen gezielt.“ Der Umsatz sei eigentlich immer gleich, sagt er.

Und noch jemand ist zufrieden: „400 Euro haben wir eingenommen“, sagt Edith Wolf von dem Hanauer Verein Lawine, der sich um Missbrauchsopfer kümmert. Drei Tage lang hat man Plätzchen und anderes für den guten Zweck verkauft. Das ist dann doch eine gute Bilanz.

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