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Andi (Gregor Andreska) und Anschi (Mandy-Marie Mahrenholz) erleben eine dramatische erste Liebe.

Hanau

Risse in der ersten Liebe

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Reicht der gemeinsame Hass auf die verlogene Welt der Eltern als Basis für eine Beziehung? Bei den Grimm-Festspielen wird „Burning Love“ in der Wallonischen Ruine aufgeführt.

Der 18-jährige Andi und die 17-jährige Anschi, beide Kinder der Provinz, hängen gern zusammen rum und werden ein Paar. Allerdings ziehen sich Risse durch diese erste Liebe: Andi kennt von Zuhause nur groben Umgang, während Anschi Romantik wichtig ist. Die junge Frau ist realistischer, eher bereit sich in ihrer Welt einzurichten, während der junge Mann verträumter ist und unbedingt aus seiner Welt ausbrechen will.

Es ist vor allem der Hass auf die kleine und oft verlogene Welt ihrer Eltern, deren Floskeln sie nachäffen, der sie eint. Anschi erkennt das und versucht diese Beziehung, der anscheinend die Basis fehlt, zu beenden. Andi fühlt sich verraten. Für ihn kommt nur ein Ausweg in Betracht.

Darum geht es in „Burning Love“, dem fünften Stück bei den diesjährigen Brüder-Grimm-Festspielen. Das Regiedebüt von Marco Krämer-Eis, der Intendant Frank-Lorenz Engel bei „Was ihr wollt“ assistiert, läuft in der neuen Reihe „Junge Talente“. Diese soll vielversprechenden Nachwuchsregisseuren und Jungschauspielern eine Plattform bieten und wird von der Kathinka-Platzhoff-Stiftung unterstützt.

Authentisch und dramatisch hat Krämer-Eis das Stück inszeniert, mit vielen emotionsgeladenen Passagen, auch aus Songs von Elvis Presley. Andi vergöttert den King, weil er es „von ganz unten nach ganz oben“ geschafft hat. Zur Dramatik trägt der Spielort bei: die Ruine der Wallonischen Kirche. Sie künde von Zerstörung, sei andererseits aber wunderschön und faszinierend, sagt Krämer-Eis. Ein Kontrast zum schlichten Bühnenbild, das in erster Linie aus einem Gerüst und einer weißen Wand besteht. „Die einzigartige Kulisse trägt dazu bei, dass man als Schauspieler noch mehr gibt“, sagt Gregor Andreska, der Andi spielt.

Er habe vor allem darauf geachtet, die Jugend so zu zeigen, wie sie wirklich sei, sagt Regisseur Krämer-Eis. Dabei sei Sprache ein entscheidender Faktor gewesen. Sie ist direkt und manchmal heftig. Und die Figuren sind in erster Linie dadurch geprägt, „dass sie noch nicht wissen, wer sie sind, dass sie sich gerade erst entdecken“.

Doch passt „Burning Love“ überhaupt zu den Grimm-Festspielen? „Sehr gut“, sagt Krämer-Eis: „Märchen leben vor allem von Emotionen. Davon, dass man sich mit den Hauptfiguren, die ihren Platz in der Welt suchen, identifiziert.“ Diese Zutaten biete das junge Liebesdrama. Es zeige, „wie unglaublich intensiv die erste Liebe erlebt wird“, sagt Andreska, „und wie Paare den Blick füreinander verlieren und aneinander vorbeireden.“

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