Hanau/Main-Kinzig

Eltern stärken, Stress vermeiden

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Beim Projekt „Babylotsen“ kooperieren Kliniken und Jugendhilfe.

Mehrere Generationen unter einem Dach – das gibt es immer seltener. Und so fragen viele junge Eltern, „wo sie in der Nähe ihres Wohnorts Anschluss finden und sich austauschen können“, sagt Stefanie Schmidt. Andere bräuchten zunehmend Hilfe, weil ihnen finanzielle Lasten zu schaffen machten. Und für Zuwanderer seien Integrationsangebote ein wichtiges Thema, berichtet Tatjana Stein.

Stein ist seit einem Monat als „Babylotsin“ im Klinikum Hanau im Einsatz, Schmidt koordiniert das neue Projekt im Main-Kinzig-Kreis und in Hanau. Dabei arbeiten Stadt, Kreis, Jugendämter und Gesundheitswesen erstmals zusammen und teilen sich die Kosten von rund 200 000 Euro jährlich. Sie haben an den Main-Kinzig-Kliniken sowie in Hanau am Klinikum und am St.-Vinzenz-Krankenhaus insgesamt vier Teilzeitstellen für Lotsinnen geschaffen. Die Koordination übernimmt das Albert-Schweitzer-Kinderdorf, wo Schmidt beschäftigt ist. Unterstützt wird die Initiative von der Stiftung SeeYou, von der das Babylotsen-Konzept stammt.

Die vier Lotsinnen sind bei den Krankenhäusern angestellt. Sie gehen dort auf die neuen Eltern zu, fragen sie nach ihren Bedürfnissen, unterstützen sie oder vermitteln weitergehende, möglichst passgenaue Hilfen. Ziel sei es, Eltern zur Seite zu stehen, Stress zu vermeiden und so die Entwicklung von Kind und Familie zu fördern, sagt Wolfram Spannaus, Geschäftsführender Vorstand des Albert-Schweitzer-Kinderdorfs Hessen. Im Extremfall solle eine Gefährdung der Kinder verhindert werden. In erster Linie handle es sich aber um ein niedrigschwelliges Hilfsangebot, das allen offenstehe.

Es gibt bereits eine Reihe von Angeboten im Rahmen des Netzwerks „Frühe Hilfen“, etwa die Familienhebammen. Doch für Eltern sei es oft schwierig, sich zu orientieren, sagt Hanaus Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (SPD). Die Babylotsinnen sollen jetzt einen frühen und direkten Kontakt zu Eltern knüpfen, egal „ob es sich um Krankenhausgäste aus Hanau oder dem näheren Umland handelt“, so Weiss-Thiel.

Im Kreis werden pro Jahr mehr als 4200 Geburten gezählt. Die Lotsinnen werden nur einen Teil der Familien besuchen können. Auch deshalb sollen vor allem diejenigen erreicht werden, die wirklich Rat brauchen. Wer das ist, möchten die Unterstützer im Austausch mit Ärzten und Pflegekräften und mit einem Fragebogen herausfinden. Darin können werdende Mütter zum Beispiel angeben, ob sie nach der Geburt auf sich alleine gestellt sind und welche Hilfen sie sich wünschen.

In Frankfurt sind Babylotsen seit 2014 im Einsatz. Pro Jahr nehmen dort etwa 20 Prozent der 13 000 Familien, die Nachwuchs bekommen haben, das Angebot in Anspruch.

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