1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Main-Kinzig-Kreis

Einzelhandel erwartet ein „heftiges Jahr“

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Einen kompletten Umbau der Rosenstraße hat die Stadt aus Kostengründen auf Eis gelegt.
Einen kompletten Umbau der Rosenstraße hat die Stadt aus Kostengründen auf Eis gelegt. © Rolf Oeser

Wenn demnächst die Baustelle auf dem Freiheitsplatz für kräftig Lärm sorgt, beginnen für den Einzelhandel schwere Zeiten. Im Interview mit der FR freut sich Optiker Gotthard Klassert, Chef des Hanau Marketing Vereins, schon auf die Zeit danach.

Wenn demnächst die Baustelle auf dem Freiheitsplatz für kräftig Lärm sorgt, beginnen für den Einzelhandel schwere Zeiten. Im Interview mit der FR freut sich Optiker Gotthard Klassert, Chef des Hanau Marketing Vereins, schon auf die Zeit danach.

Herr Klassert, wie war 2012, das erste Jahr der großen Baustellen in der Innenstadt für die Hanauer Einzelhändler?

Insgesamt sehr durchwachsen. Aber bei vielen gab es auch ein leichtes Plus. Das Weihnachtsgeschäft hat quer durch alle Branchen erst sehr spät angefangen. Grundsätzlich muss sich der Handel den Veränderungen in Zeiten neuer Medien stellen. Man braucht einen guten Internet-Auftritt und muss im Laden als Gegenpol zum Online-Angebot das Einkaufen zum Erlebnis machen. Auch kundenfreundliche Ladenöffnungszeiten sind wichtig.

In der Innenstadt machen aber viele Geschäfte schon früh zu.

Leider sind die Ladenöffnungszeiten in Hanau nicht einheitlich. Dass einige Geschäfte in der Fußgängerzone samstags schon um 14 oder gar um 13 Uhr zumachen, ist ein Unding in heutiger Zeit.

Welchen Einfluss haben die Baustellen am Freiheitsplatz und in einigen Einkaufsstraßen auf den Umsatz?

In der Hammerstraße war es während der Baustelle schon chaotisch. Da hat es zum Teil starke Einbußen von 30 bis 40 Prozent gegeben.

Mussten Geschäfte schließen?

Ein Bekleidungs- und ein Outdoor-Laden haben zugemacht, beide am Freiheitsplatz. Ich gehe davon aus, dass es dieses Jahr noch heftiger wird, vor allem, wenn die Spundwände für das „Forum Hanau“ auf dem Freiheitsplatz in den Boden gerammt werden. Dann wird es viel Lärm und Erschütterungen geben. Aber man muss bei allen Belastungen auch sehen, wie schön die Hammerstraße geworden ist, wenn erst alles überstanden ist. C&A zum Beispiel läuft jetzt richtig gut, es blüht seit dem Umbau auf.

Was erwarten Sie vom Einkaufszentrum im „Forum Hanau“? Fürchten Sie die neue Konkurrenz am Freiheitsplatz?

Nein, ich freue mich, das wird ein Magnet. Natürlich darf man sich keine Illusionen machen, Geschäfte wie Chanel oder Bulgari werden nicht reinkommen. Aber das ist auch nicht nötig, diese Klientel fährt ohnehin nach Frankfurt. Wichtig ist es, die Kunden aus dem Umland wieder nach Hanau zu holen. Die Stadt muss als Einkaufsstandort so attraktiv werden wie vor 25 Jahren. Früher hatte Hanau einen starken Einzelhandel mit viel mehr inhabergeführten Fachgeschäften.

Aus Spargründen hat die Stadt entschieden, die Rosenstraße, in der Sie Ihren Laden haben, nicht komplett umzugestalten, sondern nur Mobiliar und Leuchten zu erneuern. Bedauern Sie das?

Ein halbes Jahr eine Riesenbaustelle vor der Tür – allzu traurig bin ich nicht, dass das an uns vorbeigeht. Aber es ist wichtig, dass die Rosenstraße trotzdem verschönert wird, neue Möbel und ein modernes Beleuchtungskonzept bekommt, bei dem auch die Bäume von unten angestrahlt werden. Der Belag müsste grundgereinigt werden, dann würde er gleich viel besser aussehen. Wichtig ist zudem, dass wir über eine Wegebeziehung gut an den Freiheitsplatz angebunden werden.

Ihr Geschäft grenzt auch an die Nürnberger Straße. Was halten Sie davon, dass die Busse dort auch weiterhin durchfahren werden?

Die Busse müssten raus aus der Nürnberger Straße, dafür kämpfe ich immer noch, in dieser Sache werde ich penetrant bleiben. Ohne Busverkehr könnte die Nürnberger Straße eine echte Flaniermeile werden, ein Pendant zum Freiheitsplatz. Dann könnte sich dort auch mehr Außengastronomie ansiedeln – ein Faktor, den ich als ganz wichtig für eine florierende Innenstadt ansehe. Schön wäre es aber auch, wenn in der Nürnberger Straße endlich der Wildwuchs mit den vielen Ständern und Tafeln vor den Schaufenstern aufhören würde.

Welche Strecken sollten die Busse denn alternativ fahren?

Sie könnten den Marktplatz vom Hauptbahnhof aus auch über einen Ringverkehr vorbei am Kurt-Blaum-Platz, über die Leimenstraße, den Freiheitsplatz und die Fahrstraße erreichen.

Das Interview führte Pamela Dörhöfer

Auch interessant

Kommentare