Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Lebenshilfe-Vorsitzende Doris Peter und ihr Stellvertreter Hartmut Stollewerk
+
Die Lebenshilfe-Vorsitzende Doris Peter und ihr Stellvertreter Hartmut Stollewerk

Lebenshilfe Hanau

Einsatz für geistig Behinderte

Der Verein „Lebenshilfe“ in Hanau feiert sein 50-jähriges Bestehen. Obwohl die Gruppe sich schon lange für geistig eingeschränkte Menschen engagiert, ist es immer noch ein weiter Weg bis zur gesellschaftlichen Integration.

Von Ute Vetter

Früher hat man geistig behinderte Kinder weder in Kindergärten noch allgemeine Schulen bringen können – sie wurden bis vor noch nicht allzu langer Zeit überall ausgegrenzt.“ Doris Peter, Jahrgang 1946, ist seit vielen Jahren im Verein „Lebenshilfe für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung“ aktiv. Sie sitzt im Vereinsdomizil Gärtnerhaus am Schloss Philippsruhe und rührt in einer Tasse Tee. Am kommenden Montag feiert sie mit vielen ehrenamtlichen Helfern, Freunden und Gönnern das 50-jährige Bestehen des Vereins im Historischen Rathaus am Markt. Sie hofft auf viele Besucher der anschließenden Ausstellungseröffnung zum Jubiläum.

Hartmut Stollewerk, Zweiter Vorsitzender, gießt Kaffee ein und nickt zustimmend. Er beschreibt eine grundsätzliche Veränderung der Einstellung: „Früher hat man viel für Behinderte gemacht, heute macht man mehr mit ihnen. Sie reden mit.“ So gibt es seit zehn Jahren einen „Lebenshilfe-Rat“: Behinderte zwischen 28 und 68 Jahren wählen für die diversen Gruppen (Theater, Chor, Freizeit und ähnliche) Sprecher. Natürlich mit Unterstützung, sagt Peter: „Wir haben mit Bildtafeln erklärt, was ein Verein ist. Das prägt sich ihnen besser ein. Und bei den Wahlen haben wir Bilder der Kandidaten gezeigt.“ Was fordert der „Lebenshilfe-Rat“ denn? „Er will den Vereinsnamen ändern“, antwortet Peter. Die Formulierung „geistig und mehrfach behindert“ empfänden viele als diskriminierend. Wie soll der neue Name lauten? „Lebenshilfe für Menschen mit Behinderungen“.

Doris Peter kam wie etliche andere Mitglieder und Aktive über ihre Familiengeschichte zum Verein, ihr erwachsener Sohn ist geistig behindert, hat autistische Züge. Sie ist froh über positive Veränderungen des gesellschaftlichen Bewusstseins gegenüber Behinderten, nennt das Stichwirt Inklusion. Zu verdanken habe man das auch der bundesweit organisierten „Lebenshilfe“ und den zahlreichen Ehrenamtlichen und betroffenen Angehörigen, die sich engagierten.

Eine der wichtigsten Grundsätze ist: Eine geistige Behinderung bedeutet zwar eine Beeinträchtigung der intellektuellen Fähigkeiten eines Menschen – aber sie ist keine Krankheit. Für die „Lebenshilfe“ ist geistige Behinderung vielmehr ein Ausdruck der Vielfalt des menschlichen Lebens. Auch Verkehrsopfer, Autisten oder Menschen mit Down-Syndrom sind dank des Vereins besser integriert als früher. „Und schulisch gebildeter“, so Peter.

Das war und ist nicht immer einfach: So müssen Rollstuhlfahrer noch oft genug in Obergeschosse getragen werden. Doch dafür genießen sie Freude und Abwechslung im Alltag dank etlicher Aktivitäten des Freizeit-Clubs, den rührige Mitglieder wie etwa Bärbel Klein ersannen. Zwei Theatergruppen und einen Chor gibt es inzwischen, ein Spiel- und Kinderhaus, sogar eine Krabbelgruppe für behinderte Kleinstkinder. Betreuer gehen mit den Behinderten ins Kino oder Theater, tanzen und wandern. Auch Städtefreizeiten mit Exkursionen und Kultur gibt es einmal pro Jahr. Hinzu kommen Stammtische und Mutter-Kind-Gruppen. Peter sagt: „So etwas wie die Lebenshilfe hätte ich mir früher gewünscht – ich habe Odysseen erlebt.“ Doch sie weiß, dass es noch ein weiter Weg ist: „Eine unserer Gruppen wollte im Sommer in Berlin in einem Café etwas trinken. Viele Tische waren frei. Es hieß, draußen sei alles reserviert – aber drinnen wäre noch Platz.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare