Die Windräder sollen mitten in den Wald gebaut werden.
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Die Windräder sollen mitten in den Wald gebaut werden.

Hammersbach

Die Einnahmen werden geteilt

Vier Kommunen lassen Windpark auf gemeinsamer Fläche errichten.

Von Christoph Süß

Normalerweise sind sich die Gemeinden bei Windparks an ihren Gemarkungsgrenzen uneinig – die jüngste Forderung der CDU, der Kreis müsse eine koordinierende Rolle einnehmen, belegt dies. Seit diesem Freitag gibt es ein Beispiel dafür, dass es auch anders geht, wenn Kommunen an einem Strang ziehen: In Marköbel haben Gastgeber Hammersbach sowie Neuberg, Ronneburg und Langenselbold das Unternehmen Hessen-Energie damit beauftragt, im gemeinsamen Hügelland einen Park zu errichten.

Ende 2014 sollen sich über einem Waldgebiet und einem Acker zwischen den vier Kommunen die Rotoren drehen. Bis zu neun Windräder sind dort geplant; wo genau sie stehen werden, steht noch nicht fest. „Wir sind über unseren eigenen Schatten gesprungen“, sagt der Hammersbacher Bürgermeister Michael Göllner (SPD) – die treibende Kraft hinter dem Projekt. Er wollte es unbedingt realisieren, allerdings ohne es sich mit den Nachbarorten zu verscherzen – zu sehr ist man in anderen Bereichen aufeinander angewiesen.

Da es bei den Windrädern noch keine gemeinsame Flächennutzungsplanung in der Region gibt, hätte Hammersbach die Räder auf seinem Gemeindegebiet beliebig platzieren können. Laut der hessischen Windkarte liegen die ertragsreichsten Flächen im Wald an der Grenze zu Ronneburg. Göllner trat jedoch in Dialog mit dem Nachbarort und holte auch Neubergs Bürgermeisterin Iris Schröder (SPD) ins Boot.

Langenselbolds Bürgermeister Jörg Muth (CDU) war auf den Zug aufgesprungen. Seiner Stadt gelang es bis zum Jahreswechsel, einem Bauern einen Teil seiner Ackerfläche abzukaufen, die an das für den Windpark vorgesehene Waldgebiet grenzt.

Nach einem politischen Grundsatzbeschluss im vergangenen Frühjahr stimmten die vier Parlamente dem Vorhaben kurz vor Weihnachten zu. Davor hatten sich die Bürgermeister auf einen Schlüssel geeinigt, der die Pachteinnahmen für die von Hessen-Energie genutzten Flächen halbwegs gerecht auf die vier Kommunen verteilt. „Das hat den Knoten zerschlagen“, findet Göllner. Durch die Absprachen der Gemeinden kann der erste interkommunale Windpark in Südhessen entstehen.

Am Freitag unterzeichneten die vier Bürgermeister mit dem Wiesbadener Unternehmen die Verträge. Diese sehen vor, dass Hessen-Energie auf dem Areal einen Windpark errichtet, der voraussichtlich 7,5 Millionen Kilowatt-Stunden Strom pro Jahr liefert, was dem Verbrauch von 2200 Vier-Personen-Haushalten entspricht.

An dem Projekt sollen sich die Einwohner in den Orten finanziell beteiligen können. Die Bürgermeister erhoffen sich davon eine höhere Akzeptanz.

Michael Göllner weiß, dass das Projekt nicht unumstritten ist – in seiner Gemeinde hatte es bei der Abstimmung im Parlament die einzigen Gegenstimmen gegeben. Der erst vor wenigen Monaten ins Amt gewählte Ronneburger Bürgermeister Andreas Hofmann (SPD) drängte erfolgreich darauf, dass die Sichtachsen um die mittelalterliche Feste nicht verspargelt werden.

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