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Eingehessischt

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Von: Pamela Dörhöfer

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Jacques Oerter in seinem Hanauer Lieblingsweinlokal.
Jacques Oerter in seinem Hanauer Lieblingsweinlokal. © Rolf Oeser

Jacques Oerter tritt wieder mit seinem liebenswert altmodischen Kabarettprogramm auf.

Dass Jacques Oerter es gerne nostalgisch mag, sieht man ihm eigentlich schon im Gesicht an: Sein Charakterkopf mit den markanten Augenbrauen, die tiefen, vermutlich auch vom vielen Lachen gezeichneten Falten, der graue Kinnbart – das passt einfach nicht zum schnellen Witz, sondern viel mehr zur Melone, die er so oft bei seinen Auftritten trägt.

Der 65-Jährige liebt Otto Reutter, den legendären Star des Berliner „Wintergartens“, der einst so trefflich und bittersüß die Berliner Gesellschaft der 20er Jahre aufs Korn nahm. Die Couplets des großen Entertainers gehören heute – sprachlich „eingehessischt“ – zum festen Repertoire von Jacques Oerter. Ebenso wie Texte von Erich Kästner, Joachim Ringelnatz oder Christian Morgenstern – alles große Dichter, die in der heutigen Unterhaltungsindustrie und der breiten Öffentlichkeit allerdings etwas in Vergessenheit geraten sind, obwohl ihre aufs menschliche Miteinander zielenden Botschaften doch zeitlose Gültigkeit besitzen und ihr zuweilen beißender Witz nichts Angestaubtes hat.

Jacques Oerter schätzt denn auch die hintergründige Kritik dieser Künstler, die nie unter die Gürtellinie zielt, und ihren feinen Humor, der weder Schenkelklopfer noch ein zünftiges „Hoho“ im Publikum provoziert. Sich selbst nennt er einen „philosophischen Komödianten“. Stark habe ihn in seiner Kindheit die Zeit im Steinheimer Knabenchor geprägt, sagt er – doch dann lernte er zunächst Lithograph bei der Druckerei Illert in Steinheim.

Nachdem er zuletzt zwei Jahre in Niedersachsen – wo es ihn der Liebe wegen hinzog – lebte und arbeitete, ist das Steinheimer Original vor kurzem wieder in seine alte Heimat zurückgekehrt. Am Sonntag hat Jacques Oerter wieder seinen ersten Auftritt in Hanau beim Jahresempfang der Gemeinschaft „Schöner Märkte“ in der Reinhardskirche in Kesselstadt (Beginn: 11 Uhr).

Oerter, der eigentlich Gerd heißt und bei seinen Touren rund um die Welt in den 70er Jahren in Paris wegen seiner Vorliebe für Baskenmützen den Spitznamen Jacques erhielt, mag den kleinen Rahmen für sein Bühnenprogramm: „Das grelle Licht missfällt mir. Ich möchte den Leuten in die Augen sehen, sie einbeziehen.“

Neben den erwähnten großen Künstlern der Vergangenheit integriert der Steinheimer auch selbst geschriebene Nummern in hessischem Idiom in sein „nostalgisches Kabarett“: hintergründige Lebensweisheiten und Beobachtungen aus dem Alltag. „Klamauk liegt mir fern“, sagt Oerter. Liebenswert altmodisch wirkt sein Programm. Erreicht er damit vor allem ältere Menschen? „Das beste Publikum sind meist die Leute zwischen 50 und 60“, erzählt er, „die haben vieles in Erinnerung von ihren eigenen Eltern oder durch Peter Frankenfeld, der so etwas noch im Fernsehen vortrug. Aber wenn die Jungen mal in mein Programm kommen, sind sie meist aus dem Häuschen.“

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