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Francesco begrüßt seine Gäste stets persönlich.

Gelnhausen

Auf einen Espresso bei Francesco

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Francesco Filippellis Café Brasini ist sozialer Treffpunkt, Nachrichtenbörse und eine Insel in der Alltagshektik.

Wie jeden Morgen laufen die ersten Stammgäste im Café Brasini ein. Doch etwas drückt heute auf die Stimmung in dem gemütlichen Café im Ärztehaus Triangulum, unweit des Gelnhäuser Bahnhofes. Barista Francesco Filippelli wirkt ernst und in sich gekehrt. An anderen Tagen sorgt der temperamentvolle 38-Jährige mit Vollbart und Zopf schon morgens für Stimmung. Jeder Gast wird persönlich begrüßt, Stammgästen serviert er auf die Frage „Wie immer?“ hin ihren Cappuccino oder Espresso. Die Kaffeemaschine dampft und lärmt, während „Franci“, wie ihn viele nennen, mit geübten Griffen ein Heißgetränk nach dem anderen zubereitet.

Ein Stammgast fragt, was los sei. Barista erzählt ihm leise, dass es einen Todesfall gab. Jeder, der öfter das Café besucht, kannte den kleinen Portugiesen mit den dicken Brillengläsern, einen freundlichen Mann, der viel Pech gehabt hatte: Pleite durch die Krise in Portugal, Frau weg, schlimme Herzkrankheit. Trotzdem versuchte er, sich nicht unterkriegen zu lassen, half im Café aus, holte morgens die Brötchen und durfte dafür umsonst essen und trinken. „Er war wie ein Maskottchen fürs Café“, sagt Francesco Filippelli.

Nun ist er viel zu früh gestorben, und die Betroffenheit ist greifbar. Die menschliche Anteilnahme ist typisch für den besonderen Geist, der das Brasini von anderen Cafés unterscheidet. Der Umgangston ist freundschaftlich, unkompliziert und direkt. Italiener und Spanier genießen es, mit dem Sohn eines Italieners und einer Spanierin in ihren Muttersprachen plaudern zu können. Es wird gescherzt und gestritten: über Fußball, Politik, Klatsch und Alltagskram. Das Publikum ist bunt gemischt aus allen Generationen, Schichten und Nationalitäten, „von verrückt bis Oberspießer“, so Filippelli. Auch viele ältere Leute sind darunter, die im Triangulum zum Arzt gehen. „Ich liebe diesen Betrieb, das italienische Flair, das ist mein Leben“, sagt der dreifache Vater.

Spüren, wie Gäste ticken

Es sei zwar manchmal anstrengend, sich darauf einzustellen, wie die Gäste ticken, gibt er zu. Doch genau das ist seine Stärke. Er spürt, ob jemand plaudern will oder in Ruhe Zeitung lesen. Und er hat dieses Talent zum Small Talk, ohne dass es oberflächlich wirkt.

Der gebürtige Frankfurter mit unverkennbar hessischem Zungenschlag ist in der Gastronomie aufgewachsen. Als er acht Jahre alt war, übernahm sein Vater die Gelnhäuser Pizzeria „Fine“, damals ein In-Lokal. Die Familie mit drei Söhnen zog vom Main in das Städtchen an der Kinzig. Das Geheimnis eines guten Espressos hat Filippelli von seinem Vater gelernt. „Das Wichtigste ist die Bohne und der Typ, der hinter der Maschine steht“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Tatsächlich sei guter Espresso eine Philosophie für sich, sogar Wetter und Luftfeuchtigkeit spielten bei der Zubereitung eine Rolle.

Das Brasini übernahm er einige Monate bevor das Gelnhäuser Kaufhaus JOH, in dem er eine Espressobar hatte, insolvent war und im September 2013 schloss. Die soziale Funktion des Cafés ist nicht zu unterschätzen. Nach der Schließung des JOH wirkt die Südstadt an manchen Ecken heruntergekommen, erst recht im Vergleich zur schmucken Altstadt und der mittelalterlichen Barbarossa-Pfalz.

Wenn 2018 im Ex-JOH das „Barbarossa-City-Outlet“ eröffnet, wird es dort weitere Cafés geben. Doch Filippelli hat keine Angst vor Konkurrenz, er hofft auf eine Belebung der Südstadt.

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