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Eine hübsche altmodische Idylle

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Komm auf die Schaukel... Angelika Toms genießt das Flair im Grünen.
Komm auf die Schaukel... Angelika Toms genießt das Flair im Grünen. © Sascha Rheker

Das Licht- und Luftbad 1894 auf dem Gelände des ehemaligen Freibades an der Kinzig ist ein Geheimtipp geblieben.

Von Ute Vetter

Mit ihrer gesunden Bräune läuft Angelika Toms quasi täglich „Reklame“ für ihren Verein: das Licht- und Luftbad auf dem Gelände des ehemaligen Freibades an der Kinzig neben der Kleingartenanlage „Alte May“ nahe der August-Schärttner-Straße. Fast täglich ist die 65-jährige Vorsitzende auf der rund 10000 Quadratmeter großen Anlage, sie schätzt die Ruhe und den Plausch mit Mitgliedern und Gästen.

Umgeben von alten Bäumen und Büschen, ist das Areal nur über eine kleine Zufahrt zu betreten. Die Kinzig ist vor lauter Bäumen und Büschen kaum zu sehen, ein morscher Steg zählt seine letzten Tage inmitten der Brennnesseln, die kleine Gartentür hängt leicht in den Angeln. Ein kleines Karussell, ein Sandkasten und zwei Schaukeln sind die einzigen Attraktionen für Kinder.

Blitzsauber und einladend ist das kleine Vereinshaus. Davor stehen Tische und Bänke und große blaue Sonnenschirme. Mike Kulkle und seine Frau Ursula betreiben dort im Vereinskiosk etwas Gastronomie, „kalte Küche, nicht viel, aber sehr lecker“, sagt Toms und lacht: „Der Handkäs’, die Käseplatte und der Wurstsalat sind eine Wucht!“ Die Blumenrabatten sind ebenso gepflegt wie die große Rasenfläche.

„Den schneidet aber die Stadt, sie ist ja die Besitzerin und hat uns das Areal in Erbpacht überlassen.“ Die ehemalige Immobilienmaklerin ist seit rund zwölf Jahren Mitglied und seit 2008 Vorsitzende. Bei den nächsten Neuwahlen 2012 will sie das Amt jedoch endgültig abgeben. Denn seit zwei Jahren ist sie Witwe, muss sich um ihren Hund, das Haus in Mittelbuchen, ein Haus in Ungarn und ein Motorboot dort kümmern. „Außerdem habe ich zwei erwachsene Söhne, für die will ich einfach mehr Zeit haben.“

Zu den Licht- und Luft-Fans kamen sie und ihr Mann über Bekannte. „Das waren nette Leute. Auch die Leute, die man hier so trifft, sind immer sehr nett. Wir mögen alle diesen Ort als Hort der Ruhe und das gesellige Beisammensein.“ Das Licht- und Luftbad ist eine Freizeitanlage, die jeder kostenlos betreten darf. Nur montags ist geschlossen. „Am meisten los ist immer freitags, so ab 16 Uhr“, erzählt Toms. Die Mitglieder seien alle älter, „so im Rentenalter“, nur wenige kämen noch mit kleineren Kindern vorbei. Der Jahresbeitrag für eine Familie beträgt 72 Euro, eine Einzelperson zahlt 48 Euro.

An vergangene, sportliche Zeiten des Vereins erinnern nur noch drei Prellballfelder. Sie werden seit geraumer Zeit nicht mehr genutzt, der Boden ist abgesackt, der Zaun drumherum war auch schon mal standhafter. Eine Sanierung würde rund 50000 Euro kosten, das ist den 60 Mitgliedern zu teuer. Ein Zuschuss der Stadt ist laut Toms „offen“.

1994, zum 100-jährigen Bestehen des Vereins , wurde hier noch intensiv Zweier-Prellball gespielt. Das Vereinshaus war voller Trophäen. Zweier-Prellball entstand 1925 in Hessen, es entwickelte sich vor allem in Frankfurt und Hanau, aber auch in Mannheim und Stuttgart. Die Variante des Prellballspiels boomte in Hessen, im restlichen Deutschland war es Vierer-Prellball. Angelika Toms spielte mit dem 320 Gramm schweren Prellball jedoch nie: „Ich habe lieber das Vereinshaus komplett weiß gestrichen und selber Fliesen gelegt“, erzählt sie – und schaukelt ein bisschen.

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