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FOTO TAGESSATZ

Main-Kinzig

Einäschern fürs Regal

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Haustiere werden nach dem Tod zunehmend eingeäschert , aber es gibt auch Forderung nach Mensch-Tier-Gräbern

Sammy ist bereits seit sieben Jahren tot – aber keineswegs vergessen. Auf dem einfachen Grab des rund 14 Jahre alt gewordenen Rüden steht eine frische Topfpflanze mit leuchtenden Blüten. Andere Bestattungsplätze hat der Wald bereits mit Dornengestrüpp und unter Laub vereinnahmt. Ein Trampelpfad führt durch das Dickicht. Immer wieder begegnen einem mit Holz oder Steinen eingefriedete Rechtecke mit Grabmalen, wettergegerbten Fotos und schlafenden Engelchen. An einem Platz, der mit einer dicken Kordel auf Kniehöhe umspannt ist, steht eine Sitzbank, auf der der Mensch vermutlich Zwiesprache mit seiner auf ewig ans Herz gewachsenen Kreatur hält.

Der vor Jahren aufgegebene Tierfriedhof im Rodenbacher Forst bildet keinen Einzelbeleg für besondere Tierliebe. Tierbestattungen oder -einäscherungen gehören nach dem Ende von Hund, Katze und Kaninchen zunehmend zur Normalität. Manch ein Mensch wünscht sich aber auch, dass er gemeinsam mit seinem einstigen tierischen Mitbewohner unter die Erde kommt. Das ist jedoch in Hessen verboten – noch.

Tierkörperverwertung war gestern, Verbrennen ist klar der Trend, sagt Tierbestatter Richard Reiber von Sonnenaue. Das Maintaler Unternehmen betreibt einen Tierfriedhof auf einer Langenselbolder Waldhöhe. „Rund 95 Prozent der Vierbeiner gehen in die Kremierung, je nach Kundenwunsch einzeln oder mit anderen.“ Von der Wüstenrennmaus bis zum Pferd sei alles dabei, letzteres immer häufiger.

Die Asche wird dem einstigen Tierbesitzer in einer Urne übergeben, die je nach seiner Ausgabebereitschaft mehr oder weniger aufwendig gestaltet ist. Zu einem Aufpreis kann das Gefäß im Waldboden auf dem Buchberg versenkt werden, oder die Asche wird auf dem Gelände einfach in den Wind gestreut. „Kinder setzen an der Stelle oft noch ein Stoffbärchen hin“, sagt Reiber. Mehr ist dort nicht erlaubt, auch nicht das Begraben eines Tierkadavers.

„Der Tierfriedhof gehört zum Geschäft, ist aber schwierig, weil zeitintensiv und mit hohen Nebenkosten, etwa beim Grabausheben“, sagt Reiber. So sieht es auch Hans-Peter Clieves, Franchise-Nehmer von Anubis und Geschäftsführer des Frankfurter Tierfriedhofs in Rödelheim, dessen Träger der Tierschutzverein ist. Das „riesige Gelände“ an der Gontardstraße/Ecke Holzweg hat Züge eines Hauptfriedhofs. „Tierbesitzerinnen und Besitzern wird damit die Option eines Ortes der Erinnerung geboten“, sagt Clieves. Den möchten jedoch etliche Frauchen und Herrchen mittlerweile in ihrem eigenen Garten oder ihren vier Wänden, bemerkt Clieves und nimmt sich davon nicht aus. „Wir haben unsere früheren Hunde alle im Regal stehen“, sagt er.

Gerne würden einige Tierhalter:innen nach dem eigenen Ableben den verstorbenen treuen Begleiter mit ins Jenseits zu nehmen. Was etwa im antiken Ägypten üblich war, geht heute selten, mutmaßlich auch aus religiöser Befindlichkeit. Die Deutsche Friedhofsgesellschaft hat deshalb das Projekt „Unser Hafen“ initiiert: In Essen und auf der Rheinhöhe bei Braubach können sich Mensch und Tier in ein Grab legen lassen.

In Hessen seien Grabbeigaben jeder Art verboten, sagt Alexandra Kinski, Leiterin des Hanauer Friedhofsamtes. „Allerdings werden verschlossene Särge vor der Einäscherung oder der Bestattung nicht kontrolliert.“ Dass manch:e Bestatter:in dem letzten Wunsch der verstorbenen Person nachkommt und die tierische Asche hinzugibt, kann Kinski somit weder bestätigen noch dementieren. Und er schließe nicht aus, dass auch Hinterbliebene nach der Beisetzung, zur ruhigen Stunde auf dem Gottesacker, Tier und Mensch zusammenführten.

Werner Gutheil, katholischer Pfarrer und Leiter des Trauerzentrums im Bistum Fulda, hat ein Herz für Tierfreunde - auch entgegen der Ansicht seiner Kirche. „Da muss ich meiner Institution leider widersprechen. Wenn Gott alles auf dieser Welt erschaffen hat, darf ich nicht unterschieden zwischen Mensch und Tier“, sagt Gutheil. Er sieht keinen Grund, Mensch und Tier auf einen separaten Friedhofsabschnitt zu bestatten, wie es in Braubach und Essen erfolgt.

Offenbar ist das Begehren vieler Menschen in Wiesbaden beim Innenministerium angekommen. Es evaluiere derzeit das Friedhofs- und Bestattungsgesetz, heißt es auf Anfrage. „Hierbei wird sicherlich auch das Thema Grabbeigaben von Haustieren zu bewerten sein“, teilt das Presseamt mit.

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