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Blutkreislauf per Handpumpe: Rechtzeitige Herzdruckmassage kann Leben retten.
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Blutkreislauf per Handpumpe: Rechtzeitige Herzdruckmassage kann Leben retten.

Main-Kinzig

Drei Minuten entscheiden

Voraushelfer sind oft als erste am Notfallort und retten Leben. In 26 der 29 Kommunen des Kreises kann die zentrale Rettungsleitstelle bereits auf die ehrenamtlichen Helfer bauen.

Von Alexander Polaschek

Wenn bei einem Menschen das Herz zu schlagen aufhört, muss das nicht das Ende sein. Für die Reanimation bleibt aber nicht viel Zeit. „Ab drei Minuten Herzstillstand ist mit bleibenden Schäden zu rechnen“, sagt Wolfgang Lenz. „Nach sechs Minuten bekommt man vielleicht das Herz noch in Gang, aber das Gehirn ist nicht mehr das, was es war.“ Der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes im Main-Kinzig-Kreis hat deshalb ein dezentrales System ehrenamtlicher Helfer aufgebaut, das den hauptamtlichen Rettungsdienst ergänzt: Voraushelfer können für die Patienten Sekunden und Minuten gewinnen, die vielleicht über Leben und Tod entscheiden.

Was 1999 in vier Städten mit gerade mal 18 Freiwilligen begann, ist mittlerweile ein fast flächendeckendes Helfer-Netzwerk. In 26 der 29 Kommunen des Kreises kann die zentrale Rettungsleitstelle auf Voraushelfer bauen. Weil sie schon vor Ort sind, können sie oft schneller beim Patienten sein als Rettungssanitäter und Notärzte. Laut Lenz war das bei 37 der 53 Voraushelfer-Einsätze im ersten Halbjahr 2010 der Fall.

Für den hauptamtlichen Rettungsdienst gilt die gesetzliche Vorgabe, dass in 90 Prozent aller Fälle binnen zehn Minuten nach dem Notruf die Hilfe eintreffen muss, wie der ärztliche Leiter erläutert. Das werde im Kreis über eine „mobile Steuerungsstrategie“ mit 13 Rettungswachen und Krankenwagen-Stellplätzen erreicht. Lenz: „Bis zu 35 Rettungswagen laufen am Tag, 14 in der Nacht. Die Notarztautos kommen noch hinzu.“ Trotzdem liegt die mittlere Eintreffzeit noch bei sechs Minuten, zu spät für eine erfolgversprechende Reanimation. Die Voraushelfer schaffen es in durchschnittlich 3,7 Minuten zum Notfallpatienten.

„Wir tragen entscheidend dazu bei, dass die Zeit, in der lebensbedrohlich erkrankte oder verletzte Patienten komplett unversorgt sind, deutlich verkürzt wird“, bilanziert Daniel Christ. Der Niederdorfelder Gemeindebrandinspektor leitet die örtliche Voraushelfergruppe. Rund um den Jahreswechsel wurde er mit seinen Kameraden zwei Mal alarmiert. Christ: „Kurz vor Weihnachten betreuten vier Feuerwehrsanitäter einen tief bewusstlosen Mann bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes. Sie sorgten dafür, dass der Patient nicht weiter auskühlte und überwachten seinen Kreislauf und seine Atmung, bis der Notarzt und die Rettungsassistenten eintrafen.“

Das Blut muss fließen

In der Silvesternacht kümmerten sich die Voraushelfer dann um eine junge Frau, die tief bewusstlos war. Drei Feuerwehrleute betreuten sie, bis ein Rettungswagenteam aus Frankfurt die weitere Versorgung übernahm.

Laut Lenz haben die mittlerweile 373 Voraushelfer im Kreis mindestens eine erweiterte Erste-Hilfe-Ausbildung absolviert und verfügen über eine kleine persönliche Ausrüstung. Ihre wichtigste Aufgabe ist eine, die „eigentlich heute jeder beherrschen sollte“. Sie seien in der Lage, bei Herzkreislaufstillstand mit Herzdruckmassage und Beatmung die Blutzirkulation zum Gehirn aufrechtzuerhalten.

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