Karben

Dorfladen mit Lerneffekt

Das „Lädchen für alles“ soll Azubi-Praxisbetrieb werden

Von Nina Nickoll

Profitieren sollen am Ende alle Beteiligten: Die Bewohner von Okarben, denen die Autofahrt bis zum nächsten Supermarkt erspart bleibt; die Auszubildenden des Berufsbildungswerks Südhessen (bbw), die Praxiserfahrungen sammeln, und die Lebensmittelkette Tegut über den Verkauf.

Im ehemaligen Schlecker-Markt im Friedhofsweg soll in Zusammenarbeit des Berufsbildungswerks und des Einzelhändlers Tegut ein Dorfladen entstehen. Eröffnen soll das „Lädchen für alles“ am 15. Mai.

In dem bbw-Praxisbetrieb werden Mitarbeiter des bbw und Auszubildende mit Behinderung oder Benachteiligung die Arbeit im Einzelhandel lernen. Die Mitarbeiter des bbw werden vor ihrem Einsatz vier bis sechs Wochen von Tegut geschult, sagt Tegut-Vertriebsleiter Knut John. Es sei auch möglich, dass die im Lädchen ausgebildeten Azubis später bei Tegut angestellt würden.

Das Konzept: Das bbw mietet einen Laden, Tegut stellt Produkte und Einrichtung wie etwa Tiefkühltruhen zur Verfügung. Auf 200 Quadratmetern Verkaufsfläche sollen aber nicht nur rund 4000 Produkte aus dem Tegut-Sortiment angeboten werden.

15 Prozent der Ware soll zudem aus bbw-eigener Herstellung kommen. Dazu gehören Holzarbeiten, wie Insektenhotels oder Vogelhäuschen, Kerzenständer oder Windlichter aus Metall. Außerdem backen Hauswirtschafts-Azubis Kuchen, der auch im Lädchen verkauft werden soll. Viele dieser Produkte werden heute schon bei fair.kauf, dem Praxisbetrieb des bbw, angeboten. Außerdem wird der Blumenladen des bbw in das neue Lädchen umziehen.

Neben dem Einkauf soll der Dorfladen auch zum Treffpunkt werden. Deswegen wird es im Café-Bereich Sitzmöglichkeiten geben. „Wir wünschen uns auch Synergien mit ortsansässigen Geschäftsinhabern“, sagte bbw-Geschäftsführerin Renée Eve Seehof.

Sie sei sehr glücklich über die gelungene Kooperation, weil die Auszubildenden so von Anfang an auf dem Arbeitsmarkt bestehen müssten, was ihnen den Berufseinstieg erleichtern könne.

Den Stein ins Rollen gebracht hat Ende 2011 Karbens Erster Stadtrat Otmar Stein (CDU). Er hat alle zusammen gebracht. Nach einer gemeinsamen Besichtigungstour durch Burg-Gräfenrode und Okarben fiel die Wahl des Standorts dann auf den ehemaligen Schlecker-Markt in Okarben, erinnern sich die Beteiligten.

Die Stadt Karben unterstützt das Projekt mit einer Anschubfinanzierung von 10000 Euro. Seehof hätte sich zwar mehr gewünscht, sagt aber: „Die Stadt hat geleistet, was möglich war.“ Die Politik solle nun durch Appelle an die Bürger den Laden weiter unterstützen, wünscht sich Stein.

„Er ist sehr wichtig für Okarben“, sagte Stadtverordneter Raif Toma (CDU). Besonders ältere Menschen oder junge Mütter würden entlastet, wenn sie für den Einkauf nicht auf das Auto angewiesen seien. Wichtig sei auch der Austausch über Geschehnisse im Ort, betont Seehof.

Nun sucht Seehof noch einen Marktleiter, der Spaß an der Idee und der Arbeit mit jungen Menschen hat.

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