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Die Germanistin Astrid Hohlbein nimmt Publikum mit auf ihren Literaturspaziergängen im Auftrag der Volkshochschule. Es gibt viel zu sehen: Hanau war schon früh ein Ort der Literatur, besonders nach dem Aufblühen als Handelszentrum.

Hanau

Den Dichtern auf der Spur

Mit Spaziergängen erinnert die Volkshochschule nicht nur an die Brüder Grimm - in Hanau haben weit mehr Literaten gelebt. Das lag vielleicht auch an der Zensur: Die war hier nicht ganz so streng.

Von Mareike Geringswald

"Ich gieng durch die Au neben hin, und kam auf ein gänge Landstraß, die mich vor die herrliche Festung Hanau trug", schreibt der gebürtige Gelnhäuser Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622-1676) in seinem berühmten Werk "Der abentheuerliche Simplicissimus Teutsch" (1668).

Das Werk berichtet mit autobiografischen Zügen aus dem 30-jährigen Krieg und gilt als erster deutscher Abenteuerroman. Er beschreibt in einigen Kapitel auch die Stadt Hanau und ihre Menschen.

Grimmelshausens Buch ist eines von vielen Beispielen dafür, dass die literarische Tradition der Kommune mehr zu bieten hat als "nur" die Werke der berühmten Brüder Grimm. Das erklärt die Germanistin Astrid Hohlbein gern bei ihren Literaturspaziergängen im Auftrag der Volkshochschule. Hanau sei schon früh ein Ort der Literatur gewesen, besonders nach dem Aufblühen als Handelszentrum.

So lebte etwa die deutsche Dichterin Karoline von Günderrode (1780-1806) elf Jahre lang in der heutigen Französischen Allee. Sie schrieb in ihrem letzten Jahr in Hanau 1797 ein Gedicht über die Stadt.

Es gab Autoren, die eine besondere lokale Bedeutung hatten. "Er ist ein echter Hanauer", sagt Astrid Hohlbein etwa über Otto Michel (1892-1973). Besonders fasziniert von der Epoche der Romantik (18. bis 19. Jahrhundert), schrieb er Gedichte, Aphorismen und Kurzprosa.

Nahe des Altstädter Marktes entstand um 1600 unter Wilhelm Antonius die erste Druckerei Hanaus. Bis zur Schließung 1625 brachte sie rund 250 Werke heraus. "Bedenkt man die damalige Zeit, dann war das schon sehr viel" erläutert Hohlbein. Die erste Verlagsbuchhandlung eröffnete erst 1830 unter der Leitung von Friedrich König, zur Zeit des Vormärz.

Lockere Zensur

Als Folge des "Hambacher Festes" veranstaltet 1832 die demokratische Bewegung das "Wilhelmsbader Fest". König brachte zu diesem Anlass das "ABC-Buch der Freiheit für Landeskinder" von Johann Wilhelm Sauerwein heraus, das Kritik an Hanau und seinen Spießbürgern übte. "Die Zensur in Hanau war nicht so streng wie anderswo", erklärt Hohlbein. Daher hätten viele Autoren ihre Bücher hier herausgegeben. Etwa 300 Exemplare vom "ABC-Buch" seien noch erhalten.

Bis heute verleihen Autoren der Stadtgeschichte eine literarische Facette - in der Gegenwart vor allem der gebürtige Hanauer Peter Henning. Der Marktplatz vor dem Rathaus ist einer der Schauplätze in seinem Roman "Die Ängstlichen" (2009), der Chronik einer Hanauer Familie.

Zum Ende jedes Literaturspaziergangs kommen aber dann doch die Brüder Grimm zu Ehren: Als Sprachforscher schrieben sie 1838 auch das "Deutsche Wörterbuch". Nach ihrem Tod führten andere Germanisten diese Arbeit fort, bis das Werk schließlich 1961 in 32 Bänden erschien.

Der nächste Literaturspaziergang titelt "Hanau weiblich": Sonntag, 20. Juni, 14 Uhr, ab Stadtbibliothek, Schlossplatz 2. Anmeldung unter Telefon 06181/9238020. Die Teilnahme kostet 9 Euro.

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