Riza Yilmaz leitet die Abteilung Soziale Arbeit beim DRK in Darmstadt. Mit Yilmaz Volga ist er nicht verwandt.
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Riza Yilmaz leitet die Abteilung Soziale Arbeit beim DRK in Darmstadt. Mit Yilmaz Volga ist er nicht verwandt.

Deutsches Rotes Kreuz

Schwieriger Öffnungsprozess

Riza Yilmaz versucht seit Jahren mit dem DRK, Migranten zu erreichen.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Hessen möchte sich für Migranten öffnen. Riza Yilmaz ist Leiter der Abteilung Soziale Arbeit beim DRK in Darmstadt, mit dem Schwerpunkt Migration. Im Interview erläutert er, wie dieser Prozess aussehen könnte.

Warum möchte das DRK speziell unter Migranten für mehr Unterstützung werben?

Auch wenn wir uns ständig mit der Mitgliederentwicklung befassen müssen und auch selbstverständlich um Mitglieder mit Migrationshintergrund werben, ist das Thema interkulturelle Öffnung seit längerer Zeit für unseren Verband ein inhaltlicher Schwerpunkt – nicht nur hier vor Ort beim Kreis- und Landesverband, sondern auch beim Bundesverband. Beim Thema interkulturelle Öffnung geht es für unseren Verband weit darüber hinaus, Menschen mit Migrationshintergrund nur als Klienten zu sehen.

Das heißt?

Das heißt für uns, auch den Verband gegenüber ihnen zu öffnen. Wir befassen uns ganz konkret damit, wie wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf hauptamtlicher Ebene für unsere Arbeit gewinnen, selbstverständlich aber auch für die ehrenamtliche Arbeit. Interkulturelle Öffnung ist eine strukturelle Veränderung in einer Organisation und muss strategisch als Organisationsentwicklung eingeleitet werden. Dieser Prozess ist für den Verband eine notwendige Entwicklung und macht sie zugleich attraktiver.

Haben Sie denn im Moment zu wenig Menschen mit Migrationshintergrund im Hauptamt?

Ich kann nur für Darmstadt sprechen. Hier sind wir schon Anfang der 1990er schwerpunktmäßig in die Migrationsarbeit eingestiegen. Wir haben angefangen mit der Beratungsarbeit, Sprachkursen und Angeboten für Frauen. Seitdem wurde die Migrationsarbeit weiterentwickelt. Dann wurden Kollegen und Kolleginnen mit Migrationshintergrund eingestellt, so dass wir in den letzen zehn bis fünfzehn Jahren die Migrationsarbeit als einen Schwerpunkt im Kreisverband etabliert haben.

Und wo zeigt sich das in Ihrem Arbeitsalltag?

Diese Entwicklung kann man zum Beispiel in der Abteilung Sozialarbeit deutlich erkennen. Hier sind von elf Mitarbeiter zehn mit Migrationshintergrund beschäftigt.

Wie definieren Sie in Ihrer Arbeit die speziellen Problemlagen, abseits von Sprache allein? Was macht es schwer, Migranten für das DRK zu gewinnen?Alle Institutionen haben bei diesem Thema ähnliche Probleme. Es ist leider so, dass in vielen Institutionen eine bestimmte Organisationskultur verankert ist, die es schwer macht, das Thema interkulturelle Öffnung zu implementieren. Gleichzeitig ist es oft auch schwierig die Migrantinnen und Migranten zu erreichen. Eine große Rolle spielt hier die Unkenntnis der Menschen. Für uns ist es wiederum nicht immer einfach, die speziellen Nöte zu identifizieren. Die Sprache ist hier ein wesentlicher Faktor. Seit 2005 gibt es zwar bundesweit Sprachkurse, die reichen aber immer noch nicht aus. Und gerne vergessen: Kinderbetreuung. Wenn ich keine Kinderbetreuung anbiete, habe ich keine Möglichkeit, Mütter für einen Sprachkurs zu motivieren.

Das DRK hat angekündigt, einen „zielgerichteten Prozess der Organisation und Personalentwicklung“ anstreben zu wollen? Was bedeutet das?

Interkulturelle Öffnung ist ein Thema , mit dem wir uns – wie bereits erwähnt – schon seit einiger Zeit intensiv beschäftigen. Klingt technisch, ist aber keineswegs technisch. Das muss natürlich mit Leben gefüllt werden. Es geht darum, Prozesse einzuleiten, die Vielfalt als Bereicherung und Chance in der Arbeit in den Mittelpunkt stellen.

Was machen Sie konkret für die Migranten?Das geschieht bei uns ganz konkret dadurch, dass wir in den unterschiedlichen Abteilungen die Hauptverantwortlichen im Bereich interkulturelle Kompetenz schulen. Das zeigt, dass wir dem Thema einen hohen Stellenwert geben und im Rahmen unserer Möglichkeiten das vorhandene Personal weiterbilden. Auch Personalentwicklung ist eine sehr wichtige Ebene. Eine Möglichkeit wäre, ob man nicht – nach dem Vorbild der Frauenquote – bei gleicher Qualifikation eine Quote für Menschen mit Migrationshintergrund beim Deutschen Roten Kreuz einführt.

Das Gespräch führte Danijel Majic

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