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Während einer "aktiven Pause" am Dienstag forderten die Pflegerinnen Tariflöhne.

Protest in Maintal

Kampf für Tariflohn in der Pflege

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Pflegerinnen und Pfleger protestieren in Maintal (Main-Kinzig-Kreis) vor dem DRK-Seniorenzentrum. Sie fordern einen Tarifvertrag. Die Chefin des Heims weist die Verdi-Kritik zurück.

„Gemeinsam stark für mehr Personal in der Altenpflege“, steht auf einem Schild, auf einem anderen „Ohne Tarifvertrag ist alles doof.“, egal ob Lohn oder Arbeitszeiten. Elf Pflegerinnen und Pfleger, die im „Kleeblatt“ arbeiten, einem DRK-Seniorenzentrum in Maintal-Hochstadt, haben diese Schilder am Dienstag hochgehalten. Sie folgten dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi zu einer „aktiven Mittagspause“, um einen Tarifvertrag zu fordern.

Das Deutsche Rote Kreuz hat zwar einen Tarifvertrag mit Verdi abgeschlossen, der auch für Seniorenheime Löhne vorsieht, deren Höhe sich mit öffentlich betriebenen Häusern vergleichen lasse, sagt Anette Hergl, Verdi-Fachsekretärin für Altenpflegeeinrichtungen. Das Seniorenzentrum ist aber rechtlich selbstständig und deshalb nicht an den DRK-Tarifvertrag gebunden. Ebenso wie die Zentren in Dörnigheim und Bischofsheim firmiert es als Wohnen und Pflege im Alter in Maintal GmbH.

„Es steht zwar DRK an der Tür, für die Beschäftigten ist dann aber der DRK-Lohn nicht drin“, kritisiert Verdi-Landesfachbereichsleiter Georg Schulze-Ziehaus. Eine examinierte Altenpflegekraft bekomme im Monat schon mal 386 Euro (brutto) weniger als eine nach Tarif entlohnte Altenpflegerin, bei Hilfskräften könne die Differenz bei 423 Euro liegen. Verdi will dies zusammen mit der Belegschaft ändern und verweist auf die Koalitionsvereinbarung im Bund, nach der die Löhne in der Altenpflege durch flächendeckende Tarifverträge kräftig angehoben werden sollen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Verdi wird mit der Maintaler Leitung Sondierungsgespräche führen, „wegen Urlaub der Geschäftsführung leider erst am 31. August“, so Hergl.

Von insgesamt 170 Beschäftigten in den Einrichtungen haben sich laut Verdi rund 100 an den Betriebsratswahlen im Juni beteiligt. Die Gründung sei ein Erfolg, es habe Widerstände gegeben. Zur Vorsitzenden wurde Manuela Fritsche gewählt. „Wir leisten jeden Tag gute Arbeit und sind es wert, gut entlohnt zu werden“, sagt sie. „Wir arbeiten gerne und sorgen dafür, dass sich die Menschen bei uns wohlfühlen.“ Die Mieten in Maintal und Umgebung seien gestiegen, auch die Lebenshaltungs- und Betreuungskosten seien hoch. Mehrere Mitarbeiterinnen berichten, dass ihnen nach Abzug der Fixkosten nur etwa 300 Euro zum Leben bleiben.

Vorwürfe von Verdi zurückgewiesen

Gudrun Schröter, Geschäftsführerin der Senioreneinrichtungen, weist die Vorwürfe von Verdi zurück. „Bis heute“ sei die Forderung nach einem Tarifvertrag weder von der Mitarbeitervertretung noch von Verdi offiziell an sie herangetragen worden, auch nicht bei einem ersten Treffen zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung. Hier habe man konstruktiv gemeinsame Ziele und das Vorgehen besprochen, so Schröter.

Dass das Sondierungsgespräch erst Ende August stattfindet, sei einem „sehr vollen Terminkalender“ geschuldet und nicht etwa Urlaub oder gar Widerständen, so Schröter, die betont: „Wir verwahren uns gegen eine pauschalisierte Beurteilung der Arbeits- und Tarifsituation ohne Detailkenntnisse in Form eines Vergleiches willkürlich herausgegriffener Gehälter.“ So würden die Arbeits- und Tarifbedingungen etwa im Hinblick auf Besetzung und Urlaubsanspruch oder weiche Faktoren wie Arbeitszufriedenheit nicht berücksichtigt. Dass an der Protestaktion elf von 170 Beschäftigten teilnahmen, „sollte die ,Dringlichkeit’ der Tariffrage“ für die Mitarbeiter eindrücklich genug darstellen“.

Verdi ordnet die Zahl anders ein. Viele Beschäftigte, die hinter den Forderungen stünden, hätten diese aus Angst vor Nachteilen nicht öffentlich erhoben, sagt Schulze-Ziehaus. Zudem würden in der Hochstädter Dependance lediglich etwa 70 Leute arbeiten. Die Tarif-Forderung habe er noch nicht schriftlich übermittelt, weil es Usus sei, erst die Gespräche abzuwarten. Was die Bedingungen angeht, habe Verdi keine Pauschalurteile gefällt. Faktoren wie Besetzung würden noch geprüft, aber der Lohn sei nun einmal wesentlich. „Wir werden mit den Beschäftigten weiter kämpfen.“

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