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Hunderte Meter von Schläuchen werden verlegt.

Hanau

Flatterband markiert Flammen

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Feuerwehren trainieren im Verbund den Kampf gegen Waldbrandszenario.

Pumpen und Stromerzeuger laufen brummend, schwere Tanklöschfahrzeuge (TLF) manövrieren und rangieren auf engen Waldwegen, es stinkt nach Dieselabgasen: Ein Großaufgebot der Feuerwehr trainiert am Samstagvormittag im Großauheimer Stadtwald die Bekämpfung eines Waldbrandszenarios.

Gegen 9 Uhr soll ein Jogger den Brand festgestellt und die Feuerwehr alarmiert haben. So will es die Vorgabe. Die Wehrleute sind informiert, dass eine Übung angesetzt ist, sie wissen aber nicht, wo es hingeht und was sie erwartet. Eigentlich wird am Einsatzort, wenige hundert Meter von der Limesschule entfernt, dann bloß Wasser ins satte Grün des Frühlings-Mischwalds gespritzt. Ein Bereich ist mit Flatterband markiert, hier „brennt’s“. Man tut so als ob.

Vernichten von Glutnestern besonders wichtig

Aber mit Zweck, nämlich um Alarmierungen, Anfahrtswege, Wasserentnahmestellen und vor allem die Koordination der verschiedenen Wehren zu testen und zu üben. In voller Montur stehen Brandschützer im Gehölz und befeuchten nicht per voll-, sondern per Spühstrahl das Unterholz. „Gerade bei Waldbränden ist es besonders wichtig, unsichtbare Glutnester im Boden restlos zu bekämpfen“, erläutert Feuerwehrsprecher Tibor Roka.

Beteiligt sind die Feuerwehren Hanau-Mitte, Wolfgang, Groß- und Kleinauheim, Großkrotzenburg und die hauptberuflichen Feuerwehrkräfte mit insgesamt 14 Fahrzeugen. Auch das Deutsche Rote Kreuz und Vertreter der Forstverwaltung sind vor Ort. Die DRKler sind gefordert, weil ein Feuerwehrmann mit „Kreislaufproblemen“ ins Szenario „eingespielt“ wird.

Ein „Pendelverkehr“ der TLFs wird eingerichtet, damit die Wasserversorgung nicht abreißt. Der nächste Hydrant steht 600 Meter entfernt an der Bahnlinie. In einer Art Planschbecken sammeln die Wehrleute das Löschnass als „Puffer“ um den Wasserstrom nicht abreißen zu lassen. Hier passen 5000 Liter rein.

Und all das will immer wieder geübt und überprüft werden, vor allem im Verbund verschiedener Wehren. „Die Feuerwehrleute sollen etwas Realistisches erleben und auch davon etwas mitnehmen“, sagt Roka. Und Einsätze im Wald seien eben nicht vergleichbar mit innerörtlichen: Schmale, unbefestigte Wege können die 13 Tonnen schweren TLF schon mal ins Schlingern bringen, gerade nach dem Regen der vergangenen Tage. Der Boden ist nicht nur vom Löschwasser aufgeweicht.

Deshalb sei es so wichtig, regelmäßig auszutesten, wie die Wehren im Ernstfall reagieren würden. Der Hanauer Wehrleiter Peter Hack guckt Einsatzleiter Karsten Stolper deshalb genau auf die Finger: Wie koordiniert er die Fahrzeuge, die Leute, welche Entscheidungen trifft er? Der TLF-Verkehr muss wohlgeplant sein, damit sich die gewaltigen Fahrzeuge nicht gegenseitig behindern.

Wälder dank des Flughafens bestens überwacht

Doch die Chancen, dass ein Waldbrand rund um Hanau lange unentdeckt bleibt und sich ungehindert zu katastrophaler Dimension ausbreiten könnte, stehen laut Stadtwald-Revierleiter Olaf Gold und dem stellvertretenden Forstamtsleiter Stefan Brinkmann glücklicherweise schlecht. Durch den Frankfurter Flughafen anfliegende Piloten sei die „Luftüberwachung“ sehr gut. „Auch durch Autofahrer, Polizei- oder Rettungshubschrauberbesatzungen wird meist schnell alarmiert“, so die Forstleute. „Alles bestens gelaufen“, lautet dann auch die „Manöverkritik“. „Die Übungsleitung war zufrieden, das Übungsziel wurde erreicht“, heißt es am Samstagnachmittag.

Der Tag der offenen Tür, zu dem die Hanauer Feuerwehr am gestrigen Sonntag einlud war laut Wehr-Sprecher Roka übrigens „gigantisch“. Mehrere Tausend Besucher seien in die Feuerwache geströmt um Lösch- und Rettungsgerät zu bestaunen.

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