Die Kraft der Sonne wird in der Gemeinde Nidderau zur Energiegewinnung genutzt.
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Die Kraft der Sonne wird in der Gemeinde Nidderau zur Energiegewinnung genutzt.

Sonnenkraft

Nidderau ganz vorn bei Solarenergie

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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In ihrer Klasse die Beste: Unter den mittelgroßen Städten gehört Nidderau zu den fleißigsten Solarstrom-Produzenten.

Nidderau ist Spitzenreiter unter den mittelgroßen Städten in der Produktion von Solarenergie - zumindest laut der Solarbundesliga, die vom Informationsdienst „Energiekommune“, der Zeitung „Solarthemen“ und der Deutschen Umwelthilfe aufgestellt wird. Besonders im Bereich Wärmeerzeugung aus Sonnenkraft konnte die Stadt punkten. Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) sieht den ersten Platz aber auch in den Bemühungen von Nidderau, klimafreundlich immer mehr Energie zu erzeugen.

„Mit dem Baugebiet in der Neuen Mitte werden viele Häuser mit Solarkollektoren und Photovoltaikpaneelen auf den Dächern ausgestattet“, sagt Vogel. Es handelt sich um 122 Grundstücke, auf denen Passivhäuser entstehen. Dieses Engagement werde nach dem geänderten Reglement der Solarbundesliga nun stärker gewichtet. Das Baugebiet sei mit den erforderlichen Auflagen ausgewiesen worden. Bei den künftigen Eigenheimbesitzern komme die Selbstversorgung in Sachen Energie auch gut an. „Fast alle Bauplätze sind bereits reserviert oder verkauft“, sagt Vogel.

Obwohl der Solarstrom in der Einspeisevergütung nur noch wenig Ertrag bringe, rentiere sich bei den gegenwärtigen Strompreisen der Selbstverbrauch. Das ist zudem klimafreundlicher, als Öko-Strom über weite Entfernungen zu transportieren. Zur energetischen Autonomie im neuen Baugebiet fehle mindestens noch ein Speicher, der Verbrauchsspitzen oder Produktionstiefs wegen trüben Wetters ausgleicht. Diese Rolle könnte etwa das Elektroauto übernehmen, das Stromüberschüsse aufnimmt und bei Bedarf an den Haushalt abgibt.

Nidderau will die Zeichen auf mehr Solarstrom und -wärme für Privatimmobilien stellen. Eine ehemalige Bauschuttdeponie am Rande des Stadtteils Ostheim soll geprüft werden, ob dort großflächig Photovoltaik installiert werden kann. Ebenso sollen die Dächer städtischer Gebäude wie das Rathaus hinsichtlich ihrer Tragfähigkeit und Ausrichtung begutachtet werden. Bislang sind stromerzeugende Paneele nur auf wenigen kommunalen Gebäuden montiert etwa auf einem Feuerwehrgerätehaus, der Willi-Salzmann-Halle und auf dem Hallenbaddach.

Allerdings allein von der Sonne abhängig zu werden, ist für Vogel keine zufriedenstellende Lösung. „Es muss immer ein Energiemix bestehen“, sagt er. Die unzureichende Kontinuität der nachhaltigen Energieträger mache dies erforderlich. Auf Windräder muss die Stadt jedoch verzichten. „Der Mindestabstand zur Siedlungsgrenze ist auf der Gemarkung nicht einzuhalten.“ Hingegen böte die Biogasanlage eine Energiealternative. Kritisch sieht Vogel hier die hohe Subvention und dass Mais zur Energieerzeugung verwendet werde. Um Ressourcen besser zu nutzen, soll es laut Vogel ein Energiekonzept für Nidderau geben, das gleichfalls alle Stadtteile einbezieht.

Der Stadtrat bemerkt, die Akzeptanz lokaler Energieerzeugung und -nutzung sei vielerorts nicht an die politischen Farben in den kommunalen Parlamenten gekoppelt. „Der erste Platz für Nidderau relativiert sich schnell, wenn ich sehe, was etwa in Bayern alles geht“, sagt er. Dort werde mehr im Kleinen die Wasserkraft genutzt, und es gebe dort „ungeheuer viele Photovoltaikanlagen“. Die politischen Kräfte haben dort erkannt, „dass im ländlichen Raum ein sehr hohes Entwicklungspotenzial in der Nutzung alternativer Energien liegt.“

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