Demokratie üben, Extremismus erkennen

Junge Leute beschäftigen sich bei Planspiel des Verfassungsschutzes mit Grundrechten

Von ANDREAS ZITZMANN

Die Partei der Freiheit plädiert dafür, dass sich auf dem Heldengedenkplatz am Friedhof alle politischen Gruppierungen zu Kundgebungen treffen dürfen, aber nur unter Polizeischutz. Die Linksextremen hingegen wollen dort ein Denkmal für die kommunistischen Freunde errichten und verlangen ein Demonstrationverbot für die rechte Brut.

17- bis 22-Jährige üben sich in Demokratie. Die jungen Leute, arbeitslos und häufig ohne Hauptschulabschluss, haben an einem Planspiel teilgenommen, das vom Verfassungsschutz des Landes Brandenburg entworfen wurde. Angeboten wurde es - erstmals außerhalb von Brandenburg - als Teil einer "berufsbildenden Maßnahme" der Gesellschaft für Wirtschaftskunde (GfW), die die jungen Leute unter anderem zum Hauptschulabschluss führen soll.

Jonas Grutzpalk, Referent im Verfassungsschutz in Potsdam, hat das Planspiel nach einem tatsächlichen Fall - Streit um einen Heldengedenkplatz - entworfen. Ziel des Spiels: Die jungen Teilnehmer sollen ein Gefühl für demokratische Prinzipien entwickeln, auch, um so Gefahren extremistischen Gedankenguts besser erkennen zu können. Nach Hanau kam das Spiel durch Zufall, eine Mitarbeiterin der GfW hatte im Radio davon gehört. Aus rechtlichen Gründen musste der hessische Verfassungsschutz vermitteln; er ist, so Sprecherin Iris Pilling, inzwischen daran interessiert, das Planspiel-Konzept in sein Präventionsprogramm aufzunehmen.

38 junge Leute haben sich am Donnerstag gruppenweise in die Rolle von Politikern versetzt: drei demokratische Parteien standen dabei drei extremistischen Gruppierungen gegenüber: rechts, links und radikal islamistisch orientiert. Eine neutrale "Journalistengruppe" beobachtet den Ablauf und dokumentiert ihn. Wer in welcher Gruppe arbeitet, wird im Übrigen per Los bestimmt, erklärt Cornelia Seyler, Sozial-Pädagogin und GfW-Dozentin für Gesellschaftslehre. Die Jugendlichen müssen in ihrer Gruppe eine Art Nutzungskonzept für den Heldengedenkplatz entwickeln, es dann im Plenum präsentieren und schließlich in einer Bürgerversammlung vertreten. Daraus entwickelt sich fast notwendig ein politisch-gesellschaftlicher Streit, den es mit demokratischen Mitteln auszutragen gilt. Der von den Initiatoren erwünschte Effekt: Die Teilnehmer sollen erkennen, dass Grundrechte wie Versammlungs- und Meinungsfreiheit verteidigt werden müssen.

Die 17- bis 22-Jährigen waren sichtlich angetan von dieser Art Unterricht, auch wenn es nicht allen leicht fiel, sozusagen öffentlich aufzutreten und ihre Meinung zu vertreten. Aber auch das gehört eben zur Demokratie.

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