Altlast

Gestank vom Rübenacker

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Die Altlast der Biogasanlage Mühlheim lagert bei Klein-Auheim. Die Zuckerrübenhalden werden von Bakterien langsam zersetzt und verbreiten einen säuerlichen Geruch. Den Bauern wurden die Rüben als Dünger angeboten.

Klein-Auheimer Schrebergärtnern und Spaziergängern an der Hainstädter Feldgemarkung weht seit einigen Wochen ein säuerlicher Geruch um die Nase. Der Grund sind Zuckerrübenhalden, die Bakterien langsam zersetzen. Die Feldfrüchte waren ursprünglich für die umstrittene Biogasanlage in Mühlheim gedacht und in Hanau gelagert worden.

„Wir benötigen die Rüben nicht mehr“, erklärt Wolfgang Kressel, Geschäftsführer der Stadtwerke Mühlheim. 1500 Tonnen Zuckerrüben hatte man zum Anfahren der Anlage und für die ersten Betriebsmonate auf einem ehemaligen Kasernenareal in Hanau bunkern lassen. Im Spätsommer stellten die politisch Verantwortlichen in Mühlheim endgültig fest, dass die Biogasanlage mit dem bisherigen Konzept ein finanzielles Fiasko würde. Es wurde neu geplant – jetzt aber ohne Rüben. „Ein Unternehmen wurde mit der Entsorgung des Gärstoffes vom Gelände der ehemaligen Underwood-Kaserne beauftragt“, sagt Kressel.

Ein ordentlicher Entsorgungsnachweis liege vor. Das Gelände in Großauheim sei inzwischen gereinigt. Die Gärung hatte unter der Abdeckung bereits eingesetzt.

Die Rüben seien Bauern als natürlicher Dünger angeboten worden. Für Viehfutter tauge die Ware nicht mehr, und eine rübenverwertende Biogasanlage, die das Material hätte übernehmen können, fand sich laut Kressel nicht in vertretbarer Entfernung.

Der Hainstädter Landwirt Hubert Kopp hat einige Tonnen Zuckerrüben abgenommen, die sich auf zwei Lagerstätten verteilen. Die würde er lieber heute als morgen auf seine Äcker verteilen und danach unterpflügen. „Aber der Boden ist einfach zu matschig“, sagt er. Die Rüben reichern die Felder stark mit Nährstoffe an. Kopp möchte darauf Mais kultivieren.

Feldfrüchte als Dünger zu verwenden, sei nicht außergewöhnlich, sagt Karl-Heinz Heckelmann, Leiter des in Bad Homburg ansässigen Amtes für den ländlichen Raum. „Felder, die nicht abgeerntet werden, werden auch umgepflügt. Das verhält sich wie im natürlichen Kreislauf.“ Von den zum Teil angeschimmelten Rüben auf den Halden gehe keine Gefahr für Menschen oder Tiere aus, so Heckelmann. Der Fäulnisprozess sei vergleichbar mit dem im Komposthaufen.

Die unangenehmste Komponente ist der Geruch, das weiß auch Hainburgs Bürgermeister Bernhard Bessel (CDU). „In der ersten Woche haben viele Anlieger deshalb im Rathaus angerufen“, berichtet er. Seit einiger Zeit seien die Klagen jedoch verstummt. Bessel geht daher davon aus, dass die Gerüche im Ortsteil Hainstadt schwächer geworden sind. Für alle anderen bleibt nur die Hoffnung auf eine längere Trockenperiode.

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