Nidderau

Der Geldprofi

  • schließen

Rund 16 000 wahlberechtigte Nidderauer sind am Sonntag, 30. November, dazu aufgerufen, einen neuen Bürgermeister zu wählen. Herausforderer Andreas Frenzel will mit seiner Kompetenz als Finanzmanager punkten.

Nur abends und am Wochenende kann einer wie Andreas Frenzel Wahlkampf machen. Urlaub? Freistellung für seine kommunalpolitischen Ambitionen? Fehlanzeige für einen Banker mit Umsatzzielen. Das geht gar nicht. Sollte er am kommenden Sonntag Bürgermeister von Nidderau werden, werde er diesen Job natürlich sofort kündigen. Und seine Chancen, in Amt und Würden gewählt zu werden schätzt der Christdemokrat gar nicht schlecht ein. Denn bei den Nidderauern habe er durchaus ein Bedürfnis nach „frischem Wind“ im Rathaus geortet. „Und wenn es nichts wird, mach‘ ich auf jeden Fall weiter. Es kommt ja auch noch eine Kommunalwahl“, verkündet er fröhlich und nutzt umso mehr die Chance, um am Samstagvormittag vor dem Heldenbergener „Edeka“ um Stimmen zu werben.

Rentner, junge Familien mit Kindern, Singles kommen und gehen, machen ihre Wochenendeinkäufe. Frenzel verteilt orangenfarbene Rosen, Schokolade, Kugelschreiber, Papiertaschentücher mit CDU-Logo und Gummibärchen. Heldenbergens Ortsvorsteher Erich Lauer (CDU), Schönecks CDU-Vormann Konrad Jung und die Unions-Bundestagsabgeordnete Katja Leikert unterstützen ihn dabei. „Guten Tag, ich bin Andreas Frenzel und möchte hier Bürgermeister werden. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir Ihre Stimme geben würden.“

Freundlich, sympathisch, lächelnd geht der 46-Jährige auf die Menschen zu. Fast schon ein bisschen zu zaghaft, so gar nicht kämpferisch, sondern eher als Sonnenschein. „Ich bin halt nicht aggressiv und nicht polemisch“, sagt er. Und wie kommuniziert wurde, dass er in einer Podiumsdiskussion den Amtsinhaber sogar gelobt habe, ärgert ihn ein bisschen. „Da sagt man einen Satz, und schon steht er in der Zeitung.“ Aber er steht dazu. Der derzeitige Amtsinhaber habe nun mal „nicht alles falsch“ gemacht.

Aber immerhin manches – und zwar bei den Finanzen. Und da weiß Frenzel wovon er spricht. Er setzt deshalb auf seine Kompetenz als Banker im Umgang mit Geld, um bei den Menschen zu punkten: „Was in Nidderau fehlt, ist ein unternehmerisches Denken, ein Konzept, um Gewerbe und die Entwicklung aller fünf Stadtteile zu fördern.“ Er wirft der Stadtspitze „finanzielles Missmanagement“ vor. Nur durch weitere Gewerbeansiedlungen könnten die Gewerbe- und Einkommenssteuereinnahmen der Stadt gesteigert werden, was wiederum den sozialen, den Sport- und Kultureinrichtungen und den Vereinen und letztlich den Menschen zugute komme.

Deshalb stellte er sich bereits demonstrativ hinter die Forderungen der Eichener Bürgerinitiative „Ja zum Sprung über die B521“ nach einem Gewerbegebiet auf dem Acker jenseits der Bundesstraße. „Steuereinnahmen können durch Ansiedlungen und Arbeitsplätze auch steigen, ohne dauernd Steuersätze anzuheben“, sagt er.

Als Gag, um seine Finanzkompetenz zu unterstreichen, verteilt der Unions-Kandidat Flyer mit einer US-Dollar-Note, in der er das Konterfei George Washingtons kurzerhand mit seinem eigenen austauschte.

Die Wahlbürger sind seinen politischen Annäherungsversuchen unterm CDU-Schirm vor dem „Edeka“-Eingang meist aufgeschlossen, bleiben trotz klammer Temperaturen stehen, plaudern. „Ja, danke, ich werde es mir überlegen“ oder „Zeit für frischen Wind um den Filz aus 17 Jahren mal abzustreifen“ ist da zu hören.

Nur eine Dame hat überhaupt keine Zeit und eine entgegnet ihm „Ja, ich kenne Sie, wenn Sie mich nicht kennen, ist das Ihr Problem“ und ist – schwups – in Richtung Parkplatz verschwunden. „Muss ich die kennen?“, fragt er perplex in die Runde seiner örtlichen Parteifreunde. „Nö“, sagt einer.

Wenn sich ratsuchende Bürger tagsüber während der Woche bei dem Kandidaten melden, nehme seine Frau Corina die Anrufe auf, und er arbeite sie abends ab ober beantworte entsprechende E-Mails in der Nacht, berichtet er von seinen Wahlkampfaktivitäten zwischen Beruf und Freizeit, die ihm im Durchschnitt der letzten Wochen etwa vier Stunden Schlaf erlaubten. Denn morgens muss er nach Frankfurt zum Job pendeln.

Meistens kämen die Menschen mit Anliegen auf ihn zu, mit denen sie es bei der derzeitigen Stadtspitze bereits vergeblich versucht hätten, berichtet Frenzel. Etwa die kaputte Bahnhofstraße oder ein Spielplatz, der angeblich eher Drogenumschlagplatz sein soll. „Da wurde dann einfach nicht reagiert. Manche Bürger übertreiben zwar immer ein bisschen, aber im Kern ist oft etwas Wahres an ihren Klagen dran“, sinniert Andreas Frenzel und verschenkt eine weitere orangene Rose.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare