Bürgersinn bewahrt die alte Pracht

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Langenselbold Förderkreis Schloss wird am Sonntag mit dem Preis Ehrenamt in der Denkmalpflege ausgezeichnet

Napoleon dürfte am 29. Oktober 1813 kaum der Sinn danach gestanden haben, die herrschaftliche Pracht zu bewundern, die er hinter dem schlichten Mauern des Langenselbolder Schlosses vorfand. Nach der Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig befand sich der französische Feldherr mit dem Rest seines Heers im Krebsgang nach dem desaströsen Russlandfeldzug. Am nächsten Tag mussten seine Krieger mit Waffengewalt an den Hanauern vorbei.

Dass das Schloss wieder in seinem früheren Glanz erstrahlt und die Geschichte darin lebendig werden kann, ist vor allem dem Förderkreis Schloss Langenselbold zuzuschreiben. Am Sonntag erhält er für sein 14 Jahre andauerndes Engagement den mit 2000 Euro dotierten Preis Ehrenamt in der Denkmalpflege.

Am 25. Februar 1994 konstituierte sich der Förderkreis um einen weiteren Verfall des 1727 von Graf Wolfgang Ernst III. erbauten Schlosses sowie dessen Garten mehr als nur zu stoppen. "100 Jahre wurde an dem Schloss nichts getan", sagt der Vorsitzende Hans Badstübner. Die Sanierung der Eingangstreppe und das Pflanzen von Rosenstöcken zählten zu den ersten Aktionen des Vereins. Noch wohnte im ersten Stock eine Prinzessin, Margarete von Isenburg.

Die reich mit Stuck verzierten Räume wurden nach und nach saniert. Die mehr als 250 Jahre alte freitragende Eichenholztreppe bereitete dem Verein jedoch große Sorge. Ende der 90 Jahre sperrte die Baupolizei den Aufgang wegen der altersschwachen Statik. Die Konstruktion solle mit Stahlseilen oder Stützen gesichert werden. Für Badstübner und seine Mitstreiter ein schauderhafter Gedanke. "Damit wäre doch der barocke Gesamteindruck im Foyer stark gestört worden", sagt er. Ein Statiker im Verein wusste jedoch einen Zimmereibetrieb, der der Treppe die nötige Stabilität ohne sichtbaren Sicherungselemente gab. Knapp 40 000 D-Mark kostete die Instandsetzung, zu der Förderkreis ein Viertel der Summe beitrug. Mit 68 000 Euro weitaus teurer kam die Sanierung der kostbaren und zumindest in Hessen nahezu einmaligen Seidentapeten im Jagdsalon, im Fürstinnen- und im Napoleonzimmer. Nebenbei: In einem Anfall von Verfolgungswahn soll Bonaparte mit seinem Säbel in die mit asiatischen Pflanzenmotiven bemalte Tapete gestoßen haben. Er vermutete hinter dem Tuch einen Spion.

Die unter Denkmalschutz stehenden Tapeten mussten für die Restaurierung von der Wand abgenommen werden. Danach wurde der Untergrund neu aufbereitet. Hierbei halfen Mitglieder des Förderkreises. "Es gibt eigentlich kaum eine Arbeit am Schloss und in der umgebenden Grünanlage, bei der Mitglieder des Vereins nicht mitgeholfen haben", sagt Badstübner. Wenn möglich werden auch andere Vereine eingebunden etwa der Obst- und Gartenbauverein bei der Pflege der Grünfläche.

Demnächst soll auf der 41 Meter lange Mauer an der Hanauer Straße eine schmiedeeiserner Zaun angebracht werden. 17 000 Euro betragen die Kosten. Geld und Spenden zu sammeln, zählt mit zu den Hauptaufgaben des Förderkreises. Von den Beiträgen der rund 360 Mitglieder kann der Verein die Ausgaben nicht einmal ansatzweise stemmen. "Wir haben 50 Gönner und Freunde, die seit Jahren mit größeren Beträgen die Arbeit unterstützen", sagt der Vorsitzende. Insgesamt kamen so in den 14 Jahren mehr als 284 000 Euro zusammen.

Sogar ein weißer barocker Flügel für Konzerte im Stucksaal konnte angeschafft werden. Über diese Geschichte möchte Badstübner aber am liebsten den Mantel des Vergessens legen. Den schwarzen Flügel, der bereits im Schloss stand erwarb der einstige Bürgermeister Heiko Kasseckert (CDU) für seine Lebensgefährtin - sehr zum Ärger des Vereins, der gerne beide Instrumente im Schloss gesehen hätte. Da klingen die historischen Geschichten von Napoleon und seinem General Lamboy einfach besser.

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