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Hier soll es nächste Woche losgehen. Links das Gebäude der DLRG, hinten die Wohnbebauung an der Braubachstraße.

Flüchtlinge

Ärger über Flüchtlingsunterkunft

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In den 1990er Jahren gingen Flüchtlinge und Anwohner mit Äxten aufeinander los. Ständig war die Polizei da. Nun sollen wieder Flüchtlinge in diesem Bereich untergebracht werden. Der Ärger ist groß.

Burkhardt Liebich, direkter Nachbar, ist stinksauer und will klagen, obwohl das Verwaltungsgericht bereits eingegangene Widersprüche gegen die Baugenehmigung abgewiesen hatte: „Die Stadt Maintal baut hier ohne Rechtsgrundlage“, ist er überzeugt.

Hier gebe es keinen gültigen Bebauungsplan, sagt er und hält zudem einen Brief von Bürgermeister Ehrhard Rohrbach (CDU) vom 18. Februar 1997 hoch, in dem der verspricht, dass es hier keine Flüchtlingsunterkunft mehr geben werde. Bereits in den 1990er-Jahren waren hier Flüchtlinge untergebracht, worauf sich auch die mehrfach geschilderten „schlechten Erfahrungen“ der Nachbarn gründen. „Mit Äxten sind die damals aufeinander losgegangen, ständig war die Polizei da“, berichtet Liebich.

Werner Vasek, ebenfalls direkter Nachbar und Sprecher der Interessengemeinschaft Braubachstraße aus den insgesamt 21 Beschwerdeführern: „Die Relation sprengt jeden Rahmen. Das ‚Geländehandtuch‘, auf dem das Gebäude entstehen soll, ist von vier Seiten eingepfercht.“ Es gebe weit geeignetere Flächen in Maintal, die bloß nicht geprüft worden seien.

Denkbar ungünstigste Standort

Beide unterstreichen, dass keiner etwas gegen die Aufnahme von Flüchtlingen habe, doch der Standort sei der denkbar ungünstigste, eingezwängt zwischen Querspange, Bahnlinie, Braubach und Wohnbebauung. Hier sei schlicht zu wenig Platz für die Unterbringung von 57 Menschen.

Moderatere Töne einer Nachbarin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Wir haben ja eh‘ verloren. Mir tun die Menschen, die da zu uns kommen sehr leid und ich werde mich engagieren, um sie zu integrieren. Was mich ärgert, ist der Verein Budokan, der sich jetzt eine goldene Nase verdient.“ Der Sportclub Budokan baut die Flüchtlingsunterkunft und will sie nach fünf, maximal sechs Jahren Vermietung an die Stadt als Judo-Internat- und Landesleistungszentrum nutzen. Die Mieteinnahmen sollen den Bau mit finanzieren.

Budokan-Vorsitzender Erwin Susnik versucht die Ängste zu zerstreuen. Es seien ganz andere Verhältnisse, als die der Gemeinschaftsunterkunft aus den 1990er-Jahren zu erwarten. Damals seien 44 Menschen auf 300 Quadratmetern untergebracht gewesen, künftig seien es 57 auf 800 Quadratmetern. „Wir bauen elf Appartements für je fünf Leute zu je 36 Quadratmetern mit eigenem Bad. Und wir hoffen natürlich auf die Zuweisung von Familien mit Kindern.“ Es sei auch eine ganz andere Klientel unter den Flüchtlingen als die damalige zu erwarten.

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