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Nicht nur muslimische Frauen sind eingeladen, das neue Angebot zu nutzen.

Maintal

„Burkinis“ erlaubt

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Maintalbad bietet ab September Schwimmzeit nur für Frauen und Mädchen an.

Es muss nicht mal Anmache oder gar Gegrabsche sein, es genügen oft schon männliche Blicke, die bei vielen Mädchen und Frauen für Unwohlsein in öffentlichen Schwimmbädern sorgen. Und das gilt nicht nur für gläubige Musliminnen, die aus religiösen Gründen nicht mit Männern baden, sondern auch für alle anderen Frauen, die sich dem nicht aussetzen wollen.

Deshalb bietet das Maintalbad ab dem 16. September freitagvormittags von 11 bis 12 Uhr eine Schwimmzeit an, die ausschließlich Frauen und Mädchen vorbehalten ist. Es folgt damit Angeboten, die es in Frankfurt, Wiesbaden oder Kassel schon gibt. Auch das Hanauer Heinrich-Fischer-Hallenbad bietet in der Wintersaison Montags von 15.30 bis 17 Uhr „Damenschwimmen“ an. „Es kommt gut an, die Resonanz ist gut“, heißt es auf Anfrage von der Hanau Bäder GmbH.

Darauf hofft man auch in Maintal. „Es soll allen Besucherinnen – unabhängig von Alter, Nationalität oder Religion – die Möglichkeit bieten, sich ohne Schamgefühle – gerade im Hinblick auf körperbetonte Badekleidung und auf männliche Blicke – im Schwimmbad frei bewegen zu können“, erklärt Anne Denecke, Frauenbeauftragte der Stadt Maintal.

Keine anderen Schwimmzeiten eingeschränkt

Die Idee dazu sei von Frauen aus dem Stadtteilzentrum Bischofsheim gekommen, wurde dann von der Stadtleitbildgruppe Maintalbad und dem Frauenbeirat aufgenommen und geplant. Zwischenfälle von Belästigungen durch Männer, die Anlass hätten sein können, habe es im Maintalbad aber bislang keine gegeben, stellt das Maintalbad klar.

Laut Stadtsprecherin Nicole Sittig werden durch das Frauenschwimmen keine anderen Schwimmzeiten eingeschränkt. „Normalerweise ist das Bad freitags wegen dem Schulschwimmen ohnehin geschlossen. Und genau zwischen 11 und 12 Uhr haben wir eine Lücke, in der keine Schule drin ist.“

Das Angebot für Frauen, und Mädchen, die in Ruhe ihre Bahnen ziehen wollen, sei zunächst ein Versuch und werde vorläufig über die Wintersaison bis April angeboten. „Wird es gut angenommen und besteht der Wunsch nach einer Fortsetzung, so werden wir darüber danach entscheiden“, erklärt Frank Krause, einer der beiden Geschäftsführer der Maintal Beteiligungsgesellschaft, zu der auch das Maintalbad gehört. Kinder, auch Jungs, können bis zum Alter von sechs Jahren von Müttern mitgenommen werden. Kurios allerdings: Weil das Schwimmbadteam um Leiter Roland Allmannsdörfer nicht ausschließlich aus Frauen besteht, werden Männer auch in der Frauen-Schwimmstunde die Wasseraufsicht führen und am Beckenrand aufpassen. Dafür haben sie im Umkleide und Sanitärbereich nichts zu suchen.

In der Badeordnung steht, dass am Eingangsdrehkreuz, eine Kontrolle stattzufinden hat, „damit männliche Kunden von der Benutzung während dieser Zeit ausgeschlossen werden“. Und: „Es ist die übliche Badekleidung zu tragen, Burkinis sind ausdrücklich erlaubt.“ Gegen diese den ganzen Körper verhüllenden Badeanzüge strenggläubiger Musliminnen gebe es auch keine hygienischen Bedenken, weil sie aus dem selben Material wie normale Badeanzüge gearbeitet sind, erklärt Nicole Sittig. „Ich hoffe, dass das Angebot gut genutzt wird und sich die Frauen wohl fühlen“, sagt Anne Denecke.

Im Nidderbad in Nidderau gibt es dagegen derzeit keine Überlegungen, eine Frauenschwimmzeit einzurichten. „Kein Bedarf“, so Schwimmbadleiter Harald Rühl. Die gleiche Auskunft kommt auch aus Erlensee.

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