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Verdichtung im Bestand der BGH in der Antoniterstraße.

Hanau

Wege zum preiswerten Wohnen

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In Hanau wird viel gebaut, aber an Wohnraum mit bezahlbaren Mieten fehlt es. Die städtische Baugesellschaft überlegt nun, neue Wege zu gehen. Hierbei soll es auch darum gehen, wie die mittlerweile gestiegenen Bau- und Grundstückskosten gedrückt werden können.

Die städtische Baugesellschaft Hanau (BGH) prüft neue Wege für einen kostengünstigen Wohnungsbau. Nach den gegenwärtigen Bau- und Grundstückskosten ist ein Bauen für eine Vermietung von weniger als sieben Euro pro Quadratmeter nicht möglich, sagt BGH-Geschäftsführer Jens Gottwald auf Anfrage der FR. In der Antoniterstraße seien die Investitionen durch Nachverdichtung in der Siedlung gedrückt worden. In den Neubauten gibt es jedoch keine Wohnung für weniger als 8,50 Euro pro Quadratmeter kalt.

„Wir liegen mit den Bauten gut im Zeit- und Kostenplan, daran ändert auch nichts der Wintereinbruch“, sagt Gottwald. Dieser Tage ist Richtfest gefeiert worden. Es gebe schon Interessenten für die 40 Wohnungen in den drei Blocks mit zwei Mal acht und einmal 24 Wohneinheiten. Sogar einige Mietverträge seien bereits unterzeichnet, sagt er. Die ersten Bewohner werden voraussichtlich im September einziehen.

Der Wohnungsdruck auf Hanau ist hoch und er wird weiter steigen, sagt Gottwald. Die Ursache sieht er zum einen in Flüchtlingen, die sich in Hanau niederlassen, und vor allem in der „enormen Landflucht“. Mit den drei Neubauten vergrößert sich der Wohnungsbestand in der Antoniterstraße von 96 auf 136 Wohnungen.

Vor einem Jahr ist zudem damit begonnen worden, den dortigen Altbestand der BGH aus den 1960er Jahren zu sanieren und zu modernisieren. Die Ausgaben spiegeln sich in den Mieten wieder, die angehoben werden. Neumieter bezahlen auf jeden Fall 7,50 Euro pro Quadratmeter. Unter dem Strich sieht Gottwald für die meisten Altmieter in der Antoniterstraße keine reale Verteuerung des Wohnens. Denn es werde auch energetisch saniert, so dass viel Geld beim Heizen gespart werde. Laut Gottwald sei der Mietpreis zudem für eine Lage nahe der Innenstadt günstig. Der Mietzins soll laut BGH-Chef etwas über dem aktuellen Durchschnitt der Baugesellschaft liegen. Das Internetportal „immobilienscout24“ meldet für Hanau: „Die durchschnittliche Kaltmiete in Hanau beträgt 7,40 Euro pro Quadratmeter“. Auf der Internetseite der Stadt Hanau ist kein aktueller Mietspiegel zu finden. Schon vor geraumer Zeit bemerkte allerdings die kritische Initiative „Runder Tisch für menschenwürdiges und bezahlbares Wohnen“ zu den Mieten in Neubauen der BGH, dass ein Quadratmeterpreis von 8,50 Euro für Normalverdiener schon „grenzwertig“ sei.

Günstige Miete in neuen Wohnungen ist für Gottwald grundsätzlich mit der Frage nach der Investitionshöhe für ein Objekt verbunden. Zurzeit werden verschiedene Lösungswege geprüft, sagt er. Eine Nachverdichtung von BGH-Siedlungen wie in der Antoniterstraße werde daher nicht die Ausnahme bleiben. Es seien auch schon Orte im Gespräch. Namen nannte er noch nicht. „Es soll vor einer endgültigen Festlegung zu keiner öffentlichen Diskussion kommen“, so Gottwald. In der Antoniterstraße sei es aber wegen der Nachberatung weder zu Probleme noch zu Protesten gekommen. „Wir haben die Mieter dort über das Projekt umfassend informiert“, erläutert Gottwald.

Auch will die Baugesellschaft eigene Grundstücke in die Planung einbeziehen, die bislang als Bauland weitgehend brach liegen. Um diese oder andere Flächen besser zu nutzen, sollen Wohnhochhäuser, wie sie die BGH in früheren Jahren etwa in Kesselstadt errichtet hat, nun grundsätzlich nicht mehr ausgeschlossen werden. Auch vereinzelte Aufstockungen sind ein Weg, soweit es Gebäudestatik und Bebauungsplan zulassen, heißt es.

Gottwald hält es aber ebenso für nötig, den Baustandard wieder auf das Niveau von etwa vor fünf Jahren zu senken, um mit einer geringeren Miete die Investition zu refinanzieren. Für prüfenswert hält Gottwald daher Containerbauten, die nach ihrer Installation als solchen kaum auszumachen, aber kostengünstig seien.

Und allgemein: Der niedrige Kreditzins ermöglicht allein keinen Wohnungsbau für einkommensschwache Mieter, so Gottwald. Laut seiner Auffassung muss der Bund dazu ein „richtiges Konjunkturpaket mit kräftigen Zuschüssen“ auflegen.

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