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Bruchköbel: Protest gegen Querverbindung zur B45

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Von: Detlef Sundermann

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Schon einmal sollte der „Pferdchenkreisel“ am Ortseingang von Rossdorf dem Anschluss an die B45 dienen.
Schon einmal sollte der „Pferdchenkreisel“ am Ortseingang von Rossdorf dem Anschluss an die B45 dienen. © Renate Hoyer

Nach 40 Jahren holt die Politik die Pläne für eine Querspange vom Pferdchenkreisel zur B45 bei Roßdorf wieder hervor. Dagegen gibt es Protest.

Der Stadtteil Roßdorf ist von seiner verkehrstechnischen Geschichte eingeholt worden. Die Anbindung der L3195 vom sogenannten Pferdchenkreisel zur B45 hat nach 40 Jahren nunmehr Aktualität erhalten. Im Dezember stimmte die Mehrheit der Stadtverordneten einer vom Land Hessen angeregten Wiederaufnahme der Planung zu. Die Gegner in der IG Pferdekreisel geben sich jedoch noch nicht geschlagen.

„Des einen Nutzen, zum Schaden des anderen herbeizuführen, kann jedenfalls nicht die Lösung sein“, heißt es von der Interessengemeinschaft. „Die Querspange ist heute überholt. Mit dem Bau wird verkehrspolitisch das falsche Signal gesetzt“, sagt Eberhard Hestermann, Anwohner und einer der IG-Sprecher, der FR. Es dürfte nicht die Voraussetzung für noch mehr Individualverkehr geschaffen werden, die Politik müsse ÖPNV und Radwege ausbauen. Überdies habe sich die Situation für die Autofahrer über die Jahre verbessert, mit Straßenerneuerungen und Ampeln.

„Nun muss der Naturschutz Vorrang bekommen“, sagt Hestermann. Mit dem Bau der neuen B45, die auf einem Damm verläuft, sei die Landschaft bereits empfindlich verschnitten worden, die gleiche Wirkung gehe von der gut 500 Meter langen Querspange aus, allein „wegen der gewaltigen Aufschüttung für die Rampe zur B45“.

Auch die Grünen im Stadtparlament sprechen „von einem Stück einzigartiger Natur“, das aus dauerfeuchten Wiesen besteht und „so der Artenvielfalt eine Lebensgrundlage in immer wärmeren Jahren bieten“. Fraktionschef Uwe Ringel blendet jedoch die Kehrseite nicht aus: „Längere Wege für Autos bedeuten mehr Abgase in der Stadt ohne Anschluss an die B45.“ Denn laut einer Prognose würden rund 13 500 Fahrzeuge pro Tag weniger die innerörtlichen Straßen belasten.

Ohne Querspange werde die Stadt zudem in ihrer Entwicklung stagnieren, die Hauptverkehrspunkte hätten ihre Belastungsgrenze erreicht und erlaubten keine Erweiterung des Gewerbegebietes. Bei der Abstimmung im Dezember hat Ringel die acht Fraktionsmitglieder nicht auf Linie eingeschworen, drei stimmten pro Querspange, fünf votierten dagegen. Die Grünen befinden sich in Koalition mit CDU und FDP, letztere hatte bereits vor 15 Jahren gefordert, das Land solle die Planung wieder aufrollen.

Noch Jahre bis Baubeginn

Auch Bürgermeisterin Sylvia Braun (FDP) hatte sich bei ihrer Wahl vor knapp drei Jahren für eine Anbindung des Pferdchenkreisels an die vierspurige Bundesstraße ausgesprochen und damit vermutlich in Roßdorf und Innenstadt viele Anhänger gefunden. Denn zur jetzigen Parlamentsentscheidung machten diese etwa mit einem Banner im Feld ihre Forderung öffentlich.

Die Initiative zur Querspange sei nunmehr vom Land ausgegangen, sagt Braun. Zurückgestellte Ortsumgehungen seien geprüft worden, dabei seien drei in die Priorisierung gefallen, darunter die Roßdorfer. „Für Lebensqualität und Stadtplanung hat die Querspange eine große Bedeutung“, so Braun. Mit der Straße könne etwa eine Gewerbefläche am westlichen Stadtrand angegangen werden. Allerdings sieht Braun einen langen Weg bis zum Bau. „Ich rechne mit einem Planungszeitraum von zehn bis 15 Jahren“, sagt sie. „Zunächst werden neue Gutachten zum Umwelt- und Naturschutz sowie zum Verkehrsfluss benötigt. Vielleicht stellt sich dabei heraus, dass die Straße gar nicht mehr gebraucht wird.“

Die IG, die laut Hestermann rund 500 Unterschriften im Rathaus übergeben hat, hat dieser Tage einen Brief an den hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und Umweltministerin Priska Hinz (beide Grüne) geschrieben. In einer jetzigen Mitteilung fordert die IG die Bürger zur Diskussion auf. „Von den Politikern in der Stadt erhoffen wird uns hingegen keine Unterstützung mehr“, so Hestermann.

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