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Brot und Joghurt fürs Gehirn

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Von: Detlef Sundermann

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Power Tüten.
Power Tüten. © Sascha Rheker

Das Pausenbrot zu Hause lassen: 250 Heinrich-Heine-Schüler in der Weststadt erhalten täglich eine Power-Tüte und sind damit Teil eines Pilotprojekts. Die Initiative ging von der Schulleitung und der Tafel Hanau aus.

Die 250 Kinder der Heinrich-Heine-Grundschule können seit gestern ihr Pausenbrot zu Hause lassen – zumindest bis zu den Sommerferien. Bis dahin verteilt die Rewe Group an alle Schüler unentgeltlich jeden Morgen eine Frühstückstüte. Bis zum Ende des Schuljahres spendiert der Konzern insgesamt rund 25?000 der sogenannten Power-Tüten. Die Hanauer Schule ist eine von acht Bildungseinrichtungen in Deutschland, die in das Pilotprojekt aufgenommen wurde. Die Initiative ging von der Schulleitung und der Tafel Hanau aus.

Ein Butterbrot mit Wurst oder Käse zwischen den Scheiben, ein Stück Obst, ein Trink- und ein Fruchtjoghurt sollen den zweiten Energieschub für die Konzentration im Unterricht liefern. Für nicht wenige Kinder ist es jedoch das erste Essen nach dem Aufstehen, sagte gestern zum Auftakt der Aktion Jutta Knisatschek von der kirchlichen Organisation Lichtblick, die die Hanauer Tafel betreut. „Die Kinder kommen oft ausgehungert in die Hausaufgabenbetreuung am Nachmittag.“ Hans Mengeringhaus, Vize-Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Deutsche Tafel erklärte die unzureichende Versorgung nicht allein mit Armut im Elternhaus, gleichwohl die Zahl der Tafeln steige und ein Viertel der Bedürftigen Heranwachsende seien.

„Die Not der Kinder kommt teilweise aus der Vernachlässigung durch die Eltern“, notierte er. Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) fügte hinzu, dass sich mangelnde Fürsorge auch darin zeige, wenn der Nachwuchs statt der Schulvesper, täglich Geld in die Hand gedrückt bekomme, um sich selbst zu versorgen.

Knisatschek von Lichtblick fand es daher richtig, dass alle Schüler die Power-Tüte erhalten. „Auch die Besserverdiener können vom Inhalt der Tüte lernen.“ Zudem würden Kinder nicht stigmatisiert, die – aus welchen Gründen auch immer – in der Pause nie etwas zu essen dabei haben.

Mit der Power-Tüte wird möglicherweise auch der Klassenverbund gestärkt. Mit dem gemeinsamen Frühstück in der Klasse werde die soziale Kompetenz verbessert, sagte Schulleiterin Brigitte Wasjack-Knaf. Denn Kinder und Eltern säßen zu Hause immer weniger zusammen am Tisch.

Die gefüllte Tüte soll nicht nur Sattmacher sein, sondern zeigen, was zu einem Pausensnack gehört, so Schuldezernent Ralf-Rainer Piesold (FDP). Die Vermittlung muss bereits im Kindergarten erfolgen, um das Bewusstsein zu legen. Mit den Schulmensen soll hierzu eine Fortsetzung geschaffen werden. Piesold sieht die Schulkantinen daher als „Baustein zur Gesundheitserziehung“.

„Schulen sind oft noch der einzige Ort, wo gesundes Essen gelernt werden kann“, sagte Achim Drewes vom Nestlé Konzern, einer der Sponsoren bei der Aktion. Darin liegt auch die zeitliche Begrenzung der Tütenverteilung. Die Eltern sollen nicht komplett aus der Verantwortung genommen werden, hieß es von Rewe.

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