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Aus alten Tagen (2012) im Keller, Britta Hoffmann, Thomas Huscher und Wolfgang Dey (v. li.) von den "Brennesseln".
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Aus alten Tagen (2012) im Keller, Britta Hoffmann, Thomas Huscher und Wolfgang Dey (v. li.) von den "Brennesseln".

Kabarett in Hanau

"Die Brennesseln" sagt Lebewohl

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Das Kultkabarett "Die Brennesseln" verlässt die Bühne für immer: Am Sonntag gibt es beim Kultursommer die letzte Vorstellung.

Am Sonntagabend heißt es offiziell Abschiednehmen. Traurig wird es dabei nicht zugehen, wenn nach rund 30 Jahren das wohl berühmteste Hanauer Kabarett „Die Brennesseln“ dem Publikum Lebewohl sagt. Das Quintett in seiner letzten Aufstellung mit Britta Hoffmann, Wolfgang Breiter, Wolfgang Dey, Thomas Huscher und Ralf Takke hat aus seinem Fundus hierzu ein „Best-of“ mit knapp 20 Nummern zusammengestellt, die Hälfte davon bissig-freche Lieder.

„Wir haben uns mit der Auswahl echt schwergetan, aber dann ohne Rücksicht auf das Publikum die Stücke genommen, die uns am besten gefallen“, sagt Britta Hoffmann. So eigen sind die Brennesseln eben, selbst in der Schreibweise ihres Namens. Rechtschreibreform? Ohne die Brenn(n)esseln.

Die 1980er Jahre waren die hohe Zeit des politischen Kabaretts. In Frankfurt gab es die Maininger und „Die Schmiere“ (noch unter Rudolf Rolfs) und in Hanau die Brennesseln – Letzteres als reines Laienensemble, das schnell Kultstatus erlangte und mit seiner Programmqualität durchaus auf Augenhöhe mit professionellen Politsatirikern stand. Die Hanauer bildeten zudem eine Truppe im klassischen Sinn à la Münchener Lach- und Schießgesellschaft; Sketche und Songs wechselten sich ab. Vor zwei Jahrzehnten überlegten die Brennesseln sogar, ihren Amateurstatus aufzugeben, den guten Job zu kündigen und das Hobby zum Beruf zu machen. Beim Kabarettfestival in Melsungen errangen sie den beflügelnden dritten Platz, so Hoffmann. Ein Honorarauftrag zum Hessentag brachte die Ernüchterung. „Wir haben uns damit so abgequält und gemerkt, beim Produzieren unter Druck geht unsere Kreativität kaputt“, erzählt Britta Hoffmann, die 21 Jahre dabei ist.

Höchstens ein Programm pro Jahr und viele Auftritte, sie wurden nie gezählt, habe lange Zeit als erträgliches Maß neben Beruf und Familie gegolten, sagt Hoffmann. Die Orte waren vor allem das Comoedienhaus in Wilhelmsbad und der eigene Theaterkeller im Olof-Palme-Haus, der mit knapp 50 Zuschauerplätzen bis fußbreit an der Bühne für die richtige Kleinkunstatmosphäre sorgte. Auf Tour gehen fiel für die Brennesseln meistens mangels Zeit flach. Außerdem, das Publikum kam ja. Britta Hoffmann erinnert sich noch an ein Programm. „Binnen zwölf Minuten waren alle zehn Vorstellungen ausverkauft. Das war Rekord!“

Personelle Veränderungen gab es bei der Gruppe wenige. Einer, der nicht mehr dabei ist, heißt Frank Mumme (2014 verstorben). Der Mann mit der markant tiefen Stimme erlangte etwa in seiner Rolle als Ex-OB Margret Härtel Ruhm. Auch die scharfzüngige Ruth Dey, die mit Hoffmann alles andere als die Quotenfrau im Ensemble war, hat aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben.

So um das Ende der 90er Jahre wollten sich die Brennesseln neu erfinden und man nannte sich „Gestörte Philippsruhe“. Aber die Leute wollten die Brennesseln sehen und so gab es sie denn fortan wieder. Vor vier Jahren dann der leise Ausstieg. „Privates und Berufliches forderten viel Kraft. Alles wurde uns zu viel. Und wir sind auch alle älter geworden“, sagt Hoffmann. 2016 bohrte Bernd Michel vom Hanauer Kultursommer, die Brennesseln mögen doch noch ein richtiges Finale geben.

Beim ersten Treffen nach vier Jahren habe die Chemie im Ensemble gleich wieder gestimmt. „Es war so, als hätten wir uns erst gestern nach dem Bier verabschiedet“, heißt es. Ganz alter Kram sollte nicht ins Programm kommen. „Die Stücke der letzten 15 Jahre werden zu sehen sein“, sagt Hoffmann. Bei der Durchsicht habe man mit Erstaunen festgestellt, wie aktuell die Nummern immer noch seien, etwa der „Rentenanpassungstango“ oder „Afghanistan“. Und natürlich fehlen nicht die Songs „Girl from Tümpelgadde“ (gemeint ist Ex-OB-Härtel) und „Häuschen im Argonnerpark“, das der jetzige OB Claus Kaminsky (SPD) gar nicht lustig gefunden haben soll.

Bei der Stückeauswahl sei auch zum Tragen gekommen, dass die Originalbesetzung von einst die Rollen übernehmen könne. Die nicht mehr anwesenden Ensemblemitglieder sollen nicht kopiert werden, das ergäbe nur einen Abklatsch. Mit dem besten Eindruck wollen sich die Brennesseln verabschieden. Ein Comeback schließt Hoffmann aus: „Es war eine tolle Zeit. Besser wird sie nicht mehr werden. Das Publikum muss sagen können: Schade, dass es die Brennesseln nicht mehr gibt.“

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