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Brachttal möchte weniger Wasser an Frankfurt abgeben

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Von: Detlef Sundermann

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Wasser aus dem Vogelsberg wird in Frankfurt nicht nur für die Trinkwasserversorgung genutzt. Foto: Michael Schick
Wasser aus dem Vogelsberg wird in Frankfurt nicht nur für die Trinkwasserversorgung genutzt. © Michael Schick

Die Gemeinde Brachttal möchte nicht, dass der Wasserverband Kinzig noch mehr Wasser entnimmt. Die Pegel in den Brunnen sind niedrig, es wird nicht genug neues Grundwasser gebildet.

Weil in Frankfurt und im Main-Kinzig-Kreis immer mehr Wasser verbraucht wird, sieht die am südlichen Vogelsberg liegende Gemeinde Brachttal ihre kommunale Wasserversorgung und die dortige Natur gefährdet. Auf neun Textseiten hat die Gemeinde unter Einbeziehung eines Fachbüros Einwände gegen den Antrag des Wasserverbands Kinzig (WVK) erhoben, weiterhin aus zehn Brunnen auf der Gemarkung in Summe bis zu 2,5 Millionen Kubikmeter Grundwasser aus dem Boden zu pumpen - und das über 30 Jahre. Brachttal fordert zudem Frankfurt auf, Alternativen zu suchen. Das Regierungpräsidium (RP) Darmstadt hatte Anfang Januar die Offenlage zum Genehmigungsverfahren beendet.

Obwohl seit Jahren wegen eines Brunnendefekts deutlich weniger Wasser gefördert wird, als bislang erlaubt (1,9 statt 2,6 Millionen Kubikmeter) sinken laut Bürgermeister Wolfram Zimmer (CDU) die Pegel. Die winterliche Grundwasserneubildung sei ob des Klimawandels anhaltend unterdurchschnittlich. „Es muss perspektivisch wieder eine langfristige Regeneration und eine Erhöhung der Mindestpegel erreicht werden“, sagt Zimmer. Allerdings erfordere dies, dass künftig bei der Entnahme Grenzwerte weder erreicht oder gar unterschritten werden, gleich ob das Wasser aus oberen oder tieferen Schichten entnommen werde. Wie im nördlichen Gebiet der Gemeinde, wo aus mehr als 100 Metern Tiefe drei Viertel der Gesamtmenge kommt. Der vom WVK geforderte Genehmigungszeitraum von 30 Jahren, um Investitionen zu sichern, hält Zimmer ob zunehmender Unwägbarkeit bei Niederschlagsprognosen überdies für falsch.

Gleiche Forderungen erhebt der BUND Main-Kinzig. Die Erlaubnisdauer sollte höchsten zehn Jahre betragen. Frankfurt als Hauptabnehmer müsse wie andere Großstädte selbst Trink- und Brauchwasser aus dem Fluss aufbereiten, was auch Brachttal in seiner Einwendung vorbringt. Eine Forderung, die die Kommune schon seit 20 Jahren erhebt. Die Versorger müssten sich den damit entstehenden Mehrausgaben stellen, so Zimmer. Eine Stellungnahme der Mainova war mangels Erreichbarkeit nicht zu erhalten. Das Unternehmen rühmte sich aber 2020, im Vergleich zu anderen Großstädten weiterhin günstig Trinkwasser anbieten zu können.

DAS VERFAHREN

40 Einwände, darunter eine Liste mit 316 Unterschriften, liegen derzeit laut Regierungspräsidium (RP) vor.

Die Erörterung der Einwände ist der nächste Schritt des RPs als Genehmigungsbehörde.

Der Termin, zu dem die Einwender anwesend sein können, wird laut RP voraussichtlich im April oder Mai sein. sun

Die Problematik ist im Blick. 2020 setzte der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main ein Wasserforum an, das jedoch pandemiebedingt ausfiel, so der Regionalverband. „Wir bauen bei der Lösung dieses Konflikts auf die Ergebnisse aus dem Leitbildprozess für ein integriertes Wasser-Ressourcenmanagement Rhein Main“, heißt es.

Seit Jahrzehnten kämpft Brachttal gegen die übermäßige Wasserentnahme, von der knapp 80 Prozent nach Frankfurt fließt, und die Folgen wie Risse in Hausfassaden oder absterbende Bäume. In den betroffenen Ortsteilen ist der Protest auf Bannern sichtbar. „Die Bürger fühlen sich nicht gehört“, sagt Zimmer. Auch sieht er keinen fairen Umgang. „Dass die Offenlage über die Weihnachtstage und die Einwandfrist am 5. Januar terminiert waren, in einer feiertags- und urlaubsreichen Zeit, gibt einem schon das Gefühl, die Kommune soll überfahren werden“, so Zimmer. Er hält dem WVK vor, den neuen Antrag nicht rechtzeitig vor Ablauf der Altgenehmigung gestellt zu haben, die bis Ende 2021 galt.

Der Antrag sei fachlich und methodisch unter Einbeziehung von Experten einwandfrei und im Sinn der Nachhaltigkeit aufgestellt worden, so der WVK. Der Verband gehe davon aus, dass das RP die Erlaubnis im vollen Umfang ausspreche, heißt es. „In diesem Fall“, sagt Bürgermeister Zimmer, „wird die Gemeinde den Klageweg prüfen.“

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