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Steinmetz Martin Röhling zeigt in Nidda alte Stelen.

Blicke über den Tellerrand

Museen von Alsfeld bis Bad Vilbel planen für den 12. Mai teils kuriose Sonderschauen

Von Peter Hauff

Am Internationalen Museumstag beteiligen sich in Hessen rund 200 Häuser. Die meisten verzichten am kommenden Sonntag auf Eintrittsgeld und öffnen umsonst ihre Schatzkästlein. 37 von ihnen stehen in Oberhessen, also den drei Landkreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau.

Die ehrenamtlich aufgebauten Heimatmuseen haben meist dann Erfolg bei Besuchern, wenn sie nicht nur Vergangenes zeigen, sondern den Blick auf die Gegenwart schärfen. In Wölfersheim steht deshalb zum Beispiel kein Bergbau-, sondern ein Energiemuseum. Statt den lokalen Braunkohleabbau zu dokumentieren, spannte man den Bogen erfolgreich weiter.

Auch das Heimatmuseum in Nidda erweitert seinen Horizont, wenn es am Sonntag nicht nur Bleisatz und eine Apfelweinpresse ausstellt, sondern zur Sonderschau „Wir wollen freie Menschen sein!“ einlädt. Am 17. Juni jährt sich der Volksaufstand in der DDR zum 60. Mal. In der Wetterau-Gemeinde erinnern bundesweit gesammelte Fotos und Dokumente aus 25 Archiven an den Widerstand gegen die SED-Diktatur.

Viele Museen sind Lernorte und haben Bildungsziele. Das vor zwei Jahren gegründete Muna-Museum in Grebenhain ruft ins Gedächtnis, welches Versteckspiel Behörden aufführten, als es vor vierzig Jahren an einer zwei Kilometer entfernten NATO-Versorgungsstelle um hohe Politik für Krieg und Frieden geht.

„Wir dokumentieren nicht nur die Geschichte der Luftwaffen, sondern auch die Proteste für den Frieden, als über 3000 Menschen hier eine Kette bildeten, weil sie vor Ort Chemiewaffen und Atomsprengköpfe vermuteten“, sagt Museumsleiter Carsten Eigner.

Ganz ohne Geld und Raum aus öffentlicher Hand könnte kaum ein Museum ausgebaut und unterhalten werden. Abstrus nennt die Geschäftsführerin der Vogelsberg Touristik, Uta Nebe, Erwartungen an viele Heimatmuseen, länger zu öffnen und breitere Angebote zu machen, während ihnen gleichzeitig Personal gekürzt werde: „Museen dürfen nicht einfach als Kostenträger wahrgenommen werden“, warnt Nebe.

Die zurzeit in Bad Nauheim geplante Privatisierung des Rosenmuseums, einer weltweit einzigartigen Einrichtung, die ebenfalls am Museumstag teilnimmt, nennt die Expertin für Fremdenverkehr einen ersten Schritt in mehr Bedeutungslosigkeit. „Wer wissenschaftliche Mitarbeiter als Geschäftsführer in der Stadtverwaltung versteckt, um dann besser sparen zu können, macht vielleicht vieles kaputt, das so schnell nicht wieder aufgebaut werden kann.“

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