Eine gute Kamera mit starkem Teleobjektiv ist unerlässlich.
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Eine gute Kamera mit starkem Teleobjektiv ist unerlässlich.

Detektive im Einsatz

Blick ins Schlafzimmer für 2000 Euro

Detektiv Marcus Lentz aus Hanau plaudert aus seinem Alltag. Der erfordert vor allem gutes Sitzfleisch und einen scharfen Blick. Und ein gepackter Koffer sollte immer griffbereit sein.

Von Ute Vetter

Der Vergleich mit „Ein Fall für zwei“ drängt sich auf – das Büro des Detektivs Marcus Lentz über den Dächern der Hanauer Innenstadt wirkt fast genauso wie das des Anwalts Markus Lessing aus der Fernseh-Serie, die in Frankfurt spielt. „Ja, der Blick über die Innenstadt ist toll – auch ohne Wolkenkratzer“, sagt der 42-Jährige lächelnd. Sein Gesicht kann er aber nur darum so lässig in die Kameras halten wie Serien-Detektiv „Matula“, weil er erstens jünger und weniger faltig und zweitens „längst aus dem operativen Geschäft raus“ ist. Überhaupt sei sein Beruf „nicht so aufregend, wie die Leute glauben“, erzählt er.

80 Prozent der Zeit sitze man in Autos. Für die Observationen brauche es viel Geduld. Aber dann plaudert er doch ein bisschen aus dem Nähkästchen. Ohne Namen zu nennen – Datenschutz und Vertraulichkeit sind schließlich oberstes Gebot in diesem Job.

Betrügern auf der Spur

Rund 70 Prozent aller Aufträge an seine Detektei haben mit Wirtschaftskriminalität zu tun: Lohnfortzahlungsbetrug im Krankheitsfall, Warendiebstahl und Arbeitszeitbetrug – etwa bei Außendienstmitarbeitern. „Da hat etwa ein Außendienstler Woche für Woche 45 bis 50 Dienststunden abgerechnet“, erzählt Lentz. „Aber die entsprechenden Kundenerfolge fehlten einfach.“ Die Firma wurde misstrauisch und beauftragte Lentz. Er observierte den Mann eine Woche lang – „er war nur neun Wochenstunden als Außendienstler für die auftraggebende Firma unterwegs, stellte aber dafür exakt 45,25 Stunden in Rechnung“, erinnert er sich. Dabei fixiert er sein Gegenüber, spricht deutlich, in klaren Sätzen. Fakten sind sein Metier, Ausschmückungen verpönt. „Firmen kommen meist aus klassischen Gründen zu uns. Sie wollen wissen, ob ein Arbeitnehmer wirklich krank ist oder nur krank feiert, wieso Waren und Dateien verschwinden“, erklärt Lentz, der ausschließlich von der Zentralstelle für die Ausbildung im Detektivgewerbe geprüfte Mitarbeiter beschäftigt. Ein Kraftfahrer etwa, der angeblich unter einem schweren Bandscheibenvorfall litt, „schleppte auf seiner Haus-Baustelle den ganzen Tag Zementsäcke. Das haben wir dokumentiert. Er wurde fristlos entlassen.“ Doch man melde ebenso, wenn Arbeitnehmer tatsächlich krank seien. Lentz bricht eine Lanze für den Arbeitgeber: „Er soll sich an Recht und Vertrag halten – das kann er auch vom Arbeitnehmer verlangen.“

Es gibt auch aufwendige Aufträge. In eine große Spedition musste Lentz gleich mehrere Detektive einschleusen. Sie fanden nach 14 Tagen heraus, dass drei Angestellte Laptops und PC-Teile wegschafften, in einer Garage zwischenlagerten und dann weiter verkauften.

Bei privaten Auftraggebern sind untreue Ehe- oder Lebenspartner die Klassiker. „Das macht etwa 25 Prozent unseres Geschäfts aus“, schätzt Lentz. Zwar gebe es seit 1972 kein „schuldig geschieden“ mehr, aber bei fortgesetzter ehelicher Untreue könnten durchaus Unterhaltsansprüche verwirkt werden. Männer stellten sich beim Fremdgehen ungeschickter an als Frauen. „Die parken mit dem eigenen Wagen vor der Haustür der Geliebten, kommen gar nicht auf die Idee, dass sie beobachtet werden könnten.“ Frauen seien generell geschickter, nähmen auch mal ein Taxi oder öffentliche Verkehrsmittel.

Bei prominenten oder reichen Kunden kommt es bei Observationen durchaus vor, dass Detektive innerhalb von drei Stunden ins Ausland fliegen müssen. „Wir haben stets einen Koffer bei uns“, erzählt eine Detektivin. Abendgarderobe, Ausweise, Businesskleidung und Sportsachen sind Pflicht. Auch Hunde, Fahrräder oder Skateboards gehörten zur Tarnung. Walkie-Talkies, Mikrofone, Koffer voller Fotoapparate, Objektive und Videokameras sind selbstverständlich. Perücken und künstliche Schnurrbärte findet Lentz dagegen „albern“. Es genügten Sonnenbrillen und Frisurenwechsel. Überhaupt müssen sich Detektive auf jedem gesellschaftlichen Parkett sicher bewegen – ob im Luxus-Restaurant oder im Spielcasino. Eine gute Allgemeinbildung, sicheres Auftreten, Eloquenz und Kenntnisse in Psychologie sind ein Muss. Vielleicht brechen darum relativ viele die zweijährige Ausbildung zum Detektiv ab, glaubt Lentz: „Viele stellen sich das einfacher und spannender vor“.

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